BPO-Markt mit frischer Dynamik

Depot-Banken werden zu BPO-Service-Providern

09. September 2004
Von Detlef Scholz
Der europäische Markt für Business Process Outsourcing (BPO) mit dem Schwerpunkt Vermögensverwaltung wird bis 2006 ein Volumen von 758 Millionen US-Dollar erreichen. Dabei erwächst ein neues Marktsegment in Form von BPO-Service-Providern, die Bedarf an skalierbaren Plattformen für Migrationen haben. Das folgt aus einer Studie von Datamonitor.

Leidtragende dieser Entwicklung könnten gemäß der Studie "Asset-Management-Technik in Europa" die Anbieter von Back-Office-Software sein. Deren Marktsegment wird voraussichtlich schrumpfen. Denn die traditionellen Vermögensverwalter und Depotbanken wie Bank of New York, JP Morgan oder Citigroup zeigen starkes Interesse an der Übernahme der kompletten Back-Office-Operationen im Asset-Management ausgründungswilliger Unternehmen. Dabei entwickeln sie Bedarf an Applikationen höchster Skalierbarkeit, vielfältiger Einsatzmöglichkeiten und großer Funktionstiefe – eine Herausforderung für die entsprechenden Software-Entwickler.

In der Vermögensverwaltung erfahrene Banken wie die HSBC (im Bild das Headquarter London) übernehmen oft das komplette Back-Office im Asset-Management großer Unternehmen.
In der Vermögensverwaltung erfahrene Banken wie die HSBC (im Bild das Headquarter London) übernehmen oft das komplette Back-Office im Asset-Management großer Unternehmen.

Das geradezu sprunghafte Auftreten von BPO-Deals großen Umfangs im Segment Asset-Management ist einerseits das Resultat aggressiver Vorgehensweisen der traditionellen Vermögensverwalter. Andererseits besteht aber auch erheblicher Bedarf seitens der Unternehmen, ihr Asset-Management in andere Hände zu geben. Von den meisten Auslagerungsaktionen im europäischen Asset-Management waren jeweils mehrere Hundert Mitarbeiter betroffen.

Vorteil durch Größe

Der nächste Schritt der Service-Provider im Bereich der Vermögensverwaltung wird darin bestehen, zusätzliche Kunden zu gewinnen. Die so erzielten Größenvorteile können dann in Prozessen und Plattformen kapitalisiert werden. Viele dieser Provider sind allerdings noch damit beschäftigt, die übernommenen Systeme und Prozesse zu integrieren. Laut Datamonitor arbeiten sie an der Entwicklung von Migrationsplattformen, die mehreren unterschiedlichen Kunden zugleich nutzen können. Zudem werden sie ihre Consulting-Kompetenz ausbauen, indem sie ihr Know-how über geschäftliche Transformationen und Migrationsprozesse auch als Service anbieten.

Datamonitor konstatiert bei BPO-Providern mit technologischem Hintergrund wie IBMIBM und EDS eine starke Neigung, sich Anteile in dem neuen Markt zu sichern. Allerdings bezweifelt der Analyst, ob solche Unternehmen die Entwicklung der vergangenen ein bis drei Jahre mit bloßen Einzelangeboten aufholen können. Alles zu IBM auf CIO.de

Es gibt jedoch viele gute Gründe für Partnerschaften zwischen traditionellen Asset-Management-Unternehmen und BPO-Providern aus der technologischen Ecke. Eine Kombination aus Expertenwissen um die operativen Aspekte seitens der Vermögensverwalter und dem technologischen Know-how der IT-Anbieter ergäbe den kompletten All-in-One-Provider. Er könnte dem BPO-Markt seinen Stempel aufprägen und für frische Dynamik sorgen.

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