Hacks, Urteile, Spaltungen und viel Geld

Das war das IT-Jahr 2015

Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.

Oktober

Für einen Paukenschlag sorgte im Oktober Dell. Der texanische PC-Hersteller verkündete, für 67 Milliarden Dollar den Speicherspezialisten EMC übernehmen zu wollen. Das ist die größte Akquisition aller Zeiten in der weltweiten IT-Branche. 33,15 Dollar je Anteil wollen Dell, sein Großinvestor Silver Lake, die Private-Equity-Firma MSD Capital und Temasek, eine staatlich geführte Beteiligungsgesellschaft aus Singapur, für 70 Prozent an EMC zahlen. Allein der Virtualisierungsspezialist VMware, an dem EMC 81 Prozent der Anteile hält, wird an der Börse mit knapp 30 Milliarden Dollar gehandelt. Für den Deal brauchen die Partner 40 Milliarden Dollar von BankenBanken. Top-Firmen der Branche Banken

Einen Rekord gab es auch in der deutschen IT-Szene. Erstmals wurde bei den IT-Jobs die Millionen-Marke geknackt. So erwartet der Bitkom bis Jahresende mehr als eine Million IT-Beschäftigte. Damit seien in den vergangenen fünf Jahren rund 135.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Die Branche festige ihre Rolle als zweitgrößter industrieller Arbeitgeber, knapp hinter dem Maschinenbau.

Allerdings dürfte die Arbeitswelt in Zukunft etwas durcheinandergeraten. Industrie 4.0 hat Folgen für den Arbeitsmarkt. Marktforschern zufolge stehen bis zu 60.000 Jobs auf der Kippe. Zwar dürften mit dem digitalen Wandel in der Produktion in Deutschland rund 430.000 neue Arbeitsplätze entstehen. In derselben Zeit sollen aber 490.000 meist einfachere Jobs verloren gehen, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) errechnet.

Nach einem bahnbrechenden Urteil wird die Übermittlung persönlicher Daten europäischer Internet-Nutzer in die USA schwieriger. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) erklärte die 15 Jahre alte Vereinbarung zur unkomplizierten Datenübertragung ("Safe Harbor") für ungültig. Die Informationen seien in den USA nicht ausreichend vor dem Zugriff von Behörden und Geheimdiensten geschützt, das verletze die Rechte der Europäer, urteilten die Richter in Luxemburg (Rechtssache C-362/14). Die Entscheidung hat eine weitreichende Bedeutung für die Internet-Wirtschaft. Vor allem kleinere Unternehmen verließen sich bisher darauf, dass Datenübermittlung in die USA unbedenklich ist. Ohne "Safe Harbor" müsste jede Firma selber dafür sorgen, dass der rechtliche Rahmen nach der Datenschutz-Grundverordnung eingehalten wird.

Auch eine andere Entscheidung sorgte für Diskussionen. Nach jahrelangem Streit und gegen den scharfen Protest von Opposition und Datenschützern hat der Bundestag eine Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Telekommunikationsdaten sollen künftig für zehn Wochen aufbewahrt werden, damit Ermittler bei der Bekämpfung von Terror und schweren Verbrechen darauf zugreifen können. Linke, Grüne, Piraten, FDP und Netzaktivisten halten das Vorhaben für verfassungswidrig und unverhältnismäßig. Mehrere Politiker und Initiativen kündigten an, gegen das Gesetz zu klagen.

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