Attacken übers Internet

Der Feind in meiner Fabrik

16. Oktober 2013
Von Christof Kerkmann
Wenn Unbekannte aufs Firmengelände wollen, passt der Werkschutz auf. Der digitale Zugang ist dagegen oft schwach gesichert: Viele Industrie-Anlagen sind mit dem Internet verbunden - und bieten Hackern ein leichtes Ziel.

Ein Maschinenbauer in der schwäbischen Provinz: Als eine Stanzmaschine Feuer fängt, schieben die Ingenieure das erst auf ein fehlerhaftes Ersatzteil. Doch eine E-Mail, die kurz darauf eintrifft, zeigt: Erpresser haben sich in das Computer-Netzwerk des Mittelständlers eingeschleust und die Anlage sabotiert. Falls der Firmengründer nicht zahle, so die Drohung, werde bald die ganze Fabrik stillstehen.

Dieses Beispiel ist erfunden, aber realistisch. Denn immer mehr Industrie-Anlagen sind mit dem Internet verbunden. Für die Unternehmen bringt die Vernetzung mehr Komfort und weniger Kosten, etwa weil die Mitarbeiter aus der Ferne eine Maschine warten oder die Produktion überprüfen können. Viele Systeme sind jedoch nur schwach gesichert und damit anfällig für Attacken. Das betrifft nicht nur unbedarfte Mittelständler, sondern die gesamte deutsche IndustrieIndustrie: Kraftwerke, Kläranlagen und Pipelines, Telefonanbieter, Stahlkocher und Maschinenbauer sind in Gefahr. Top-Firmen der Branche Industrie

Das Problem ist ein technologisches Erbe. In der Industrie kommen schon seit Jahrzehnten sogenannte Scada-Systeme zum Einsatz. Die Abkürzung steht für Supervisory Control and Data Acquisition, es geht also um die Überwachung und Steuerung von Prozessen.

Eine Vernetzung war ursprünglich jedoch nicht vorgesehen, wer nicht in die Leitzentrale der Fabrik kam, konnte auch nichts manipulieren. Schutz gegen Hacker bieten Scada-Systeme deswegen nicht. Doch die Vernetzung hat längst die Industrie erreicht. Immer häufiger schließen Unternehmen ihre Scada-Systeme ans Firmennetzwerk oder gar das Internet an, um die Anlagen aus der Ferne warten oder zentral steuern zu können.

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