Umweltlabel für Drucker in neuer Version

Der Blaue Engel - das Umweltzeichen für Drucker

Armin Weiler kümmert sich um die rechercheintensiven Geschichten rund um den ITK-Channel und um die Themen der Distribution. Zudem ist er für den Bereich Peripherie zuständig. Zu seinen Spezialgebieten zählen daher Drucker, Displays und Eingabegeräte. Bei der inoffiziellen deutschen IT-Skimeisterschaft "CP Race" ist er für die Rennleitung verantwortlich.
Das Umweltzeichen "Blauer Engel" gilt mittlerweile als Standardspezifikation bei Druckgeräten. Nun müssen sich die Druckerhersteller auf verschärfte Richtlinien einstellen, die auch Anwender kennen sollten.

RAL-UZ 171, hinter dieser Zeichenkombination verbergen sich die neuen Richtlinien zur Vergabe des Umweltlabels "Blauer Engel" für "Bürogeräte mit Druckfunktion". Sie gelten ab 2014. Damit verlieren dann auch die Zertifizierungen, die nach der alten Richtlinie RAL-UZ 122 vorgenommen wurden, ihre Gültigkeit. Sprich, alle Geräte die bislang mit dem Blauen Engel nach RAL-UZ-122 gekennzeichnet wurden, und die neuen Richtlinien nicht einhalten, dürfen den Blauen Engel nur noch bis zum 31.12.2013 tragen.

Drucker ohne das Umweltzeichen "Blauer Engel" haben am professionellen Markt durchaus Nachteile.
Drucker ohne das Umweltzeichen "Blauer Engel" haben am professionellen Markt durchaus Nachteile.
Foto: RAL gGmbH

Dabei ist die Auszeichnung mit dem Blauen Engel für den Vertrieb der Geräte immens wichtig. "Der Blaue Engel hat in Deutschland einen hohen Stellenwert als freiwilliges Umweltzeichen und gilt weltweit als die umfangreichste und strengste Umweltzertifizierung für Bürogeräte", weiß Astrid Brunsch, Manager Environment, Health & Safety bei der Xerox GmbH. Insbesondere im Projektgeschäft mit Behörden und Organisationen fallen Produkte ohne Zertifizierungen schnell durchs Raster. "Viele Behörden oder Unternehmen, die eine größere Ausschreibung ausgerufen haben, betrachten den Blauen Engel inzwischen als Standardanforderung", bestätigt Epson-Marketingleiter Schahin Elahinija. "Insbesondere bei öffentlichen Institutionen ist die Zertifizierung mit dem Blauen Engel oft ein Muss", ergänzt Hartmut Lehmann, Field Marketing Manager Technical Regulation and Environmental Affairs bei Dell.

Ein etwas anderes Bild zeigt sich bei den privaten Anwendern: "Im Privatkundengeschäft allerdings ist die Bedeutung aus unserer Sicht eher gering", meint Lehrmann. Nur bei wenigen Endverbrauchern beeinflusse das Zertifikat tatsächlich die Kaufentscheidung. "Private Anwender grenzen in der Regel die Geräte erst nach anderen Kriterien ein und lassen dann erst den Blauen Engel in die Entscheidung einfließen", berichtet Brother-Sprecher Theo Reinerth. Nur wenige seien bereit, für das Umweltzeichen mehr Geld auszugeben.

Stau bei der RAL

Vor allem die Nachteile von Geräten ohne Zertifizierung im Geschäftskundensegment führt dazu, dass nahezu alle relevanten Hersteller den Großteil ihrer Produktneuheiten nach den neuen Richtlinien zertifizieren lassen wollen. Dafür zuständig ist die RAL gemeinnützige GmbH mit Sitz in Sankt Augustin in Nordrhein-Westfalen.

Die endgültigen Kriterien der RAL-UZ 171 wurden erst im Februar 2013 veröffentlicht, eine recht kurze Zeit für die Hersteller, nun ihre Geräte den Bestimmungen anzupassen. Einige Geräte wurden trotzdem bereits zertifiziert , weitere warten noch auf die Bearbeitung. So beklagen einige Hersteller die lange Bearbeitungszeit bei der RAL gGmbH. "Aktuell haben wir die Prüfung für alle neuen Geräte beantragt, bei der RAL gibt es allerdings momentan eine lange Warteliste", beklagt Fabian Maiwald, Product Marketing Manager Printing Solutions bei Samsung. So könne es passieren, dass zur Markteinführung einiger neuer Produkte noch kein Prüfergebnis vorliege. Eine aktuelle Liste der bereits mit dem auf RAL-ZU 171 basierenden Blauen Engel gibt es hier.

Geräte, die noch nach den alten Kriterien der RAL-UZ 122 getestet worden sind, könnten natürlich auch nach den neuen Bestimmungen geprüft werden. Die meisten Hersteller scheuen aber die damit verbundenen Mühen und Kosten. "Die aktuellen Geräte werden nicht mehr nachgetestet", bestätigt Frank Breitenbach, Produkt Marketing Manager bei OKI. "Wenn es nicht mehr erlaubt ist werden wir die Geräte ohne Blauen Engel vermarkten. Aufgrund der kurzen Produktzyklen und der langen Übergangsfrist wird das aber kaum der Fall sein", sagt Brother-Sprecher Reinerth. Bei Samsung überlegt man sich allerdings "strategisch wichtige Produkten nach den neuen Kriterien erneut prüfen zu lassen", wie Samsung-Manager Fabian Maiwald bestätigt.

Die genauen Vergaberichtlinien der RAL-UZ 171 können hier herunter geladen werden.

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