Public IT


Elektronischer Personalausweis

Der Ausweis fürs Internet

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Am 1. November startet in Deutschland der neue Personalausweis im Scheckkartenformat. Firmen erwarten Millioneneinsparungen. Mehr als 180 Firmen testen zurzeit Technik, Nutzen und Einsatzgebiete des Ausweises.
Sorgen der Bürger: Optional lassen sich auch die Finger- abdrücke der beiden Zeigefinger auf dem Chip speichern.
Sorgen der Bürger: Optional lassen sich auch die Finger- abdrücke der beiden Zeigefinger auf dem Chip speichern.

Ministerialrat Andreas Reisen ist begeistert. Das muss er auch, denn der gelernte Diplomphysiker ist Leiter des Referats "Pass- und Ausweiswesen, Identifizierungssysteme" im Bundesministerium des Innern. Und in diesen Tagen muss er vielen die Eigenarten des künftigen Ausweises erklären. Doch irgendwie nimmt man ihm seine Begeisterung auch ab. Überhaupt klingen fast alle in den Firmen überzeugt von den Vorteilen des kleinen Ausweises mit RFID-Chip. So sagt Vorstand Detlef Frank von HUK24, Online-Tochter der Versicherung HUK-Coburg: "Unser Ziel ist, dass sich der Kunde künftig gegenüber der HUK24 mit seinem neuen Personalausweis ausweist. Dieses Ziel ist ohne Weiteres erreichbar, das hat sich gezeigt. Der neue Personalausweis ist aus unserer Sicht marktreif."

Auf der CeBIT haben Vertreter der HUK24 und andere künftige "Diensteanbieter" wie Cosmos Direkt, Provinzial Rheinland Versicherung und Deutsche Kreditbank sowie die Bundesdruckerei ihre Anwendungen vorgeführt. Häufigstes Szenario: Bisher mussten sich Nutzer von Online-Portalen mit Benutzerkennung und PIN anmelden, eine manchmal umständliche Prozedur. Hat der Kunde seine Zugangsdaten nicht zur Hand oder sie vergessen, muss er sie neu beantragen. "Mit dem neuen Personalausweis ist der Zugang überall und jederzeit möglich", sagt Frank. "Wir gehen deswegen davon aus, dass das Vertrauen der Internet-Nutzer in das Online-Versicherungsgeschäft steigen wird."

Alexander Schmid Berater, Bearingpoint: "Wir sehen eine Verlagerung von Geschäftsmodellen ins Internet, was durch die sichere elektronische Identitätsfeststellung noch einmal erleichtert wird."
Alexander Schmid Berater, Bearingpoint: "Wir sehen eine Verlagerung von Geschäftsmodellen ins Internet, was durch die sichere elektronische Identitätsfeststellung noch einmal erleichtert wird."

Damit am 1. November 2010 alles reibungslos klappt, hat das Bundesinnenministerium in einem zentralen Anwendungstest die nicht-hoheitliche Nutzung der elektronischen Identität und der E-Signatur getestet. "Dazu wurde ein Kompetenzzentrum beauftragt, das unter der FührungFührung der Beratungsfirma Bearingpoint zusammen mit Steria Mummert und den zwei Fraunhofer-Instituten Fokus und SIT betrieben wird", sagt Alexander Schmid, Leiter des Zentrums und Berater für Public GovernmentGovernment bei Bearingpoint. Alles zu Führung auf CIO.de Alles zu Government auf CIO.de

CIO Ralf Schneider von der Allianz Deutschland lobt das Verfahren, mit dem das Ministerium auf die Wirtschaft zugegangen ist, ausdrücklich: "Er ist ein hervorragendes Mittel, um die Stärke des neuen Personalausweises (nPA) live zu testen." Ein hinreichendes Testen in einer frühen Phase sei notwendig, um die Erfahrung für den Endkunden beim Umgang mit dem nPA so angenehm wie möglich zu gestalten.