Breitbandnetze

Das Glasfaser-Spiel

03. Dezember 2001
Von Andreas Schmitz
Der Glasfasermarkt liegt am Boden. Die ersten Firmen gehen Pleite, gigantische Kapazitäten sind ungenutzt. Die Krise am Aktienmarkt und der Sparzwang der Dienste-Anbieter machen den verbliebenen Mitspielern zusätzlich zu schaffen.
Peter Pagé, freier Marktanalyst aus München, sieht den Glasfasermarkt erst einmal gesättigt.
Peter Pagé, freier Marktanalyst aus München, sieht den Glasfasermarkt erst einmal gesättigt.

Die Auftritte einiger der weltgrößten Glasfaserverleger auf der Yankee-Group-Konferenz "Securing aFuture For IP-Based VPNs" wirkten wie ein letztes Aufbäumenvor dem Untergang. Verzweifelt versuchen Netzanbieterderzeit, ihre ruhenden Kapazitäten auszulasten. ManagedServices, etwa Internet-Telefonie über private NetzwerkeNetzwerke,erscheinen vielen der von fallenden Kursen undAusgabenstopps der Telekommunikationskonzerne betroffenenHäuser als Rettungsinsel. Alles zu Netzwerke auf CIO.de

In den letzten Jahren haben die Glasfaserherstellergebuddelt wie nie. "Allein in unserem StuttgarterBürogebäude liegen Glasfaserleitungen von drei verschiedenenFirmen", sagt PR-Mann Klaus Papp. Sein Kunde, derUS-Netzanbieter Global Crossing, ist mit sieben MilliardenDollar Umsatz einer der größten Betreiber weltweiterGlasfasernetze. Inzwischen wurden allein in den USA rund 39Millionen Meilen Glasfaserleitungen verlegt. Die Kosten fürdie Netzwerkausstatter: neunzig Millionen Dollar in denvergangenen vier Jahren. "Die enormen Überkapazitätendrücken auf den Preis", sagt der Analyst Frank Rothauge vomBankhaus Sal. Oppenheim, "und die Datennetze sind nur zu 15Prozent ausgelastet." 2000 noch von den Aktionärengehätschelt, rissen die Kursstürze an den Börsen dieInfrastruktur-Unternehmen in den Abgrund. Das Marktbarometerist unbestechlich: Die Kurse der Glasfasernetzanbieter sindzuletzt um durchschnittlich neunzig Prozent eingebrochen.

Hohe Verluste der Anbieter

Hinzu kommt, dass alle großen Kommunikationskonzerne wegender Milliardenausgaben für UMTS einen strikten Sparkursfahren. Der weltgrößte US-Glasfaserhersteller, Corning,beispielsweise musste für das dritte Quartal 2001 Verlustevon 220 Millionen Dollar melden - im Vorjahr hatte es einenGewinn von 254 Millionen Dollar gegeben.

Keiner konnte sich im Hype des Jahres 2000 die diesjährigeTalfahrt vorstellen. Das Rekordjahr bescherte demGlasfasermarkt durch den breitbandhungrigen Internet-Boommit fünfzig Prozent den höchsten je verzeichnetenZuwachs. Der weltweite Markt erreichte ein Volumen vonneunzig Millionen Faserkilometern, dem 2250fachenErdumfang. "Wenn man heute sagt, wir bauen Dark-Fibre-Netze,ist es fast unmöglich, dass wir je Pleite gehen", tönte derEuropa-Manager von Metromedia Fibre Networks, Ralf Kurbjuhn,noch im Juli 2000.

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