Springer und Funke

Der Medienmarkt sortiert sich neu

28. Juli 2013
Was ändert sich für den Leser? Droht ein Personalabbau? Was geschieht mit dem Verkaufserlös? Der Deal zwischen Axel Springer und der Funke Mediengruppe wirft viele Fragen auf.

Der deutsche Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt ist in Bewegung. Das Medienhaus Axel Springer verkauft seine Regionalzeitungen und einige Zeitschriften an die Funke Mediengruppe. Was sind aber die Folgen des Mega-Deals? Klaus Beck vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin und Zeitungsforscher Horst Röper vom Formatt-Institut in Dortmund geben Antworten.

Was bedeutet der Deal für den Leser?

Klaus Beck: Kurzfristig wird sich vermutlich nicht viel für die Leser ändern, zumal es sich um gut eingeführte Medienmarken handelt, die ja durchaus ansehnliche Gewinne erwirtschaften. Mittelfristig wird es aber sicherlich zu Veränderungen kommen, wenn die Funke Mediengruppe Synergien zwischen den Regionalmedien, etwa bei der nationalen und internationalen Berichterstattung sowie den Fachressorts (Wirtschaft, Kultur etc.) erzielen möchte.

Wird es zu Personalabbau kommen?

Klaus Beck: Davon gehe ich auf jeden Fall aus, denn das betreiben die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage seit einiger Zeit in großem Maße. Alle Kooperationen und Zusammenlegungen, wie zuletzt die von M. DuMont Schauberg, Berliner Verlag und Frankfurter Rundschau, aber auch die Übernahme der FR durch die FAZ zeigen dies eindeutig.

Was bedeutet es für den Medienmarkt, wenn es nur noch wenige nationale Konzerne und viele regionale Anbieter gibt?

Klaus Beck: Das Problem besteht darin, dass es auch gar nicht mehr so viele unabhängige regionale Anbieter gibt. Wirtschaftlich vernünftig erscheinende Konzentration von Redaktionen und Verlagen sind publizistisch problematisch. Die Vielfalt der Themen, Meinungen und Sichtweisen steht auf dem Spiel, die für eine demokratische Gesellschaft aber unabdingbar ist. Hier ist die gedruckte Presse nach wie vor zentral, denn online hat sich bislang keine unabhängige Alternative entwickelt. Hier sind auch nur die großen Verlage wirklich erfolgreich.

Könnte Springer sich einen Einstieg bei ProSiebenSat.1 leisten?

Klaus Beck: Das könnte sein, denn 920 Millionen Euro Verkaufserlös sind ja beträchtlich. Allerdings besteht im werbefinanzierten Fernsehen ein ähnliches Problem wie bei der Presse: Das Geschäftsmodell, die Inhalte gratis anzubieten und die Werbung als Erlösquelle zu nutzen, funktioniert auch im sogenannten Free TV immer weniger. Springer dürfte also auch, vielleicht sogar vordringlich, nach anderen Investments suchen.

Wie hat sich die Zahl der Leser zuletzt entwickelt?

Horst Röper: Nach der jüngsten Media-Analyse der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) greifen noch rund 45,5 Millionen Menschen oder 64,7 Prozent täglich zu einer gedruckten Zeitung, das sind gut eine Million weniger als bei einer vorangegangenen Zählung im Sommer 2012. Das hat vor allem zwei Gründe: Leser wechseln massiv von gedruckten Ausgaben zu den sogenannten E-Papern. Außerdem sind die Online-Auftritte der Tageszeitungen erfolgreicher geworden.

Die Zahl der Print-Leser geht zurück. Gehen diese Leser den Verlagen wirklich ganz "verloren"?

Horst Röper: Das kann man so nicht sagen. Denn viele von ihnen wechseln nur das Medium oder die Plattform, wenn sie sich aktuell informieren wollen. Addierte Leserzahlen von Printausgaben und Online-Auftritten gibt es aber nicht. Die "Bild"-Zeitung zum Beispiel wird zwar in ihrer gedruckten Version laut Analyse von immer weniger Menschen gelesen, dennoch heißt es im Springer-Verlag, es habe noch nie so viele "Bild"-Leser gegeben wie derzeit.

Wie sieht die Entwicklung bei den Regionalzeitungen aus?

Horst Röper: Bei der jüngsten Media-Analyse kommen vor allem einige Regionalzeitungen gut weg. Das kann vor allem daran liegen, dass sich Regionalzeitungen zunehmend lokal positionieren - auch in ihrem Online-Auftritt sind viele Blätter professioneller geworden. In den lokal orientierten Online-Angeboten [der Regionalzeitungen] erfahren die Leser, was der Bürgermeister ihrer Kommune tut und warum die Straße vor dem Haus gesperrt wird. Das können viele andere Online-Angebote nicht leisten, die Konkurrenz ist also geringer. (dpa/rs)

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