Manager lernen Sparen

Die Dienstreise in der Holzklasse

12. Oktober 2009
Von Claus G. Schmalholz und Anne Preissner
Der Zwang zum billig reisen hat die Führungskräfte erreicht. Sogenannte Travel-Manager in Unternehmen sorgen dafür, das Hierarchiestufen nicht mehr viel zählen

Donnerstag, 18.05 Uhr, am Frankfurter Fernbahnhof. Anzugträger mit Business-Rollkoffern und reiselustige Rentner drängeln sich in drückender Schwüle an Gleis 7, als eine krächzende Stimme aus dem Lautsprecher die Wartenden auffordert, zu Gleis 4 zu pilgern, wo - ausnahmsweise - der ICE nach Dortmund einfährt.

Samuel Maier (Name von der Redaktion geändert), IT-Ingenieur aus Köln, hetzt von Gleisabschnitt D nach A, hastet hinüber zum Bahnsteig und kämpft sich dann ins Zweite-Klasse-Abteil vor. Mittlerweile völlig verschwitzt, hält er Waggon für Waggon Ausschau nach einem freien Sitzplatz. Vergebens. Maier flüchtet ins Bistro - der ultimative Treffpunkt aller Stehgäste. Das Fassbier ist längst aus, und eifrige Professionals blockieren mit ihren Note- und Netbooks die wenigen Tische im Gourmetzentrum der "Wir wollen, dass Sie erholt ankommen"-Company. So sehen Geschäftsreisen in Zeiten der Krise aus.

Viele Unternehmen haben sich einen harten Sparkurs verordnet - und der trifft als einen der ersten Posten die Budgets für Geschäftsreisen. "Je größer das Unternehmen ist, desto deutlicher sind die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Geschäftsreisetätigkeit", sagt Dirk Gerdom, Präsident des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) und Travelmanager beim Softwarekonzern SAPSAP. Alles zu SAP auf CIO.de

Foto: manager-magazin.de

Die Sparwelle rollt überall nach dem gleichen Muster. Manager, die überhaupt noch verreisen dürfen, müssen sich beim Fliegen, Fahren und Übernachten auf ein allgemeines Downgrading einstellen. Economy statt Business, drei Sterne statt vier, Golf statt E-Klasse, Trambahn statt Taxi. Sicher, es gibt Schlimmeres - aber genießen können die neue Kargheit wohl nur masochistisch veranlagte Persönlichkeiten.

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