Deloitte-Studie

Der CIO als Venture Capitalist

25. März 2014
Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Mit Werten, Talenten, Risiken und Resultaten jonglieren - das sind die Aufgaben eines Chief Information Officer moderner Prägung. Darin ähnelt er einem Risikokapitalgeber, meint das Beratungsunternehmen Deloitte.

Der CIO ist schon mit vielen Berufsständen verglichen worden: vom Buchhalter über den Feuerwehrmann bis hin zum Brückenbauer. Eine neuen Vergleich bringen die Berater von Deloitte ins Spiel: "Der CIO als Venture Capitalist", so lautet ein Aufsatz in der aktuellen Ausgabe ihrer "Tech Trends".

CIOs, die dem Business helfen wollen zu wachsen und innovativer zu werden, müssen ein neues (Selbst-)Bewusstsein und neue Fähigkeiten entwickeln, heißt es dort. "Wie ein Venture Capitalist" sollten die IT-Verantwortlichen ihr IT-Portfolio aktiv managen, auf dass es den Unternehmenswert steigere. Zudem sollten sie die Leistungsentwicklung ihres Portfolios mit den Augen eines Business-Managers beurteilen - nach Kategorien wie Wert, Risiko und Zeithorizont, bis Investitionen sich auszahlen. Wenn sie das noch mit Agilität und TalentManagement kombinieren, können sie ihr IT-Geschäft auf ganz neue Füße stellen.

Was zeichnet einen guten VC aus?

Die effektivsten Venture Capitalists (VC) sind häufig gewitzte Geschäftsleute, die sich vieler miteinander verflochtener Fähigkeiten bedienen, so Deloitte. Sie managen nicht nur Investment-Porfolios, wobei sie ständig die individuelle und allgemeine Performance bewerten. Bewusst ziehen sie sich auch unternehmerische Talente heran, die sowohl über technisches Know-how als auch geschäftliches Wissen verfügen - gepaart mit Vision, Leidenschaft und diesem gewissen Funken, der in echten Leadern sprüht.

Mit Werten, Talenten, Risiken und Resultaten jonglieren - das sind die Aufgaben eines Chief Information Officer moderner Prägung.
Mit Werten, Talenten, Risiken und Resultaten jonglieren - das sind die Aufgaben eines Chief Information Officer moderner Prägung.
Foto: Ingo Bartussek, Fotolia.com

Gute VCs kultivieren eine agile Organisation, die auf sich ändernde Marktbedingungen nicht nur reagiert, sondern sie antizipiert. Sie sind ständig bereit, Entscheidungen zu treffen: eine Option fallen zu lassen, eine neue zu ergreifen, zu reinvestieren, zu diversifizieren etc. Wie Deloitte festgestellt hat, ist das auch für einen CIO in einer wachstumsorientierten Organisation wichtig. Zum Beispiel brauche ein solcher CIO eine explizite "Portfolio-InvestmentStrategie", um die ständig wachsende Zahl von Projekten zu handhaben - angefangen von strategischen Langzeit-Initiativen bis hin zu operativen Aufgaben. Das erfordere den projekt- und programmübergreifenden "freien Blick" auf Ziele, Abhängigkeiten, Stati, Finanzen, Ressourcen und Risikoprofile.

Aus Sicht von Deloitte gilt das sowohl für die eher flüchtigen Projekte als auch für die vergleichsweise statischen Assets wie Hardware, Software, Standorte, Delivery-Modelle, Verträge, strategische Anbieter und das Personal. "Das IT-Portfolio ist komplex", so Deloitte, "aber dieses Komplexität ist keine Entschuldigung für einen Blindflug."

Die VC-Fähigkeiten des CIO

Vor allem auf drei Gebieten muss der CIO neue Skills ausbilden, wenn er sich die Mentalität eines Venture Capitalist aneignen will.

1. Portfolio-Management: Wenn die IT-Budgets wieder wachsen, wird es noch wichtiger, sie strikt zu managen. So verfolgten im vergangenen Jahr bereits 38 Prozent der Organisationen einen Portfolio-Ansatz in ihrer IT.
2. Richtiger Einsatz von Talenten: Ohne das geeignete Skillset lassen sich weder die vorhandenen Systeme erfolgreich betreiben noch Innovationen anstoßen. Die wichtigste Eigenschaft ist dabei einer Deloitte-Umfrage zufolge, "zu denken wie das Business".
3. Agile Organisation": Um die Projektlaufzeiten zu verringern und das Alignment zu verbessern, bedienen sich immer mehr CIOs agiler Methoden. Sie helfen auch, veraltete Prioritäten relativ schnell zu ändern.