Hubert Burda

Die digitale Revolution hat gerade erst begonnen

09. Dezember 2014
Der Siegeszug digitaler Medien scheint unaufhaltsam. Haben gedruckte Zeitungen noch eine Zukunft? Der Verleger Hubert Burda, der seinen Konzern schon früh umgebaut hat, glaubt daran. Er legt jetzt eine Geschichte des Medienwandels vor. Nicht online, sondern gedruckt.

Die deutsche Wiedervereinigung vor fast 25 Jahren war für Hubert Burda (Facebook-Link) auch der Beginn der digitalen Revolution. Damals sagte er der "Bild"-Zeitung den Kampf an und gründete mit Rupert Murdoch das Boulevardblatt "Super!" - erstmals mit digitaler Druckplattenbelichtung. Burda fragte 1991 einen Techniker in der Redaktion in Ostberlin, wie die Artikel und Bilder denn trotz des dichten Feierabendverkehrs rechtzeitig zur Druckerei gelangen. Die Antwort: "durch diese Dose" - ein verkabeltes ISDN-Kästchen.

Hubert Burda bei der Vorstellung seines neuen Buches in München
Hubert Burda bei der Vorstellung seines neuen Buches in München
Foto: Hubert Burda Media

"Ich war wie elektrisiert", schreibt Burda in seinem neuen Buch "Notizen zur digitalen Revolution 1990-2015": "Seit diesem Tage wusste ich, die Medien der Zukunft werden anders aussehen als heute." Dem Verleger wurde schnell klar: Die technologische Revolution verändert nicht nur die Medien, sondern die ganze Welt, und zwar grundlegend.

Das Buch, das der 74-Jährige am Dienstag in München vorgestellt hat, zeichnet diese Veränderungen chronologisch nach. Es dokumentiert persönliche Notizen, Vorträge, Konferenzen und Begegnungen - natürlich mit vielen Bildern. Denn der Siegeszug des Digitalen folgte dem "Iconic Turn", der radikalen Visualisierung der Welt, wie Burda als gelernter Kunsthistoriker deutlich macht.

"Der Grundvorgang der Neuzeit ist die Eroberung der Welt als Bild", erklärte der Philosoph Martin Heidegger 1938. Jahrzehnte später fragte Burda den Philosophen Peter Sloterdijk, was damit gemeint war. Die Antwort: "Vielleicht meinte er so etwas wie das Internet. Denn das ist die reale Praxis der Erdkugeleroberung."

Heideggers Diagnose war eigentlich pessimistisch gemeint - als Warnung vor dem "planetarischen Imperialismus des technisch organisierten Menschen". Burda dagegen ist von Anfang an fasziniert vom Aufbruch im Silicon Valley. Microsoft, Apple, Amazon, Google, Facebook, YouTube, Skype, WhatsApp - für ihn sind sie Pioniere einer großen neuen Zeit, die gerade erst begonnen hat. Früher als viele andere in Deutschland baut er seinen Medienkonzern entsprechend um und nutzt die "unbegrenzten Möglichkeiten" des digitalen Zeitalters.

Erst später werden nach den Chancen auch die Gefahren deutlicher. "Der Suchmaschinen-Monopolist Google steht im Verdacht, seine marktbeherrschende Rolle zu missbrauchen", schreibt Burda 2012 in der "Zeit". 2013 dann der NSA-Skandal - Burda notiert sich im Tagebuch Gedanken über "das vermehrte Bewusstsein über Daten und die Macht, welche Konzerne dadurch haben".

Am Ende des Buchs kommt die nächste Generation zu Wort: Jacob Burda, der Sohn von Hubert Burda und Maria Furtwängler, beschreibt, wie neue Technologien und künstliche Intelligenz den Menschen verdrängen. Aber nur, um dann doch wieder optimistisch zu werden: Nur der Mensch habe "die Möglichkeit zur Transzendenz" und könne "das System als System verstehen". Also auf zu neuen digitalen Ufern und Welten! (dpa/tc)

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