Kritik an IT-Gipfel-Konzept

"Das ist unendlich frustrierend"

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public ICT, Telekommunikation und Social Media.
Konkrete Pläne zur Umsetzung weitreichender Leuchtturmprojekte spielen keine Rolle mehr. Stattdessen verzettelt man sich im Kleinklein des Tagesgeschäfts. Ex-McKinsey-Berater Boris Maurer möchte den Nationalen IT-Gipfel verändern.
Boris Maurer, Ex-Berater bei McKinsey, möchte neuen Schwung in den Nationalen IT-Gipfel bringen.
Boris Maurer, Ex-Berater bei McKinsey, möchte neuen Schwung in den Nationalen IT-Gipfel bringen.

Auf dem Nationalen IT-Gipfel vor zwei Jahren haben CIOs erstmals eigene Forderungen erhoben. Vor dem Gipfel 2010 in Dreden zeigte sich: Die Erwartung, dass die Anwender mit einer Stimme ihre Interessen einbringen würden, wurde enttäuscht. CIO berichtete über den "CIO-Ärger vor dem IT-Gipfel". Aber auch aus anderen Richtungen gibt es Kritik und Vorschläge, wie man es besser machen könnte.

CIO.de: Herr Maurer, in welcher Funktion haben Sie den IT-Gipfel in den vergangenen Jahren begleitet?

Boris Maurer: Ich habe bis zum Sommer dieses Jahres bei McKinsey gearbeitet, war dort Partner und habe mich dort vor allem in der IT- und Kommunikationsbranche getummelt. Ich habe auch große Erfahrung bei der Beratung im Öffentlichen Sektor gesammelt. In verschiedenen Zusammenhängen konnte ich dabei helfen, den einen oder anderen IT-Gipfel mit vorzubereiten.

CIO.de: Der letzte Gipfel war im Dezember in Dresden. Wie hat sich der IT-Gipfel entwickelt?

Maurer: An dem Gipfel funktioniert ganz gut, dass die Industrie und die Politik über die wesentlichen Themen miteinander ins Gespräch kommen. Es gibt ja immer vorbereitende Runden, in denen diskutiert wird. Die Grundidee der IT-Gipfel geht auf die Erkenntnis zurück, dass der Hightech-Standort Deutschland seine Eigenständigkeit und seine Substanz verliert. Man wollte zusammen darüber nachdenken, - auch ein bisschen visionär -, was der Standort braucht, um Deutschland als eine führende Hightech- und IT-Industrie in Europa und der Welt zu bewahren und weiterzuentwickeln. Eigentlich sollten hier die wesentlichen Standards für komplexe ICT-Lösungen entstehen und nicht in Asien oder den USA. Wir brauchen nicht ein SAP, sondern mehrere. Nur: Diese Idee ist eigentlich nicht aufgegangen.

CIO.de: Warum nicht?

Wahrscheinlich hat es nicht funktioniert, weil so ein Gipfel dafür gar nicht das richtige Instrument ist. Man kann Visionen in Gremien mit den Führungskräften der gesamten Industrie mit so einen breiten Portfolio an Themen schlecht vorantreiben. Man muss Vorschläge, die schon zu Ende gedacht sind, wahrscheinlich in einem kleineren Kreis präsentieren und dort diskutieren und vereinbaren. Wenn Sie alle Wettbewerber an einen Tisch setzen, können Sie nicht erwarten, dass hinterher zum Beispiel ein belastbarer Rahmen etwa darüber herauskommt, wie man Glasfaser in Deutschland ausrollen kann.

Wenn man die Softwareindustrie zusammen mit Hardwarevertretern und der TK-Industrie an einen Tisch setzt, dann kann man einfach nicht davon ausgehen, dass sie sich auf Standards einigen. Denn es verfolgen alle ja auch ganz kurzfristige und sehr spezifische Interessen.