Die wöchentliche CIO-Kolumne

Deutsche Bank lagert die IT-Infrastruktur aus

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Kurz vor dem Wechsel an der Konzernspitze der Deutschen Bank - Josef Ackermann folgt am 22. Mai auf Rolf Breuer - sind die Probleme des größten deutschen Finanzinstituts so augenfällig geworden wie lange nicht mehr: Zu hohe Kosten im Verhältnis zum Ertrag und eine schwache Eigenkapitalrendite nageln den Börsenkurs auf niedrigem Niveau fest. Will Ackermann verhindern, dass die Deutsche Bank zum Übernahmekandidaten wird, muss er die Marktkapitalisierung verdoppeln. Allein mit den geplanten Beteiligungsverkäufen und einer Bereinigung des Portfolios um notleidende Kredite wird das nicht zu bewältigen sein. Nicht zuletzt ist es Hermann-Josef-Lamberti, als Chief Operating Officer im Vorstand für die Informationstechnik der Bank verantwortlich, der mit rigidem Kosten-Management die strategische Position der Bank abstützen und wesentliche Kennzahlen verbessern kann. Mittels IT-Outsourcing will er jetzt einen großen Kostenblock der Bank radikal zusammenstutzen.

Die Deutsche Bank will ihre Informationstechnologie-Infrastruktur in Europa zu großen Teilen outsourcen. Dabei geht um Rechenzentren, kleine Server-Sites und NetzwerkeNetzwerke in Deutschland, Belgien, Italien, Luxemburg, Polen, Portugal und Spanien. Über diese werden die Geschäftsbereiche Private Kunden und Vermögensverwaltung, DB Services, Konzernsteuerung und Teile der Firmenkunden- und Investmentbank abgewickelt. Accenture, CSC, EDS, IBMIBM und T-Systems sollen Angebote abgeben. Die Bank steht beim OutsourcingOutsourcing unter Zugzwang: Die gesamten Verwaltungskosten, zu denen die Informationstechnik je nach Abteilung bis zu einem Fünftel beiträgt, sind auf eine Höhe gestiegen, die die Konkurrenzfähigkeit der Bank beeinträchtigt. Alles zu IBM auf CIO.de Alles zu Netzwerke auf CIO.de Alles zu Outsourcing auf CIO.de

Anwendungsentwicklung und ProjektmanagementProjektmanagement neuer Entwicklungsprojekte sowie die Wartung bestehender Programme seien nicht betroffen. Bei der Deutschen Bank heißt es offiziell, die Bank "untersuche mögliches Outsourcing ihrer europäischen Infrastruktur". Der Vorstand des Unternehmens hat Anfang der Woche Grünes Licht für die Ausschreibung gegeben. Alles zu Projektmanagement auf CIO.de

Hermann-Josef Lamberti, COO der Deutschen Bank
Hermann-Josef Lamberti, COO der Deutschen Bank

In einem so genannten "Request for Proposal" fordert die Bank jetzt die IT-Dienstleister Accenture, CSC, EDS, IBM und T-Systems auf, Angebote abzugeben. Unbestätigten Berichten zufolge geht es um ein Volumen von 350 Millionen Euro pro Jahr. "Nicht vor Ende des dritten Quartals" werde die Fachabteilung eine Entscheidung treffen, sagte Bank-Sprecher Klaus Thoma.

Zum Inhalt der Ausschreibung gibt es nur wenige offizielle Angaben. Lediglich zur Vorgabe der erwarteten Einsparungen gibt es eine Aussage des für die Ausschreibung Verantwortlichen. "Wir gehen von jährlichen Savings in Höhe von mindestens 100 Millionen Euro aus", sagte COO Hermann-Josef Lamberti im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Betroffen von der Auslagerung sind auf Bankseite rund 1000 Mitarbeiter. Man rechne jedoch damit, dass die zum Zuge kommenden externen Dienstleister diese weiter beschäftigen werden, sagte Thoma. Die Deutsche Bank plant, ihre IT in eine gemeinsame Gesellschaft, die zusammen mit dem Dienstleister betrieben werden soll, einzubringen.

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