Ex-Geheimdienstmitarbeiter

Die Antworten von Edward Snowden

24. Januar 2014
Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Snowden hat am Donnerstagabend Fragen von Internetnutzern zum NSA-Skandal beantwortet.

Die Courage Foundation, ein Unterstützerverein für Informanten, hatte die Fragerunde organisiert. Der Verein bürgt somit dafür, dass die schriftlichen Antworten auf seiner Webseite freesnowden.is tatsächlich von Snowden stammen.

Snowden hält eine Reform der Geheimprogramme für möglich: "Wir können die Gesetze korrigieren, den Überschwang der Dienste einschränken und die hohen Beamten, die für diese widerrechtlichen Programme verantwortlich sind, zur Rechenschaft ziehen."

"Sie wissen vielleicht nicht mehr, wo sie am 12. Juni 2009 essen waren, aber die Regierung weiß es."

Snowden unterstrich die Kritik einer US-Datenschutzkommission an dem NSA-Programm zur Sammlung von Telefondaten: "Es gibt einfach keine Begründung dafür, eine verfassungswidrige Politik fortzusetzen, die eine Erfolgsrate von 0 Prozent hat."

"Nicht alle Spionage ist schlecht. Das größte Problem ist die neue Technik der allgemeinen Massenüberwachung, bei der Regierungen jeden Tag Milliarden über Milliarden von Daten über die Kommunikation Unschuldiger sammeln."

"Die NSA und der Rest der US-Geheimdienste sind vorzüglich dafür ausgerüstet, unsere nachrichtendienstlichen Aufgaben mit gezielter Überwachung zu erfüllen ... ohne die gesamte Bevölkerung zu überwachen."

Es brauche internationale Regeln zur Einschränkung von Spionage: "Niemand sollte kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser oder Stromversorger hacken".

Verschlüsslung sei immer noch ein wirksamer Schutz: "Korrekt eingesetzte, starke Verschlüsslung funktioniert. Worüber Sie sich Sorgen machen müssen, sind die Endgeräte."

Snowden hat offenbar geringe Hoffnung, in die USA zurückzukehren: "Es ist leider angesichts der derzeitigen Gesetze zum Schutz von Whistleblowern nicht möglich." Er könne sich nicht damit verteidigen, dass er im öffentlichen Interesse gehandelt habe. Das sei in dem Anti-Spionage-Gesetz von 1917, unter dem er angeklagt ist, nicht vorgesehen. "Das ist besonders frustrierend, weil es heißt, dass ich keine Chance auf ein faires Gerichtsverfahren habe".

"Ich bin mir dessen bewusst, dass mein Leben direkt bedroht ist, aber ich werde mich davon nicht einschüchtern lassen." (dpa/rs)

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