Rückverfolgbarkeit

Dem Ei auf der Spur

05. Oktober 2005
Von Andreas Schmitz
Ein neuer Online-Service hilft der Metro und dem European Egg Consortium, die Herkunft jedes Eis auf Knopfdruck bestimmen zu können. Das Online Service-Food Safety (OS-FS) genannte System ist europaweit einzigartig.

Ob Kekse, Schweinshaxen, Bananen oder Eier: Für sämtliche Lebensmittel müssen Händler seit Anfang 2005 nachweisen, woher sie stammen - so will es die EU. "Hersteller müssen ihre Lieferanten kennen und wissen, an wen die Ware weitergeht", erläutert Matthias Horst, Hauptgeschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde in Berlin, und spricht von "Mindestanforderungen". Nationale Gesetze sehen bei Missachtung der Verordnung Bußgelder in Höhe von bis zu 20 000 Euro vor. "Für Konzerne wie Nestle, Unilever und Metro ist es wichtig, im Krisenfall selbst kleine Chargen schnell ’rückrufen zu können", ergänzt Horst. Dafür ist eine chargenbezogene Rückverfolgung nötig.

Der Handelskonzern Metro hat europaweit als erster Konzern in seinem Future Store in Rheinberg ein entsprechendes System laufen, mit dem ein Ei bis auf die Zutaten des Körnerfutters für die Hühner zurückverfolgt werden kann.

OS-FS lautet die Formel für Schadensprävention: Immer wieder kommt es zu Verunreinigungen von Lebensmitteln. Ende letzten Jahres etwa fanden Forscher in Holland Dioxin in Nahrungsmitteln. Der Grund: Im Produktionsprozess geriet dioxinhaltiges Mineral in Kartoffeln und setzte sich in den Schalen ab, die Bauern später als Futtermittel verwendeten. Sämtliche Betriebe, die das Futter ihren Tieren gaben, wurden sofort gesperrt. Je schneller dies geschieht, umso geringer ist der Schaden für die beteiligten Händler und den Verbraucher.

Matthias Horst, Bundesverband für Lebensmittelrecht und -kunde, Berlin "Für Konzerne wie Nestlé, Unilever und Metro ist es wichtig, im Krisenfall kleine Chargen schnell ‘rückrufen zu können."
Matthias Horst, Bundesverband für Lebensmittelrecht und -kunde, Berlin "Für Konzerne wie Nestlé, Unilever und Metro ist es wichtig, im Krisenfall kleine Chargen schnell ‘rückrufen zu können."

Die Voraussetzung dafür ist eine lückenlose Lieferkette von der "Primärerzeugung" über einzelne Veredelungsunternehmen bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel. Oberstes Ziel: Transparenz für alle Interessenten. Informationen, die jedes einzelne "Kettenglied" in ein zentrales System schickt, sei es der Futtermittelhersteller, ein Prüfinstitut, der Bauernhof oder der Tante-Emma-Laden, sollten per Knopfdruck über Internet darstellbar sein.

"Opinion Leader" sollen ins System

Dieses Zentralsystem ist ein Hochsicherheitsrechenzentrum in Frankfurt. Hier laufen unter hohen Sicherheitsstandards die Daten aus den Betrieben über das Internet hinein. "Eine Verwaltung eines Legebetriebs etwa gibt hier die Daten online ein", erläutert Bernd Krakau vom Rechenzentrumsbetreiber und Initiator T-Systems. E-technisch nicht so weit entwickelte Landwirtschaftsbetriebe können ihre Daten per Call-Center ins System einpflegen lassen. "Das System verknüpft sämtliche Daten durch eine eigene Logik", erläutert Krakau, der schon vor drei Jahren erste Schritte in Richtung Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln zurücklegte.

Lieferkette von Lebensmitteln: Woher - wohin
Lieferkette von Lebensmitteln: Woher - wohin