Congstar

Der Billigheimer der Telekom

18. August 2014
Anfangs wurden sie müde belächelt oder ganz ignoriert, die Discounter auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Doch die Billiganbieter stießen in eine Marktlücke, die sie erfolgreich machte.

Wer das Bürogebäude des Mobilfunkers betritt, muss erst einmal suchen. "Doch, hier sind Sie richtig", sagt ein Herr hinter dem Empfangstresen. Vor vielen Jahren hatte die Deutsche Telekom das Hochhaus mit seinen dicken Wänden und kleinen Fenstern unweit des Kölner Fernsehturms aufwendig sanieren lassen. Hier in der Nähe der neuen Moschee residierte einst der bundesdeutsche Verfassungsschutz. Doch von Schlapphüten ist heute weit und breit keine Spur.

In der zweiten und dritten Etage hat das Mobilfunk-Unternehmen Congstar seinen Sitz. Viele Farben und ein schwarzer Stern im weißen Kreis sind sein Markenzeichen. Die Atmosphäre ist betont locker: Offene Bürowelten, Pausen- und Besprechungsräume sind in einem ovalen Rundgang angeordnet. An den Wänden hängen Fotos aller 130 Congstar-Mitarbeiter in Pop Art. Hier duzt man sich, vom Praktikanten bis zum Geschäftsführer.

Sieben Jahre nach Gründung ist die Discount-Tochter der Deutschen Telekom in der Branche längst zum Begriff geworden - neben anderen bekannten Marken wie Simyo, Fonic, Alditalk oder Blau. Congstar gehört heute mit 3,4 Millionen Kunden zu den führenden Anbietern im Discount-Geschäft. Martin Knauer steht seit 2011 an der Spitze des Unternehmens.

"Seit einigen Wochen sind wir die Nummer drei unter den Discountern", sagt der 50-jährige Betriebswirt, der seine KarriereKarriere im Bertelsmann-Konzern startete und 1996 zur Telekom kam. Mit einem Wachstum von jährlich 30 Prozent sind die Kölner zu einer festen Größe geworden: "Fast 10 Prozent der bei der Telekom aktiven SIM-Karten befinden sich inzwischen bei der Marke Congstar." Alles zu Karriere auf CIO.de

So hatte im vergangenen Quartal vor allem die Zweitmarke des Konzerns das Wachstum von T-Mobile im Inland angekurbelt. Jetzt soll Congstar durch den unlängst abgeschlossenen Sponsorenvertrag mit dem Zweitligaclub FC St. Pauli sein Markenprofil weiter schärfen.

"Congstar wird heute innerhalb der Telekom sehr viel stärker als Zweitmarke wahrgenommen", ist sich Knauer sicher. Das Geschäft konzentriert sich - anders als bei der Konzernmutter - vor allem auf junge, preisbewusste Kunden. Seit April verkauft Congstar seine Produkte rund um den Mobilfunk und das Festnetz auch in den Telekom-Shops. "Das ist keine Substitution, sondern ein Zusatzgeschäft", freut sich der Firmenchef.

Dabei war der Start holprig als Ex-Telekom-Chef René Obermann die Discount-Tochter Mitte 2007 ins Rennen schickte. Gerade bei den großen Netzbetreibern gab es zu der Zeit noch erhebliche Bedenken gegen den Aufbau einer Zweitmarke. Diese würde dem Unternehmen nur eigene Kunden wegnehmen, lauteten die Befürchtungen.

Aber die Telekom hatte ein Riesenproblem: Dem Konzern liefen damals im Festnetz die Kunden in Scharen davon. Im Mobilfunk wurden zugleich die Discounter - angetrieben vor allem von E-Plus - immer beliebter und preisaggressiver. Obermann hoffte, mit Congstar die Kunden an anderer Stelle wieder einzufangen.

Doch die Akquise stotterte. Die junge Tochterfirma schrieb laut "Wirtschaftswoche" mehrere Jahre lang Verluste und tauschte 2011 den Geschäftsführer aus. Offizielle Zahlen wurden allerdings nie genannt.

Inzwischen setzt Congstar seinen Fokus auf Vertragskunden. Aus diesem Segment schöpft der Mobilfunker derzeit sein Wachstum. Doch im Discount-Geschäft wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel. Der Markt, Experten taxieren seinen Anteil auf rund 30 Prozent des gesamten Mobilfunksegments, wird zunehmend enger.

So stellt die Bundesnetzagentur in ihrem Jahresbericht 2013 fest, dass vor allem die Mobiltelefonie nur noch geringe Wachstumsraten aufweist. Mit einem Anstieg von 57 Prozent halten die Zuwächse des mobilen Datenvolumens unverändert an. "Wenn es der Branche nicht gelingt, das Thema "Mobile Daten" zu monetarisieren, wird es keine Preisrutsche mehr geben", glaubt Knauer. Der Trend müsse in Erlöse umgesetzt werden.

"Wir sehen einen stabilen Mobilfunk-Discounter-Markt bei ebenso stabilen Preisen", umschreibt der Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM, Jürgen Grützner, indes die Lage in der Branche. Aufgrund des hohen Datenvolumens würden derzeit vor allem Volumentarife an Bedeutung gewinnen.

Inzwischen buhlen mehr als 50 Mobilfunkmarken um die Gunst der Kunden, der Verdrängungswettbewerb wird schärfer. Tchibo Mobil war 2004 als erster Mobilfunk-Discounter an den Start gegangen, WhatsApp SIM (E-Plus, 2014) ist die jüngste Marke in dem Bereich. Allein E-Plus ist mit 15 Marken im Discount-Geschäft aktiv. Gemeinsam mit seinem Fusionspartner Telefónica O2 kommt das Unternehmen auf mehr als 20 Marken. (dpa/rs)

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Thema: Karriere

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