Geheimnis seines Erfolgs

Der verrückte Herr Rosso

20. Februar 2013
Von Manfred Engeser
Abgeschabte Jeans zu horrenden Preisen, Werbung ohne Produkte, Millionen für marode Unternehmen. Wie der Bauernsohn Renzo Rosso mit Diesel zum Chef eines Lifestyle-Imperiums wurde.

Fast zwei Jahre hatte er immer wieder verhandelt, kurz vor Weihnachten schlägt er zu: Renzo Rosso übernimmt die Mehrheit an Marni - einem italienischen Modeunternehmen, das rund 130 Millionen Euro Umsatz macht, aber keinerlei Werbung. Gründer und Eigentümer des übernommenen Labels ist der Designer Gianni Castiglioni, mit dem Rosso in seiner Freizeit gelegentlich Fußball kickt.

Eine Millioneninvestition mitten in der Euro-Krise, finanziert rein aus der Portokasse, dazu eine Vermischung von Privatvergnügen und Geschäftlichem: Auf den ersten Blick hatte Renzo Rosso so ziemlich alles falsch gemacht. Mal wieder. Doch als er seinen jüngsten Coup verkündet, äußert der 57-jährige Gründer der Modemarke Diesel keinerlei Selbstzweifel: "Wenn man als Unternehmer von einer Sache überzeugt ist, gibt es kein Zurück - Freundschaften und Wirtschaftskrise hin oder her", sagt Rosso im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. "Das neue Unternehmen ergänzt unser Portfolio wie ein fehlendes Puzzleteil und wird uns noch viel Freude bereiten - auch wenn dieses Investment Außenstehenden im Moment verrückt, ja dumm erscheinen mag."

Dem Ruf des Wahnsinns folgen

Be stupid - sei verrückt: Wenn Renzo Rosso über seine steile KarriereKarriere spricht, über die Geburt der Jeansmarke Diesel und den Aufbau seines Modeimperiums mit heute über 6000 Mitarbeitern und 1,4 Milliarden Euro Umsatz - dann fällt immer wieder dieser Spruch, der auch seiner gerade auf Deutsch erschienenen Autobiografie den Titel liefert. "Jeder Tag, jede Stunde, jeder Moment, in dem ich nicht verrückt bin, ist für mich verlorene Zeit", sagt Rosso. "Das ist einfach meine Art, zu denken, zu handeln, zu leben." Alles zu Karriere auf CIO.de

"Stupid" bedeutet für Rosso keineswegs dumm. Mit verrückt meint Rosso die Fähigkeit, Chancen zu nutzen, wo andere keine sehen. Mögliches Scheitern in Kauf zu nehmen und ausgetretene Wege zu meiden. Nicht automatisch auf die Stimme der Vernunft zu hören, sondern eben auch mal "dem Ruf des Wahnsinns zu folgen", wie er in seiner Autobiografie schreibt. Denn wer nur auf Sicherheit setze, findet Rosso, könne nicht innovativ sein. "Ich sehe Gelegenheiten, die andere nicht sehen - ich habe einen Röntgenblick für Geschäfte."