Serie: Warum der CIO unverzichtbar ist

Der CIO als Service-Makler

25. November 2013
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Auch beim Sourcing zeigt sich die zunehmende Relevanz der IT für die Unternehmensstrategie. Vom Erfahrungsschatz des CIOs kann die ganze Firma profitieren. Analysten sehen den IT-Chef immer in die Rolle eines "Service Broker" schlüpfen.
Luis Praxmarer von der Experton Group: "Ob Outsourcing, Insourcing oder Right-Sourcing – diese Entscheidung hängt meistens von der Unternehmensstrategie ab."
Luis Praxmarer von der Experton Group: "Ob Outsourcing, Insourcing oder Right-Sourcing – diese Entscheidung hängt meistens von der Unternehmensstrategie ab."
Foto: Experton Group

Die Unverzichtbarkeit des CIOs ist das Thema unserer Serie. Sie zeigt sich schon alleine in der Verantwortung des IT-Chefs für die IT-Infrastruktur, die im Unternehmen störungsfrei funktionieren muss. So wie der Strom aus der Steckdose kommt und das Wasser aus dem Hahn fließt, so müssen die business-relevanten Systeme stets verfügbar sein. Sind sie es nicht, kann das arg ins Geld gehen. Der CIO ist also derjenige, der mit seinen Mitarbeitern die Basis für einen zuverlässigen Betrieb schafft.

Der optimale Mix macht's

Das ist bis hierhin wohl die trivialste Antwort auf unsere Leitfrage. Sie gewinnt an Komplexität, wenn man an die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern denkt. Hinsichtlich des Sourcings zeigt sich am Ende ein bekanntes Muster: Das Management der Beziehungen mit häufig einer Vielzahl an Providern und die Entscheidungshoheit über den optimalen Mix an internen und externen Ressourcen machen den CIO sowieso zu einer wichtigen Figur. Weil er innerhalb des Unternehmens oft auch über die meisten Erfahrungen mit OutsourcingOutsourcing verfügt, hat er aber überdies Kenntnisse erworben, von denen auch andere Abteilungen profitieren können. Alles zu Outsourcing auf CIO.de

Klaus BremgesKlaus Bremges, CIO der West LB-Rechtsnachfolgerin Portigon, bestätigt diese Eindrücke. Die Sourcing-Aufgabe habe sich längst zum Multiprovider-Management gewandelt; der CIO sei derjenige, der die Schar an Dienstleistern koordinieren und die externen Services mit den internen Systemen integrieren muss. Das Sourcing-Know-how der IT-Abteilung werde durchaus anderswo im Unternehmen angezapft, so Bremges weiter. Es komme schon vor, dass man anderen Abteilungen bei Sourcing-Entscheidungen zur Seite stehe. Profil von Klaus Bremges im CIO-Netzwerk

„Dem CIO kommt eine entscheidendeRolleRolle bei der Übersetzung der Geschäftsstrategie in IT-Architektur, IT-Sourcing und IT-Investitionen zu", sagt Pietro Tomasino, IT-Leiter bei Gruner-Jahr. „Die Herausforderung für ihn ist, die Fertigungstiefe in einer Sourcing-Strategie zu definieren und dabei die eigenen Schlüsselkompetenzen zu identifizieren, auszubauen und mit fortwährender Industrialisierung immer wieder auf den Prüfstand zu stellen." Alles zu Rolle des CIO auf CIO.de

Die strategische Bedeutung des CIOs beim Sourcing erkennt auch Luis PraxmarerLuis Praxmarer, Analyst bei der Experton Group. „Ob Outsourcing, Insourcing oder Right-Sourcing – diese Entscheidung hängt meistens von der Unternehmensstrategie ab", so Praxmarer. Diese Strategie bestimme, ob der zu erwartende Nutzen auf der Kostenseite liegen soll oder ob bessere Kundenbeziehungen, größere Agilität, neue Services oder Nachhaltigkeit bei den Unternehmenszielen angestrebt werden. „Für den strategischen Teil und die Überprüfung der Wettbewerbsfähigkeit der internen IT-Organisation ist der CIO verantwortlich", so der Experton-Analyst. Profil von Luis Praxmarer im CIO-Netzwerk

Diese Aufgabe wird zunehmend herausfordernd – davon geht jedenfalls Gartner-Analyst Simon Mingay aus. „Weil Sourcing-Modelle und –Optionen immer vielgestaltiger werden, wächst das Risiko", so Mingay. Bei der Ausarbeitung einer Sourcing-Strategie sei es deshalb zentral, diese Risiken angemessen zu mindern und den Wert der Beziehungen mit externen Service-Providern zu maximieren.

Erfahrung als Beziehungsmanager

„CIOs haben eine große Erfahrung darin, diese Beziehungen zu entwickeln und zu managen", so Mingay. Sie seien auch darauf geeicht sicherzustellen, dass diese Beziehungen flexibel genug für Veränderungen gestrickt und passend für die eigenen Ziele seien. „Der CIO wird eine wichtige Rolle in der Entwicklung, Durchführung und Governance dieser Sourcing-Strategie spielen", konstatiert der Gartner-Analyst. „Und er wird dabei seine Rolle als Service-Makler ausfüllen."

Neben den klassischen Skills muss der CIO sich neue Fertigkeiten aneignen. Das meint Pascal Matzke, Analyst bei Forrester.
Neben den klassischen Skills muss der CIO sich neue Fertigkeiten aneignen. Das meint Pascal Matzke, Analyst bei Forrester.
Foto: Forrester Research

Diese Rolle des CIOs betont auch Pascal Matzke, Analyst bei Forrester Research. „In einer Welt, in der IT-Ressourcen – wie etwa Rechenzentrumskapazitäten oder auch Applikationen – zunehmend aus den verschiedensten Liefermodellen heraus bezogen werden, wird die Rolle des CIOs als Service-Broker entscheidend sein", sagt Matzke.

Um hybride IT-Landschaften, bestehend aus Cloud-basierten und klassischen On-Premise-Lösungen, zu koordinieren und im Sinne des Business auszurichten, werden sich demnach neue Fähigkeiten innerhalb der IT-Organisation herausbilden, welche die Orchestrierung der verschiedenen Services ermöglichen. „Zu den klassischen Skills rund um Service-Management gesellen sich dann neue Skills rund um das Ökosystem-Management in einer Multi-Provider Welt", analysiert der Forrester-Experte.

Serie: Warum der CIO unverzichtbar ist

Teil 1: Nur die IT hat den vollen Durchblick

Teil 2: Die Spinne im Abteilungsnetz

Teil 4: Der CIO als Aufbauhelfer

Teil 5: Die vielen Profile des CIOs