Fachleute erschüttert

Das Neue über NSA, GCHQ und BND

05. Dezember 2013
Geheimdienste sind dazu da, Informationen zu sammeln. Auch dass NSA und Co. im Internet besonders aktiv sind, war schon lange bekannt. Einige Enthüllungen aus den Dokumenten des Informanten Edward Snowden erschütterten jedoch selbst Fachleute.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse der Enthüllungen?

Der US-Abhördienst NSA saugt Daten aus dem Internet in einem viel größeren Umfang auf als sich das selbst IT-Sicherheitsexperten vorstellen konnten. Unter anderem mit Hilfe des britischen Pendants GCHQ werden direkt Glasfaser-Leitungen angezapft, durch die die Datenströme unterwegs sind. Die geknackte Verschlüsselung des Mobilfunkstandards GSM wurde zudem benutzt, um dutzende Staats- und Regierungschefs abzuhören.

Um welche Arten von Daten geht es?

Soweit man die bisher bekanntgewordenen Unterlagen richtig interpretiert, wird so ziemlich alles eingesammelt: E-Mails samt Daten zu Absender und Adressat, Adressbücher, Daten zu Telefonanrufen, gespeicherte Suchanfragen, Ortsinformationen. Zum Teil sollen sie direkt zwischen den Rechenzentren von GoogleGoogle und Yahoo abgeschöpft worden sein. Alles zu Google auf CIO.de

Gibt es auch für die NSA noch technische Grenzen?

Eine komplexe Verschlüsselung kann auch die NSA mit ihren Supercomputern wohl nicht knacken. Deshalb versucht sie, Lücken in Standards dafür sowie in Programme und Technik einzuschleusen. Diverse Systeme wie etwa PGP für die Verschlüsselung von E-Mails gelten aber weiterhin als sicher. Die NSA hebt verschlüsselte Kommunikation auf und hofft, sie irgendwann lesen zu können.

Wie stark waren Daten von Nutzern aus Deutschland betroffen?

Es gibt bisher keine direkten Angaben dazu. In einer der Geheimdienst-Präsentationen wurde eine hohe Überwachungsaktivität westlicher Geheimdienste in Deutschland angezeigt, aber ohne nähere Angaben. Dies kann sich aber auch auf die Bedeutung von deutschen Unternehmen in den Wirtschaftsbeziehungen zu Ländern wie Iran beziehen. Die NSA hat zumindest nach US-Recht für die Schnüffelei bei deutschen Nutzern freie Hand: Hier gelten die gesetzlichen Einschränkungen nicht, die US-Behörden das Ausspionieren eigener Bürger grundsätzlich verbieten.

Was wussten deutsche Politiker?

Der BND arbeitet seit mehr als 50 Jahren mit der NSA zusammen. Vor diesem Hintergrund müssen letztlich alle Regierungen, die in dieser Zeit Verantwortung hatten, von der Partnerschaft gewusst und sie mitgetragen haben.

Wie sicher sind die bisherigen Vorstellungen über Prism, Tempora, XKeyscore und Co.?

Snowden gewährte mit seinen Enthüllungen der Öffentlichkeit einen ersten Einblick in das Überwachungssystem. Die Informationen basieren auf Powerpoint-Präsentationen, die er mitgenommen hat, sowie seinen persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen als Systemadministrator. Die knappen Begriffe auf den Folien und die bislang veröffentlichten Äußerungen von Snowden ergeben ein Puzzle, in dem viele Teile für ein vollständiges Bild fehlen und schwer zu füllen sind. Außerdem sind viele Unterlagen schon mehrere Jahre alt - eine Ewigkeit in der Computerwelt. (dpa/rs)

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