Deloitte-Studie

Data Analyst gesuchter als Data Scientist

30. Oktober 2015
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Die Datenanalysten sollen eher herkömmliche quantitative Analysen ausführen als neue Verfahren für Big Data entwickeln. Wirtschaftswissenschaftler werden bevorzugt.
Ein gutes Verständnis für Geschäftsprozesse ist bei Datenanalysten stärker gefragt als IT-Know how.
Ein gutes Verständnis für Geschäftsprozesse ist bei Datenanalysten stärker gefragt als IT-Know how.
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Deutsche Unternehmen verhalten sich in punctoData AnalyticsData Analytics konservativ. So lautet das Fazit der Studie "Datenland Deutschland - Talent meets Technology" von Deloitte. Die Consultants haben 291 Unternehmen daraufhin untersucht, wie sie Data Analytics personell und organisatorisch angehen. Alles zu Big Data auf CIO.de

Die Ergebnisse umreißt Deloitte in fünf Punkten. Das sind folgende:

1. Die Nutzung von Data Analytics steigt nicht in jeder Abteilung gleichermaßen. So geben 45 Prozent der Befragten aus dem Bereich Finanzen an, Entscheidungen basierten primär auf Datenanalysen. Für die IT-Abteilung sagen das 31 Prozent, im Marketing 29 Prozent und im Vertrieb 28 Prozent. Unter den Personalern gilt die Aussage jedoch nur für acht Prozent.

2. Nur jeder Fünfte sieht die Monetarisierung von Daten als Umsatzchance.Dem Spruch von den Daten als neuem Erdöl folgen zumindest die Studienteilnehmer kaum. Zwar sehen 54 Prozent der Befragten, dass Data Analytics zu fundierteren Entscheidungen führt. 38 Prozent erwarten außerdem "ganz neue Formen von Arbeitsorganisationen". Aber nur 20 Prozent erklären, die Monetarisierung von Daten entwickle sich zu einer neuen Umsatzquelle des Unternehmens.

3. Nach Investitionen in die Technologie geht es jetzt um die Fachkräfte. Wie jeweils knapp sechs von zehn Studienteilnehmern angeben, hat ihr Fachbereich sowohl in spezialisierte Software (58 Prozent) als auch in die IT-Infrastruktur (57 Prozent) investiert. Auf der Liste stehen nun Investitionen in die Weiterbildung von Mitarbeitern zu Datenanalysten (27 Prozent) und das RecruitingRecruiting von Datenanalysten (26 Prozent). Alles zu Recruiting auf CIO.de

4. Der Datenanalyst ist stärker gefragt als der Data Scientist.Deutsche Unternehmen belassen es meist bei quantitativen Auswertungen. An der Entwicklung neuer Tools für anspruchsvollere Auswertungen großer Datenmengen und an der Entwicklung komplexer Algorithmen sind sie weniger interessiert. Daher suchen sie eher Datenanalysten als Data Scientists.

Vorliebe für Wirtschaftswissenschaftler

5. Bevorzugter Kandidat ist ein Master in Wirtschaftswissenschaften. Bei der Rekrutierung von Datenanalysten ziehen 34 Prozent der Befragten einen Bewerber mit Master-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften (quantitative Ausrichtung) vor. Den zweiten Platz teilen sich ein Bachelor in Wirtschaftswissenschaften sowie ein Master in Naturwissenschaft (jeweils 25 Prozent der Stimmen). Dagegen wünschen sich nur neun Prozent einen promovierten Naturwissenschaftler.

Deloitte führt die Vorliebe für Wirtschaftswissenschaftler darauf zurück, dass Unternehmen von ihren Datenspezialisten neben technologischen Kompetenzen auch Verständnis für das Geschäftsmodell erwarten. Außerdem legen sie auf kommunikative Fähigkeiten wert.

"Big Data ist ein milliardenschwerer Zukunftsmarkt"

Alexander Börsch, Leiter Research bei Deloitte Deutschland, kommentiert die Studienergebnisse so: „Der richtige Einsatz von Big Data ist ein milliardenschwerer Zukunftsmarkt. Wer die passenden Mitarbeiter, Strukturen und Technologien hat, schafft sich einen Wettbewerbsvorteil."

Der deutschen Wirtschaft bescheinigt er Nachholbedarf. Zwar hätten viele Unternehmen in Technik und Software investiert, jedoch fehlten oft die qualifizierten Experten für eine zielführende Nutzung. "Diese Lücke muss geschlossen und Data Analytics konsequent über alle Unternehmensbereiche eingesetzt werden“, sagt Börsch.