Walfried Wagener, CIO Biotronik

Der Schrittmacher

02. Februar 2004
Von Andreas Schmitz
Das Berliner Medizintechnik-Unternehmen Biotronik hat strategisch umgeschwenkt und setzt erstmals einen globalen IT-Manager ein. CIO Walfried Wagener zieht seit Mitte 2003 die IT-Aktivitäten der Gesellschaften zusammen.
Walfried Wagener, CIO, Biotronik
Walfried Wagener, CIO, Biotronik

Unter IT-Chefs, meist grau oder blau gewandet, fällt Walfried Wagener auf. Der CIO des Spezialisten für Herzschrittmacher Biotronik trägt einen herbstbraunen Anzug in feinem Cord. "Ich habe schon vor Woody Allen Cord getragen", sagt Wagener, der damit eher zufällig im Trend liegt. Was en vogue ist, interessiert den 48-Jährigen auch beruflich wenig. Was unternehmerisch Sinn macht, umso mehr. Seine Erfahrung als IT-Leiter bei Herlitz schärften "die Sensibilität für Kosten-Nutzen", als Chef der ausgegründeten IT-Tochter Mercoline sei "das gewisse Gespür für Kunden und Service hinzugekommen", meint der studierte Kaufmann.

Wagener ist von Firmenchef Max Schaldach junior im Sommer 2003 geholt worden, um die IT "neu zu fokussieren" - ein IT-Konzept für das Gesamtunternehmen zu schaffen. Das gab es bislang nicht, denn Schaldachs Vater Max, Physikprofessor und Entwickler des ersten Herzschrittmachers in Deutschland, baute seine Firma nach und nach auf unabhängig wirtschaftende GmbHs und AGs auf. Deren Besitzer: Max Schaldach senior. Sein Konzept war einzigartig: "Er ließ sogar seine Entwickler in Deutschland und den USA miteinander konkurrieren, trieb sie auf diese Weise im internationalen Wettbewerb zu Höchstleistungen", meint Wagener heute. Auch die IT entwickelte sich jeweils unterschiedlich - über ein Gesamtkonzept wurde lange Zeit nicht nachgedacht.

Wagener zeigt die neueste Generation der Herzschrittmacher mit drei Kammern.
Wagener zeigt die neueste Generation der Herzschrittmacher mit drei Kammern.

Warum auch? Jede Firma schrieb für sich schwarze Zahlen. Aus Biotronik wurde eine weltweit aktive Firma, die heute jährlich rund 140000 Herzschrittmacher in 100 Ländern verkauft und 2700 Mitarbeiter hat. Dann kam der radikale Einschnitt: 1999 starb die kaufmännisch "rechte Hand" von Schaldach senior, Hermann Rexhausen, bei einem Flugzeugabsturz, ein Jahr später Firmengründer Schaldach mit seiner eigenen Maschine. Und Schaldach junior übernahm den Betrieb. Der promovierte Fertigungs-Ingenieur krempelte das Geschäft um und richtete es global aus. Berater von McKinsey entwarfen ein "Fokus-Programm" und rieten dem Familienunternehmen, eine Management-Schicht über die Gesellschaften zu legen. Die wesentliche Erkenntnis: Ein globales Unternehmen kann nicht lokal geführt werden. Für mehrere Bereiche wie IT, Recht und FinanzenFinanzen gibt es bereits global tätige Manager. Wagener ist der Mann für die globale IT. Top-Firmen der Branche Finanzen

Diese Aufgabe trifft sich mit Wageners Talent zum Verändern, seiner Neigung, Konflikte auszutragen ("Widerstände gab es, gibt es und wird es geben. Das ist unser Geschäft") und seinem Selbstverständnis als "Überzeugungstäter". Dabei komme ihm entgegen, dass er noch nie in einer Firma gearbeitet habe, die "derart hungrig auf IT-Lösungen ist". Die Ausgangsposition war allerdings zunächst wenig viel versprechend: "Bis vor kurzem wurde die IT als eine amorphe, schwer fassbare Masse angesehen", sagt der CIO. "IT war immer weniger wichtig als etwa eine Produktionsanlage. Der Geschäftsnutzen stand nicht im Vordergrund, und es gab kein RoI-getriebenes Herangehen." Das soll sich nun ändern. So wollen es Max Schaldach junior und Wagener.

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