Strategien


Business Case unklar

Die CIO-Aufgaben bei M2M-Projekten

28. Juli 2014
Von  und Alexander Lehwaldt  IDG ExpertenNetzwerk
Peter Ratzer ist Partner bei Deloitte. Er arbeitet dort seit 1998. Er ist auf die Beratung von CIOs bei der Entwicklung von strategischen Konzepten bis hin zur operativen Umsetzung einzelner Konzeptkomponenten fokussiert.
Der Anbieterseite zeigt sich zersplittet, zentrale Ansprechpartner gibt es nicht. Deswegen sollten sich die IT-Führungskräfte der Anwender intern gut aufstellen, meinen Peter Ratzer und Alexander Lehwaldt von Deloitte in ihrer Kolumne.
Peter Ratzer ist Technology Practice Leader bei Deloitte
Peter Ratzer ist Technology Practice Leader bei Deloitte
Foto: Deloitte

Ob Carsharing, Smart-Home-Technologien oder Industrie 4.0Industrie 4.0 - viele dieser Konzepte basieren auf dem automatisierten Datenaustausch zwischen technischen Geräten. Bezeichnet wird dies als Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M). Unter diesem Begriff lassen sich alle Technologien zusammenfassen, die Zustands- und Ereignisinformationen zu Personen, Geräten und/oder Prozessen sammeln und diese an andere Geräte transferieren. Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Die Umsetzung von M2M-Projekten erfordert die Berücksichtigung von vier Komponenten:

  • Hardware, wie Sensoren, Geräte oder Computer, die Daten sammelt, verarbeitet und/oder nutzt und somit die physische Infrastruktur zur Verfügung stellt.

  • Software, die die verwendete Hardware steuert sowie die gewonnenen Daten verarbeitet.

  • Netzwerk zur mobilen oder stationären Datenübertragung.

  • Dienstleistungen zur Entwicklung von Business Cases, sinnvollen Anwendungsfällen und Realisierung des Vorhabens.

M2M-Technologie lässt sich in fast allen Industrien variabel einsetzen. Durch Automatisierung bietet sie große Effizienzvorteile, sowohl im Business-to-Business, als auch im Business-to-Consumer Bereich (siehe Abbildung 1).

Der M2M-Markt wird in den nächsten Jahren stark wachsen

Abbildung 1: Anwendungsfälle von M2M
Abbildung 1: Anwendungsfälle von M2M
Foto: Deloitte

Obwohl M2M immer stärker in das alltägliche Leben vordringt, steckt der Markt noch immer in den Kinderschuhen. Fehlende Standards und ein fragmentierter Markt stehen einer schnellen Umsetzung von M2M-Lösungen im Weg. Die Zukunftsaussichten sind jedoch hervorragend: Wer bestehende Herausforderungen meistert, kann enorme Potenziale abschöpfen - denn aufgrund seiner weitläufigen Möglichkeiten und Einsatzpotenziale wird der M2M-Markt ein großes Wachstum erfahren (siehe Abbildung 2).

Diese Wachstumsprognose basiert zum einen auf der Annahme, dass Technologie und Hardware kostengünstiger und reifer werden. Günstigere Komponenten bedingen geringere Projektkosten, sodass M2M-Vorhaben profitabler werden. Außerdem ist - getrieben durch politische und gesellschaftliche Diskussionen - ein stetig wachsendes politisches Interesse zu verzeichnen (z.B. Smart-Grid-Projekte).

Hinzu kommt, dass der M2M-Markt immer standardisierter und homogener wird, sodass Vorhaben einfacher umsetzbar sind. Auch ist der Ausbau von mobilen Netzwerken und dem Festnetz - getrieben durch LTE - ein Treiber für M2M und schafft die Basis für eine schnelle und effiziente Datenübertragung.

Wer im Markt erfolgreich sein will, muss sich den Herausforderungen stellen

Abbildung 2: M2M-Wachstumsprognosen
Abbildung 2: M2M-Wachstumsprognosen
Foto: Deloitte

M2M-Technologie besteht aus einer Vielzahl von Komponenten, für die verschiedene Anbieter und Dienstleister existieren. Dies resultiert in einer fragmentierten Supply Chain und erfordert viel Koordinations- und Planungsaufwand für verschiedene Leistungserbringer.

Ein zentraler Ansprechpartner für die Projekte existiert oft nicht, auch wenn Telekommunikationsunternehmen versuchen, sich hierfür zu positionieren. Die heutigen M2M-Lösungen sind meist für eine bestimmte Industrie oder Problemstellung kreiert worden und bieten nur ansatzweise übergreifende Einsatzmöglichkeiten.

Die Fragmentierung birgt eine weitere Problematik: Die Projektkosten und der daraus resultierende Nutzen lassen sich nur schwer quantifizieren und zusammenfassen. Diese Faktoren werden somit nur unzureichend betrachtet - der Business Case ist häufig unklar.

Neue Technologien wie M2M und die voranschreitende Digitalisierung beeinflussen Geschäftsmodelle von Unternehmen sehr stark. Dies stellt eine große Herausforderung für die IT dar, denn neue Technologien und unterstützende Tools und Systeme müssen in die bestehende IT-Architektur integriert werden.

Es liegt am CIO und CTO das Unternehmen fit für M2M zu machen

Für einen erfolgreichen Einsatz von M2M-Technologien sind CIO und CTO gefragt: Beide müssen sicherstellen, dass die IT flexibel und innovativ genug ist, um dem Business zu ermöglichen Nutzen aus M2M-Technologie zu ziehen. Folgende Punkte müssen dabei beachtet werden:

Bereit für M2M sein

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Neue Ideen, stetige Innovationen und die Weiterentwicklung von M2M sorgen für ein enormes Wachstum und beschleunigte Veränderungen. Für den CIO und CTO ist es wichtig die Marktbewegungen zu beobachten, neue Technologien zu betrachten und ihre Auswirkungen auf das Geschäftsmodell zu analysieren. CIO und CTO müssen stets wissen, wann und in welcher Form M2M-Technologie für ihre Industrie wichtig wird.

IT positionieren

Das M2M-Wachstum und die voranschreitende Digitalisierung haben große Auswirkungen auf Industrien und Unternehmen. Somit bleibt auch die IT nicht verschont. Der CIO muss dafür sorgen, dass die IT für kommende Herausforderungen optimal aufgestellt ist. Das bedeutet die M2M-Auswirkungen müssen früh in die IT-Strategie einbezogen und Handlungsoptionen ausgearbeitet werden.

Talente aufbauen

Für eine schnelle und effiziente Transformation des Unternehmens im Hinblick auf M2M und andere digitale Technologien sind ein hybrides Skillset und eine vertikale Industrieexpertise der Mitarbeiter unverzichtbar. Deswegen müssen entsprechende Talente identifiziert, rekrutiert, aufgebaut und gefördert werden.

Kommunizieren und Führungsrolle einnehmen

Alexander Lehwaldt ist Technology Advisory bei Deloitte
Alexander Lehwaldt ist Technology Advisory bei Deloitte
Foto: Deloitte

M2M eröffnet neue Geschäftsmodelle, macht Veränderungen notwendig und erfordert viel Koordination. Der CIO muss dafür die IT von einer reinen Support-Funktion zu einem "Business Enabler" entwickeln. Es ist wichtig die Herausforderungen und Wünsche des Business zu verstehen und gemeinsam Potenziale für den Einsatz von M2M herauszuarbeiten.

Der CIO muss die unternehmensweite Führungsrolle für M2M und Digitalisierung einnehmen, Wege und Möglichkeiten aufzeigen sowie Standards festlegen. Dies führt als Nebeneffekt zu einem größeren Einfluss auf Geschäftsstrategie und -prozesse. Die IT muss sich auf die kommenden Veränderungen vorbereiten, um neue Ideen und Wege des Business optimal zu unterstützen.

Fazit

M2M-Kommunikation ist im Begriff die Welt nachhaltig zu verändern - viele Unternehmen sind jedoch noch nicht auf diesen Wandel vorbereitet. Die Geschwindigkeit, mit der M2M-Technologien Einzug in die Gesellschaft und Geschäftswelt nehmen, wird in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Für die Unternehmen ist es daher enorm wichtig, sich frühestmöglich auf diesen Wandel vorzubereiten, um Effizienzvorteile optimal zu nutzen und die Marktposition auszubauen. Hierbei können CIO und CTO als Treiber agieren.

Peter Ratzer ist Technology Practice Leader und Alexander Lehwaldt Technology Advisory bei Deloitte.

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