Datenmanagement in Unternehmen

Der "Data Scientist" - Glamour- oder Knochenjob?

Dr. Carlo Velten schreibt als Experte zu den Themen Cloud-Platforms und -Developers, Enterprise Cloud Management und Digital Business. Dr. Carlo Velten ist CEO des IT-Research- und Beratungsunternehmens Crisp Research AG. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen in Marketing- und Strategiefragen.
Gerade hat US-Präsident Barack Obama den ersten offiziellen "Chief Data Scientist" der USA ernannt. Auch wenn der Begriff schon mehrere Jahre existiert, ist das Job-Profil für viele Unternehmen bislang recht nebulös geblieben. Sind Data Scientists die Rockstars der digitalen Welt mit Glamour-Faktor oder nur arme Teufel mit einem Knochenjob?
Das Handeln mit Daten sollten Unternehmen nicht gleichsetzen mit dem Handel mit Gold.
Das Handeln mit Daten sollten Unternehmen nicht gleichsetzen mit dem Handel mit Gold.
Foto: Ingo Bartussek, Fotolia.com

Daten sind das neue Gold. Daten sind das neue Öl. So oder so ähnlich klingen die vollmundigen Versprechungen der IT-Anbieter Richtung ihrer Kunden in den verschiedenen Branchen. Und in der Tat liegen in den neuen datengetriebene Geschäftsmodellen und Prozessen die Wertschöpfung und Profite der Zukunft. Und diejenigen, die in der Lage sind, aus Daten Gold zu machen, werden vom Markt fürstlich belohnt. Nach Einschätzung von Crisp Research werden im Jahr 2015 weltweit schon rund 95 Milliarden Euro für Analytics- und Daten-basierte Services ausgegeben.

Nach Einschätzung von Crisp Research werden im Jahr 2015 weltweit schon rund 95 Milliarden Euro für Analytics- und Daten-basierte Services ausgegeben.
Nach Einschätzung von Crisp Research werden im Jahr 2015 weltweit schon rund 95 Milliarden Euro für Analytics- und Daten-basierte Services ausgegeben.
Foto: Crisp Research AG

Was dabei vielfach vergessen wird: Die Förderung von Gold oder auch Öl ist ein Knochenjob. Hart und gefährlich. Analog ist die Aufgabe der "Data ScientistsData Scientists" in den Unternehmen nicht unbedingt eine "vergnügungssteuerpflichtige" Veranstaltung. Denn anders als in vielen reinen Internet-Unternehmen liegen die Daten meist nicht in der gewünschten Qualität und Quantität vor. "Data Quality Management", "Data Integration" und "Data Integrity Management" sind daher die Pflichtaufgaben der neuen Datenverantwortlichen. Alles zu Business Intelligence auf CIO.de

Aber neben der Pflicht gibt es auch die Kür. Kostengünstige Sensoren und die Compute- und Analytics-Dienste aus der Cloud geben den Data Scientists in den kommenden fünf Jahren vollkommen neue Spielräume und Möglichkeiten, um datengetriebene Produkte und Services zu gestalten und zu vermarkten. Beispiele sind Ferndiagnostik und Vitalüberwachung im Bereich des Gesundheitswesens, Predictive Maintenance bei autonomem Fahren oder oder die neuen "data-driven" Consumer Goods in Form von WearablesWearables & Co. Alles zu Wearables auf CIO.de

Whitepaper: Der Nutzen des Chief Data Officers

Der Chief Data Officer (CDO) wird immer öfter zu einer zentralen Führungkraft in Unternehmen auf der ganzen Welt. Der Grund ist die zunehmende Relevanz von Daten. Denn Daten sind überall und allgegenwärtig; sie untermauern jede Transaktion, jeden Betrieb und jegliche Interaktion innerhalb und außerhalb von Organisationen. Daten sind aber auf eine Infrastruktur angewiesen, sie müssen gespeichert, archiviert, analysiert und gesichert werden. Dafür braucht es den CDO. In dieser IBM-Studie wird die Rolle des CDO durchleuchtet und gezeigt, welche Vorteile Unternehmen konkret von ihm haben.

Der aktuelle Bitkom-Leitfaden zeigt erstmals über 40 konkrete Big Data-Einsatzbeispiele aus der Unternehmenspraxis in Deutschland und ist damit ein eindrucksvolles Beispiel, dass es für die Data Scientists nun auch in Deutschland genug zu tun gibt. Mit der "Digital Analytics Association Germany" gibt es auch in Deutschland mittlerweile einen Verband, der sich um die Ausbildung und Zertifizierung der neuen Generation datengetriebener Berufsbilder kümmert.

Mit der Ernennung von DJ Patil hat Barack Obama nicht nur einen der profiliertesten Daten-Analytiker und Daten-Produktdesigner der Gegenwart gewonnen, sondern auch einen der Erfinder Begriffes selbst. So war es Patil, der zusammen mit Thomas H. Davenport im Jahr 2012 in einem Beitrag für das Harvard Business Review einen Beitrag mit dem Titel "Data Scientist: The Sexiest Job of the 21st Century" verfasste. Eine exzellente Wahl.

Aber eines darf man nicht vergessen - ein Data Scientist kann nur so gut sein, wie das Umfeld in dem er agiert. Und hier spielen einerseits rechtliche Rahmenbedingungen, als auch ethische Überlegungen eine wichtige Rolle. Denn nur ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Unternehmens- und Kundendaten kann langfristig Werte schaffen. Wer glaubt, durch eine kurzfristige oder rücksichtslose Kommerzialisierung von Kundendaten nachhaltiges Geschäft aufbauen zu können, der irrt sich.

Nur wenn Nutzen und Vertrauen bei den neuen datengetriebene Services und Produkten Hand in Hand gehen, hat der Data Scientist seinen Job gut gemacht. Denn Vertrauen ist im digitalen Zeitalter ein entscheidender Erfolgsfaktor. Denn die Nutzer stimmen mit den Füßen in Form von Klicks ab. Wenn der Vertrauensvorschuss aufgebracht ist, wechseln diese zur Konkurrenz oder verweigern sich.

Daher hat DJ Patil wirklich keinen leichten Job. Die NSA-Skandale belasten seinen Start als "Chief Data Scientist" der USA schwer. Man kann nur hoffen, dass er positiven Einfluss auf die derzeitige Haltung der US-Regierung nehmen kann. Diese zerschlägt gerade viel Porzellan.

So fürchten GoogleGoogle, MicrosoftMicrosoft und FacebookFacebook berechtigterweise ein schwindendes Vertrauen ihrer Nutzer, wenn sie selbst von der Regierung weiter in den Geheimdienstsumpf hineingezogen werden. Die europäische und deutsche Politik sollte sich hier kein schlechtes Beispiel nehmen und nicht die gleichen Fehler begehen. Denn sonst lassen sich die Früchte der digitalen Transformation nicht wie gewünscht ernten. Sonst droht eine Missernte. Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Google auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de

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