Gefahr durch IT-Fachkräfte

Die 4 Typen des Wirtschaftskriminellen

08. September 2010
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Der Wirtschaftskriminelle ist ein Mann von Mitte 40, gebildet und schon längere Zeit im Unternehmen. Auf diese Aussage lässt sich eine Studie der Universität Leipzig zuspitzen. Sie listet vier Risikoprofile auf und gibt Ratschläge zur Vermeidung von Straftaten.
Prof. Dr. Hendrik Schneider von der Universität Leipzig setzt sich mit Wirtschaftskriminalität auseinander.
Prof. Dr. Hendrik Schneider von der Universität Leipzig setzt sich mit Wirtschaftskriminalität auseinander.

Heinz B. Trug heißt der eine, Mario Netten der andere. Trug ist Chef mit wirtschaftskriminologischem Belastungssyndrom, Netten stellvertretender Leiter FinanzenFinanzen und Rechnungswesen bei der Firma Zock GmbH. Beide Herren sind stilisierte Beispiele der Studie "Der Wirtschaftsstraftäter in seinen sozialen Bezügen", die Professor Hendrik Schneider am Lehrstuhl für Strafrecht der Universität Leipzig jetzt vorgelegt hat. Top-Firmen der Branche Finanzen

Schneider will mit seiner Forschung Lücken in der Wirtschaftskriminologie schließen. Er hat sich 29 Strafverfahren mit insgesamt 56 Angeklagten angesehen. Zwölf von diesen wurden freigesprochen, weshalb der Wissenschaftler sie nicht mit einbezieht. Das Ergebnis der Analyse ist eine Kategorisierung nach vier Idealtypen. Idealtyp heißt hier nicht, dass es sich um ideale Menschen - schon gar nicht um ideale Mitarbeiter - im umgangssprachlichen Sinn handelt. Statt dessen drückt der Begriff aus, dass die übereinstimmenden Merkmale dieser Personen zu einem bestimmten Typus zugespitzt werden.

Grundsätzlich gilt: Je stärker sich ein Mensch an Materiellem orientiert, je großspuriger er auftritt, umso höher die Gefahr, dass er zum Straftäter wird. Schneider spricht hier von einem Zusammenhang zwischen Wirtschaftskriminalität und Hedonismus beziehungsweise Narzissmus. Er verweist auf frühere Untersuchungen, die solche Täter als egozentrisch und rücksichtslos beschreiben.

In seiner eigenen Analyse unterscheidet Schneider zunächst einmal Gelegenheitsergreifer und Gelegenheitssucher. Während Erstere eher in etwas hineingeraten und ihre Taten zugeben, wenn sie erwischt werden, weisen Letztere kriminelle Energie auf. Sie planen ihre Taten längerfristig.