Hardwareverkauf besonders betroffen

Der deutsche IT-Markt steht vor einer Rezession

02. Dezember 2008
Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Das deutsche IT-Geschäft wird in den ersten zwei Quartalen 2009 schrumpfen und dann wieder langsam zulegen. Im Jahresmittel erwartet die Marktforscher von IDC ein Prozent Wachstum.

Der IT-Markt in Deutschland im rutscht im ersten Halbjahr 2009 in eine Rezession. Erst 2011 soll der Markt wieder deutlich an Fahrt aufnehmen und Wachstumsraten von über vier Prozent erreichen. Das ist das Ergebnis der jüngsten Erhebung der Marktforscher von IDC. "Der IT-Markt verliert spürbar an Dynamik. Allerdings ist dies nicht vergleichbar mit der Situation nach dem Platzen der New-Economy-Blase Anfang des Jahrtausends", sagte Joachim Benner, Research Analyst bei IDC in Frankfurt. Im New-Economy-Boom stiegen die IT-Ausgaben im Verhältnis zu den Gesamtausgaben deutlich stärker als dies im zurückliegenden Aufschwung der Fall war.

Nach IDC-Einschätzung legen die IT-Ausgaben in Deutschland im Zeitraum zwischen 2007 und 2012 im Jahresdurchschnitt um 3,3 Prozent zu. Damit reduzierten die Marktforscher ihre ursprünglichen Erwartungen für den Prognosezeitraum um insgesamt rund einen Prozentpunkt. Viele Unternehmen werden in den kommenden Monaten ihre Ausgaben beispielsweise für Hardware einschränken und die Investitionszyklen verlängern. Für den Zeitraum von 2007 bis 2012 erwartet das Marktforschungshaus ein Wachstum von knapp 0,2 Prozent im Hardwarebereich. Lediglich das Segment Smart Handheld Devices weist über den gesamten Betrachtungszeitraum ein stabiles, wenn auch weniger dynamisches Wachstum als in den vorangegangenen Jahren auf.

Der Softwaremarkt bleibt eine Mischung aus langsam und schnell wachsenden Teilsegmenten. Zentralisierung, Konsolidierung und Virtualisierung werden insbesondere den Markt für Infrastruktur-Software antreiben. Zudem wird sich die Nachfrage nach Lösungen in Form von Software as a Service (SaaS) verstärken. Mit erhöhtem Reifegrad dürften diese Lösungen insbesondere durch die knappere Budgetlage der Unternehmen eine echte Alternative darstellen. IDC erwartet für Deutschland einen jahresdurchschnittlichen Anstieg der Ausgaben für Software von fünf Prozent für die kommenden Jahre.

Der Markt für IT-Services gestaltet sich im kommenden Jahr durch die eingetrübte Konjunktur etwas zurückhaltender, gleichwohl wird dieses Segment weiter wachsen. Investitionen in IT-Dienstleistungen von 4,7 Prozent mehr als in 2008 können durchaus als realistisch erwartet werden. Gestützt wird der Markt vor allem dadurch, dass Unternehmen nun verstärkt alternative und preislich attraktive Bezugsmodelle von Hard- und Software suchen.

"Von den steigenden öffentlichen Ausgaben werden mittelfristig auch die Investitionen in IT profitieren", beruhigte Benner. "Die anstehenden Konjunkturprogramme wirken sich zunächst zwar nicht auf den IT-Markt aus. Sollten die Maßnahmen der Regierung jedoch greifen und die Wirtschaft stützen, wird die IT diese positiven Effekte ebenfalls spüren." Sobald die Konjunktur an Fahrt gewinne, werde auch der IT-Markt eine schnellere Gangart einlegen. IDC erwartet dies im Verlauf des Jahres 2011.

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