Mitarbeitermotivation

Das Problem sind die mittleren Manager

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Wer das Wort "Mitarbeiter" nur sagt, löst schon eine lebhafte Diskussion aus. Top-Entscheider sehen das Problem beim mittleren Management. Eine zu kurze Sicht, fand jedenfalls eine Expertenrunde in München.
Markus Klups von den "Zukunftsagenten" moderierte den Talk mit Coach Svenja Hofert, Publizist Edgar Geffroy, Dell-Experte Heiner Bruns und Markus Albers von der Agentur Rethink (v.l.)
Markus Klups von den "Zukunftsagenten" moderierte den Talk mit Coach Svenja Hofert, Publizist Edgar Geffroy, Dell-Experte Heiner Bruns und Markus Albers von der Agentur Rethink (v.l.)
Foto: Eva Thar/Dell

"Das ist ein Tsunami, der auf uns zurollen wird", verkündet Edgar Geffroy und meint damit Themen wie Fachkräftemangel und Mitarbeiterführung. Der Publizist und Berater ist einer von vier Experten einer Gesprächsrunde des IT-herstellers Dell im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München.

Geffroy übernimmt gleich zu Anfang die Rolle der Kassandra. Vor 20 Jahren habe er bereits von der Macht des Kunden gesprochen, wofür man ihn bei Veranstaltungen rausgeschmissen habe. Heute stelle jeder den Kunden in den Mittelpunkt. Eine ähnliche Entwicklung prophezeit er seiner aktuellen These, die "Herzenssache Mitarbeiter" lautet.

Bewusstsein schaffen muss er dafür wohl nicht mehr. Geffroy selbst schildert Gespräche mit Top-Entscheidern so: "Sie brauchen nur das Stichwort Mitarbeiter zu nennen, und schon geht das hoch wie eine Rakete!" Allein seine Gesprächspartner setzten nicht bei sich selbst an, sondern reichten das Thema weiter. Er höre oft: "Das Problem sind nicht die Mitarbeiter, das Problem sind meine Manager", sagt Geffroy.

Eine zu kurze Sicht, da ist sich die Runde einig. Markus Albers, Chef der Berliner Agentur Rethink, identifiziert drei Ansatzpunkte in den Unternehmen. Das sind Folgende:

  1. Das Büro neu erfinden: "Es muss ja nicht überall aussehen wie bei Google", sagt Albers. Die Unternehmen müssten aber verstehen, was ein Büro für die kommende Mitarbeitergeneration ist: ein Ort, an dem sie ihre Kollegen treffen, statt eines "Arbeitsplatzes".

  2. Die richtigen Tools (etwa für vernetztes Arbeiten und Fernzugriff) bereitstellen: In diesem Punkt attestiert er deutschen Unternehmen Lernfähigkeit.

  3. Die Firmenkultur ändern: "Und das ist das Schwierigste", seufzt Albers.

Er appelliert an Unternehmen, diese Bereiche als großen Zusammenhang zu begreifen, statt wie bisher getrennt voneinander zu diskutieren. Albers: "ITler und Personaler sollten mal zusammen Mittagessen gehen!" Eine Forderung, mit der er bei Heiner Bruns, Dell-Experte zur Zukunft der Arbeitswelt, offene Türen einrennt. Wie Bruns beobachtet, wissen viele Firmen überhaupt nicht, was ihre Mitarbeiter mit der IT eigentlich machen. Das kann Albers bestätigen: Da schalte mancher Konzern um 18 Uhr die Server ab, damit die Mitarbeiter keine Mails mehr bearbeiten - diese aber leiten sich die Nachrichten einfach auf ihren privaten Account um.

Unternehmen sollen Mitarbeiter nach ihrer Motivation fragen

Coach Svenja Hofert umreißt den neuen Führungsstil, den Firmen brauchen werden, so: "Wer Ffhren will, muss Menschen lieben." Wie oft das Gegenteil der Fall ist, erlebt sie in ihrer Praxis. Geht es nach Hofert, sollten Unternehmen viel häufiger nach der Motivation der Mitarbeiter fragen. Leistung ist für sie eine Gleichung aus Wollen, Können und Dürfen. Derzeit schauten die Firmen zu stark auf das Können. Falsch, findet Hofert. Neue Skills könne sich fast jeder aneignen, wenn er will.

Hofert glaubt, dass sich Firmen aus zwei Gründen so stark auf nachweisbare Kompetenzen fokussieren: zum einen lassen sich diese leicht messen. Bei der Motivation eines Menschen ist das schon schwieriger. Zum anderen agierten viele HR-Abteilungen immer noch verwaltungsorientiert.

Dabei wäre es eigentlich ganz einfach, überlegt Markus Albers: "Die Unternehmen könnten doch ihre Mitarbeiter einfach mal fragen: Wie wollt ihr arbeiten?"

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