Angebliche Anrufe von SAP

Der tägliche Telefonterror bei CIOs

11. Oktober 2011
Von Helmut Schlegel
Um IT-Chefs Verkaufsgespräche aufzudrücken, ist manchem Anbieter jedes Mittel recht – zumal, wenn die "Telefon-Firewall" fehlt. CIO Helmut Schlegel berichtet.
Helmut Schlegel ist CIO im Klinikum Nürnberg.
Helmut Schlegel ist CIO im Klinikum Nürnberg.
Foto: Klinikum Nürnberg

Ausgeschlafen, vom erst kürzlich beendeten Urlaub erholt, betritt der CIO eines mittelständischen Unternehmens voller Schaffenskraft sein Büro. Die Vorzimmerdame ist noch nicht da - und damit die Telefon-Firewall nicht in Betrieb. Kaum am Schreibtisch Platz genommen, noch bevor er sich einen Kaffee hat einschenken und sich eine Übersicht über die guten oder auch schlechten Nachrichten im E-Mail-System hat einholen können, klingelt das Telefon:

Sofort nach der Namensnennung darf sich der CIO einen Schwall von verbalen Kommunikationsbrocken anhören. Obwohl der Anrufer dem CIO nicht persönlich bekannt ist, wird ihm in einem nicht zu unterbrechenden Stakkato von Sätzen in fast vertrauter und kollegialer Art erklärt, dass man sich eigentlich ja schon lange, zumindest telefonisch, kenne und dass es schade sei, dass man sich noch nicht persönlich begegnet sei, und weil man ja gemeinsam die gleiche Zielsetzung verfolge, müsse man sich doch nun endlich mal treffen, sich an einem Tisch setzen und über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit reden.

Nach geraumer Zeit gelingt es dem CIO, den Redeschwall des Anrufers - als der gerade Luft holt - zu unterbrechen und den Einwand zu artikulieren, dass der Anrufer einem nicht bekannt sei, ebenso wenig das Unternehmen des Anrufers und man außerdem gerade keinen Zeit habe. Keine Chance, die Telefonakquisition zu stoppen. Gerade weil man sich ja nicht kenne, sei es ja unheimlich wichtig, sich zu treffen. Der Anrufer sei morgen zufällig in der Stadt und würde so gegen 10 Uhr vorbeikommen. Da könne er ja dann das Unternehmen vorstellen, und man könne über das Projekt sprechen. Gerade noch wagt der CIO eine Nachfrage, von welchem Projekt der Anrufer denn spreche.

Die Sekretärin, soeben angekommen und als Firewall aktiv, stellt den Anruf einer Frau "y" von SAPSAP durch. Der CIO übernimmt und ist überrascht: Die Dame stellt sich dem CIO als Mitarbeiterin eines Personaldienstleisters vor, der freiberufliche SAP-Berater vermittelt. Als der CIO sie fragt, wieso sie sich der Sekretärin "als SAP" vorgestellt habe und dass dieses Vorgehen eine Vorspiegelung falscher Tatsachen sei, entwickelt die vertrieblich geschulte Dame ein verwirrendes Argumentationsgerüst, das der CIO nach einigen Minuten mit einem lauten und deutlichen "Auf Wiederhören" und dem Auflegen des Telefons quittierte. Alles zu SAP auf CIO.de

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