CIO Auf- und Aussteiger


SAP-CIO Saueressig

"Das wird ein riesengroßer Umschwung - auch für SAP"

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Der neue CIO Thomas Saueressig ist ein SAP-Eigengewächs – und der jüngste CIO unter allen DAX-Konzernen. CIO.de sprach mit ihm.
Thomas Saueressig ist der neue CIO bei SAP.
Thomas Saueressig ist der neue CIO bei SAP.
Foto: SAP

Bei SAPSAP gibt es mit Thomas Saueressig seit Mai 2016 einen neuen CIO. Er folgt auf Ingrid-Helen Arnold, die im Silicon Valley eine neue Sparte rund um das Geschäft mit Daten aufbauen soll. Alles zu SAP auf CIO.de

Saueressig kam 2004 als Student zu SAP. Seit September 2014 war er Global Head of IT-Service bei SAP. Saueressig, mit 31 Jahren der jüngste CIOs eines deutschen DAX-Unternehmen, wird bei SAP die interne IT-Organisation mit rund 1500 Mitarbeitern leiten und an den COO berichten.

CIO.de: Wie haben Sie es geschafft, mit 31 Jahren CIO eines DAX-Konzerns zu werden?

Thomas Saueressig: Zugegeben, ich bin noch relativ jung. Aber bei SAP bin ich schon seit zwölf Jahren. Ich habe bei SAP das Duale Studium der Wirtschaftsinformatik an der Hochschule in Mannheim absolviert, habe dort direkt meine Diplomarbeit geschrieben und bin danach in die Beratung eingestiegen.

Weltweit über 40 Kundenprojekte

CIO.de: Was haben Sie dort gelernt?

Thomas Saueressig: Das Wichtigste für mich war, in den Kundenbereich einzusteigen. Ich habe weltweit über 40 Kundenprojekte durchgeführt - CRM-Implementierungen. Damit habe ich technisch verstanden, was es bedeutet, SAP-Systeme einzuführen. Als Projektleiter habe ich immer mehr Verantwortung übernommen. 2010 war ich im Rahmen eines Top-Talent-Fellowships ein halbes Jahr in Palo Alto, im Silicon Valley, um meinen Horizont im Geschäftsbereich des Partner-Managements zu erweitern und ein neues Geschäft mit aufzuziehen.

Vorstandsassistent von Gerhard Oswald

Ein Förderer von Saueressig war Gerhard Oswald, SAP-Vorstand.
Ein Förderer von Saueressig war Gerhard Oswald, SAP-Vorstand.
Foto: SAP

Dann erhielt ich die Chance, Vorstandsassistent von Gerhard Oswald zu werden. Das war hochspannend, denn so konnte ich die SAP in Gänze kennenlernen und erfahren, wie die verschiedenen Geschäftsbereiche zum Erfolg von SAP beitragen. Wie werden Entscheidungen beeinflusst und letztlich getroffen? Wie gehe ich mit dem Thema Eskalation um?

Mobilität und neue Arbeitsplätze

CIO.de: Mit welchen Themen haben Sie sich beschäftigt?

Thomas Saueressig: Ein Thema war die Mobilität und die neuen Arbeitsplätze: Wie verändert sich auch die Erwartungshaltung der Nutzer? Da ging es um Smartphones, das iPhone kam gerade auf. Es gab eine extreme Veränderung in der Technologie und im Verhalten der Nutzer.

Ich habe mich darum gekümmert, dass die SAP-Mitarbeiter die neuen Geräte produktiv nutzen konnten. Dabei ging es um die Verbesserung der Nutzungserfahrung. Es geht nicht nur darum, iPhones für ein Unternehmen herauszurollen. Es bringt erst dann etwas, wenn man damit Urlaubsanträge genehmigen kann, wenn das Reporting drauf ist, Kundengespräche unterstützt werden und viele weitere Apps das Leben erleichtern. Erst dann spreche ich von einem Produktivitätsgewinn. Wir haben mittlerweile über 70 Apps ausgerollt.

Wandel von SAP in die neue Welt

Letztlich wurde ich dann gefragt, ob ich mit meiner Nutzer-zentrierten-IT-Vision nicht auch die CIO-Rolle verkörpern könne, um den Wandel von SAP in die neue Welt zu begleiten. Der Druck dieses veränderten Nutzungsverhaltens durch mobile Geräte ist auch für die SAP spürbar, weil sich die Geschäftsmodelle verändern.

CIO.de: Was genau verändert sich gerade bei SAP?

Thomas Saueressig: Ein klassischer Kunde möchte Software heute anders kaufen und konsumieren. Es geht nicht nur um die Cloud. Schauen Sie sich den Vertriebsprozess an: der Kunde möchte nicht mehr so viel Interaktion, er möchte die Cloud-Software schnell ausprobieren, sie konsumieren können - auch ohne Implementierungspartner. Wir brauchen einen frischen Blick auf die digitale Welt. Das wird ein riesengroßer Umschwung - auch für die SAP.

Enorme Reichweite bei SAP

CIO.de: Warum arbeiten Sie nicht für ein Startup?

SAP: Kein Startup, aber laut Saueressig auch sehr attraktiv.
SAP: Kein Startup, aber laut Saueressig auch sehr attraktiv.
Foto: 360b - shutterstock.com

Thomas Saueressig: Startups sind für junge Mitarbeiter sicher sehr attraktiv. Aber bei SAP hat man die Möglichkeit, für 78.000 Menschen etwas Bedeutendes zu machen. Die Reichweite der Möglichkeiten, etwas zu verändern und zu bewegen, ist enorm. Wenn man sich der Verantwortung bewusst ist, ist das eine Riesen-Chance. Auch wenn es so aussieht, als ob manches länger dauert. Zusätzlich versuchen wir in der IT, den Startup-Gedanken in die Corporate-Welt des Business zu übertragen. Das ist auch eine sehr spannende Aufgabe.

CIO.de: Was sind Ihre Tipps für andere? Braucht man einen Förderer?

Thomas Saueressig: Ein Förderer ist nur ein Aspekt. Es ist vielmehr die Summe der Beziehungen, die man über die Zeit knüpft. Hinzu kommt die Leistung, die man liefern muss. Man sollte sich überlegen: Wie schaffe ich es, über die ganze Firma ein Netzwerk aufzuspannen und Verbindungen aufzubauen? Wie arbeiten die Mitarbeiter? Wie kann ich Feedback bekommen, wenn ich eine neue mobile App entwickle? Welche Zielgruppe spreche ich an?

Die Summe der Beziehungen

Ein anderes Thema ist mir wichtig: kontinuierliches Lernen. Ich möchte mich durch neue Herausforderungen immer weiterentwickeln. So habe ich etwa parallel zum Beruf einen Executive MBA an der ESSEC Paris und Mannheim Business School erworben. Wenn die Lernkurve abflacht, kommt man in eine Komfort-Zone, in der man sich zwar ziemlich wohlfühlt, aber wenn Sie diese Komfort-Zone erreicht haben, ist es besser, wieder etwas anders zu machen, was Sie auf dem Lernpfad weiterführt.