Apple-Neuerfindung nach Steve Jobs

Der lange Atem von Tim Cook

23. August 2013
Tim Cook fiel als Nachfolger des Apple-Gründers Steve Jobs eine übergroße Aufgabe zu. Der Konzern, der sich um einen genialen Produkt-Visionär drehte, muss als Mannschaft funktionieren. Im Herbst zeigen erste Produkte der Ära nach Jobs, wie der Wandel läuft.

Als Tim Cook vor zwei Jahren die Apple-Spitze vom todgeweihten Gründer Steve Jobs übernahm, war das Vertrauen der Investoren noch ungebrochen. AppleApple kitzelte die Fantasie der Börse mit Milliarden-Gewinnen, Beobachter malten sich ein stetes Feuerwerk von Innovationen aus, die immer weitere Branchen umkrempeln. Alles zu Apple auf CIO.de

Zwei Jahre später muss Cook gegen eine Atmosphäre von Ernüchterung ankämpfen. Seinem Unternehmen wird vorgeworfen, nur Fortentwicklungen bisheriger Geräte herauszubringen, die Aktie ist weit von ihren Rekordständen entfernt - und es ist immer noch kein Apple-Fernseher auf dem Markt. Der US-Fernsehsender Fox News berichtete jüngst unter Berufung auf Verwaltungsratskreise, das Apple-Aufsichtsgremium wolle von Cook mehr Innovationen sehen.

In dieser Stimmung wird der 52-Jährige bald die wohl wichtigste Produkt seiner bisherigen KarriereKarriere auf den Markt bringen: Das neue Betriebssystem iOS 7 für iPhoneiPhone und iPadiPad mit den größten Veränderungen seit dem Start des Apple-Handys 2007. Es dürfte das erste Aushängeschild der Ära nach Steve Jobs werden. Doch im Gegensatz zu seinem Vorgänger und Übervater hat Cook nicht selbst alle Details bis hin zum Farbton der App-Symbole höchst persönlich festgelegt. Der neue Chef delegiere stattdessen, heißt es in Cupertino. Alles zu iPad auf CIO.de Alles zu iPhone auf CIO.de Alles zu Karriere auf CIO.de

Hinter den Kulissen stellte Cook die Weichen für ein neues Apple, in dem ein Team die Rolle des Produkt-Visionärs Jobs übernehmen soll - ein Experiment am lebenden Organismus, denn schließlich muss der Konzern täglich gegen starke Rivalen wie Samsung und GoogleGoogle ankämpfen. Cook setzte auf Chefdesigner Jony Ive als neuen starken Mann, indem er ihm auch die Verantwortung für das Aussehen der Software übertrug. Er brachte frisches Blut ins Apple-Hauptquartier mit überraschenden Neueinstellungen wie dem bisherigen Chef des Modelabels Yves Saint Laurent oder einem der Entwickler von Nikes Fitness-Armband FuelBand. Alles zu Google auf CIO.de

Cook ist unverkennbar anders als sein Ziehvater Jobs und hat Apple in den zwei Jahren an der Spitze verändert. Zum einen sorgte die langjährige Nummer zwei für mehr Transparenz. Apple veröffentlichte erstmals eine Liste seiner Zulieferer und trat als erster Elektronik-Riese einer unabhängigen Organisation bei, die eigene Kontrollen in chinesischen Fabriken durchführt. Im Gegensatz zu Jobs ging Cook auf Investoren zu teilt mit ihnen Apples Milliardenschatz über Dividenden und Aktienrückkäufe im Gesamtvolumen von 100 Milliarden Dollar. Damit öffnete er einen Türspalt: Aktionäre wie der berüchtigte Finanzhai Carl Icahn wollen immer noch mehr.

Zugleich bekam Cook mehrfach das "Mit Steve wäre sowas nicht passiert"-Raunen der Apple-Fans zu hören. Vor allem als sich Apple ein blaues Auge mit dem verpatzten Start des eigenen Kartendienstes holte. Nutzer klagten über Fehler und den Mangel an Details. Cook musste sich entschuldigen und den Einsatz von Konkurrenz-Diensten empfehlen - eine demütigende Geste für den Chef eines Konzerns, der seinen Kunden stets Exzellenz verspricht. Die Fans hatten jedoch auch verdrängt, dass auch ein Steve Jobs sich für Fehler in Produkten wie der Antenne des iPhone 4 oder dem Dienst MobileMe entschuldigen musste.

Trotz aller Skepsis, die Apple derzeit entgegenschlägt, wirkten Cook und seine Spitzenmanager beim jüngsten gemeinsamen Auftritt auf dem Entwicklerkongress WWDC im Juni äußerst entspannt. Nur Marketingchef Phil Schiller ließ sich anmerken, wie sehr ihn die öffentliche Kritik trifft. "Von wegen, die bringen keine Innovationen mehr", murmelte Schiller, als den seit Jahren erwarteten neuen Profi-Computer Mac Pro vorstellte, einen ungewöhnlich konstruierten glänzenden schwarzen Zylinder. Immer konkreter wird über eine Computer-Uhr von Apple spekuliert, auch wenn die Markteinführung noch einige Zeit entfernt scheint.

Cook spielt unterdessen eine betont ruhige Hand. "Alles, was Apple so besonders gemacht hat, ist immer noch da", betont er und wiederholt nahezu gebetsmühlenartig: "Unser Ziel ist es, die besten Produkte zu bauen." Immerhin bringt Apple dabei nach wie vor Quartal für Quartal Milliarden an Gewinn in die Kasse. Und Cook versicherte in einem ungewöhnlich offenen Interview mit dem US-Magazin "Bloomberg Businessweek": "Ich liebe es, Apple-Chef zu sein." (dpa/rs)