KNOWLEDGE MANAGEMENT

Der Markt für Knowledge Management in Deutschland

22. November 2001
Mehr als dreiviertel aller Global-2000-Unternehmen werden bis 2003 Knowledge-Management-Systeme aufbauen. Ihr Ziel ist es, Innovationsprozesse zu beschleunigen, die Produktivität zu erhöhen und das intellektuelle Kapital greifbar zu machen. Dabei werden die meisten Projekte als Unternehmensportale konzipiert, so die META Group in einer kommenden Studie.

Die META Group erwartet, dass bis 2003 mehr als 75% der Global-2000-Unternehmen Knowledge-Management (KM)-Prozesse und Techniken implementieren werden, um Innovationsprozesse zu beschleunigen, die Produktivität zu erhöhen und das "Intellectual Capital" erfassbar und abrufbar zu machen. Hierbei spielen die so genannten "weichen Wissensfaktoren" wie z.B. die Unternehmenskultur und die Motivation der Mitarbeiter, Wissen zu teilen, eine wesentliche Rolle für ein erfolgreiches und unternehmensweites Knowledge Management. Die unterstützenden und fördernden KM-Funktionen (Erfassung/Suche, Visualisierung/Knowledge Maps, Knowledge Distribution etc.) sind nur Mittel zum Zweck, um den Wissensprozess zu beschleunigen. Vielfach wird unter Knowledge Management immer noch die Erfassung, zentrale Ablage und Verteilung von Informationen verstanden. Doch Knowledge Management ist erheblich mehr als ein bloßes Element der Document Supply Chain. Knowledge Management muss als ein ganzheitliches und integriertes Konzept zur Erschließung, zur Speicherung und zum Austausch von Wissen verstanden werden. Hierbei spielt sich der Wissensprozess zwischen Menschen, Inhalten und Prozessen ab. Dieser Prozess findet nicht ohne eine entsprechende KM-fördernde Unternehmenskultur statt und nutzt die modernen Knowledge Management unterstützenden Technologien wie Portale, kollaborative Komponenten, Archivierung/DMS/Workflow, Content Management, Search & Retrieval, Bewertungs- und Klassifizierungs-Management, Application Integration, Knowledge Mapping, Topic Maps und Personalisierung. Knowledge Management wird von den Unternehmen als ein Set von Prinzipien, Praktiken und Technologien verstanden, welche in erster Linie für die InnovationInnovation/Optimierung von Kernprozessen im B2E-Bereich (2001, firmenintern) und B2B-Bereich (2001/02, firmenextern) zuständig sind. Die meisten KM-Projekte werden als Unternehmensportale (Enterprise Portals) zum Einsatz kommen. Sie aggregieren sowohl strukturierte als auch unstrukturierte Informationen und stellen diese kontextbezogen und in personalisierter Form innerhalb von standard-basierten Frameworks zur Verfügung. Knowledge Management in deutschen Anwenderunternehmen Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen geht davon aus, dass Knowledge Management ein über Jahre hinaus kontinuierliches Projekt ist. Für die durchschnittliche geplante Implementierungszeit einer konkreten technischen KM-Lösung von der Planung bis zum Rollout wird von 41 Prozent aller Unternehmen ein Realisierungszeitraum zwischen 6 Monaten und einem Jahr angegeben. Bei größeren Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern wird die Projektlaufzeit in 32 Prozent der Nennungen mit ein bis zwei Jahren angegeben. Diese langen Laufzeiten bzw. kontinuierlichen ProjekteProjekte verdeutlichen die Komplexität der Umsetzung von Knowledge Management in den Unternehmen. Knowledge Management ist nicht mit der Einführung von technischen Lösungen oder der Bereitstellung von Basisinformationen abgeschlossen, sondern bedarf einer stetigen Erweiterung und Pflege, um den angestrebten Nutzen zu erzielen. Management-Unterstützung erforderlich Knowledge Management wird in den meisten Anwenderunternehmen heute noch als technische Disziplin eingeordnet. Dementsprechend wird die Verantwortung für den Bereich Knowledge Management bei 62% der befragten Unternehmen immer noch den IT-Abteilungen oder direkt dem IT-Leiter überlassen. Wenn Knowledge-Management-Projekte scheitern, werden die Ursachen hierfür jedoch weniger im technischen, sondern eher im strategischen und organisatorischen Bereich gesehen. Wesentliche Gründe für einen Projektmisserfolg liegen in der Projektfehleinschätzung, der mangelhaften Kenntnis über KM-Umsetzungsstrategien, der fehlenden Entscheidungs-/Umsetzungskompetenz und in der unzureichenden Mitarbeiterakzeptanz. Der Kostenaspekt trägt dagegen nur selten zum Scheitern von KM-Projekten bei. Dienstleistung wichtiger als Produkte. Strategie und Implementierung besonders gefragt Die Unternehmen, die Knowledge-Management-Lösungen planen oder bereits in Ansätzen eingeführt haben, geben an, dass sie etwa die Hälfte des Projektbudgets für externe Dienstleistungen einkalkulieren. Dabei wurde festgestellt, dass Anwender die Wichtigkeit der Beratung und Dienstleistung höher einstufen als die reine technische Produktlösung. Zentrale Auswahlkriterien für externe Anbieter sind dabei insbesondere die Beratungskompetenz bei der Strategie und Planung sowie bei der Implementierung und das Dienstleistungsportfolio. Fehlender Einsatz von Anreizsystemen Das wesentliche Instrument zur Förderung von Wissensteilung innerhalb von Unternehmen und Organisationen ist der Einsatz von Anreizsystemen. Diese Anreize können sowohl materiell als auch immateriell sein. Bei mehr als 70 Prozent der befragten Anwenderunternehmen ist die Einführung von Anreizsystemen als Mitarbeitermotivation nicht vorgesehen. Knowledge Management setzt jedoch die aktive Kommunikation sowie die gemeinsame Nutzung von Fachwissen und Erfahrung voraus. Das kann durch individuelle Anreize gefördert werden, die Bestandteil einer wissensfreundlichen Unternehmenskultur sind. Knowledge Management muss von allen Mitarbeitern in den Unternehmen gelebt und aktiv unterstützt werden, damit es einen Nutzen für das gesamte Unternehmen bringt. Portalansatz für Knowledge Management Der Einsatz von Intranet, Extranet und Internet als technologischer Plattform für die Verbreitung und Veröffentlichung von Informationen kann inzwischen als selbstverständlich angesehen werden, was auch von 91 Prozent der befragten Unternehmen bestätigt wird. Die Frage nach dem Einsatz von Portaltechnologien für die Einführung von Knowledge Management wurde ebenfalls von einer großen Mehrheit befürwortet: 81 Prozent der befragten Unternehmen sprechen sich für einen Portalansatz im Sinne eines Enterprise Information Portals (EIP) für die Einführung von Knowledge Management aus. Dies deckt sich mit der Meinung der META Group, die das Enterprise Information Portal (EIP) als die zukünftige multifunktionale Informationsplattform sieht, in der eine Vielzahl von Einzelsystemen integriert werden. Sie aggregieren sowohl strukturierte als auch unstrukturierte Informationen und stellen diese kontextbezogen und in personalisierter Form innerhalb von standard-basierten Frameworks zur Verfügung. Innerhalb des Unternehmensportals werden sowohl kollaborative Komponenten, Archivierung/DMS/Workflow, Content Management, Search & Retrieval, Bewertungs- und Klassifizierungs-Management, Applikations-Integration, Knowledge Mapping, Personalisierung als auch Metriken implementiert. Unreife Marktsituation: Viele kleine Anbieter aber keine klar identifizierbaren Key Player In der Folge ist der Anbietermarkt für KM-Lösungen noch sehr zersplittert; bisher haben sich noch keine Key Player durchgesetzt. Vielen kleineren, jungen und spezialisierten Anbietern stehen auf der anderen Seite wenige große Anbieter gegenüber, die noch stark von ihrem Bekanntheitsgrad profitieren, jedoch nicht immer wirkliche KM-Lösungen anbieten können. Die META Group geht davon aus, dass es zukünftig nur wenige Anbieter geben wird, die eine KM-Gesamtlösung mit eigenen Produkten abdecken können. Gleichzeitig wird es nur wenige Anwenderunternehmen geben, die mit Knowledge Management "auf der grünen Wiese" beginnen, sondern vielmehr haben sie bereits Systeme unterschiedlichster Kategorien, Anbieter und verschiedenste Plattformen im Einsatz. Die META Group unterteilt die Lösungsanbieter im KM-Umfeld in folgende wesentliche Kategorien: Portal, CollaborationCollaboration, Content Management, Personalisierung Search, Retrieval, Klassifizierung Data Warehouse, Business IntelligenceBusiness Intelligence Archive, Workflow, Dokumentenmanagement Knowledge Management Um in diesem wettbewerbsintensiven Markt bestehen zu können, wird es daher für die Anbieter immer wichtiger, sich auf bestimmte Bereiche zu fokussieren und gleichzeitig ihre Lösungen für die Integration in ein Portal-Framework basierend auf standardisierten Plattformen zu öffnen. In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Bildung strategischer Partnerschaften mit komplementären Lösungsanbietern sowie insbesondere mit Portalanbietern eine immer höhere Bedeutung, da das Portal die integrierende Funktion übernimmt. Dies belegt auch die Frage nach den wichtigsten Auswahlkriterien für Produkte/Lösungsanbieter, bei der die befragten Unternehmen u.a. die offenen Schnittstellen zu anderen Systemen als sehr wichtig erachtet haben. Business Impact Die Knowledge-Management-Marktstudie der META Group zeigt, dass sich die deutschen Anwenderunternehmen derzeit intensiv mit der Einführung von Knowledge-Management-Strategien und Lösungen befassen. Der Großteil der Unternehmen verfolgt hierbei die strategische Projektausrichtung im Sinne eines Enterprise Information Portals (EIP). Die Unternehmen haben erkannt, dass ein breites Knowledge Management zur Wertschöpfung beiträgt und sich zukünftig zu einem Wettbewerbsvorteil entwickeln wird. Die treibende Kraft hinter den Projekten sind jedoch noch die IT-Abteilungen, und somit haben Knowledge-Management-Initiativen und -Projekte in den Unternehmen in der Regel noch einen technischen Projektschwerpunkt. Knowledge Management lässt sich aber nicht allein mit der Implementierung von IT-Lösungen wie z.B. einem Enterprise Information Portal realisieren. Es muss vielmehr als ein ganzheitliches und integriertes Konzept angesehen werden, das die bereits vorhandenen und die zukünftigen IT-Lösungen mit organisatorischen und unternehmenskulturellen Veränderungen verbindet. Ein effektives Knowledge Management setzt eine unternehmensweite Wissensstrategie sowie eine Veränderung der Unternehmenskultur voraus und verlangt daher intern insbesondere die Unterstützung des Managements. Bei der KM-Umsetzung investieren die Unternehmen rund 50% des Projektbudgets in externe Unterstützung mit einem hohen Anteil in den Bereichen Strategie, Planung und Implementierung. Der Markt für Knowledge Management in Deutschland Bei den nachfolgenden Marktzahlen bis zum Jahr 2004 wurden nur die Hardware, Software und Services berücksichtigt, die unmittelbar mit Knowledge Management in Verbindung gebracht werden. Das Investitionsvolumen z.B. für die Einführung von Enterprise Portals, Content Management, Dokumentenmanagement oder Search & Retrieval-Lösungen wurde nicht erfasst. Unter dieser Voraussetzung geht die META Group davon aus, dass der Markt für Knowledge Management in Deutschland sich im Vergleich zum gesamten IT-Markt bis 2004 mit einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von über 30 Prozent überproportional entwickeln wird.
Die Studie der Metagroup wird demnächst erscheinen. CIO wird Sie an dieser Stelle informieren. Alles zu Business Intelligence auf CIO.de Alles zu Collaboration auf CIO.de Alles zu Innovation auf CIO.de Alles zu Projekte auf CIO.de

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