Strategien


Handeln im Ausnahmezustand

Die Digitalisierungsstrategie des Hamburger Hafens

02. Oktober 2015
Von Prof. Heinz Züllighoven und Holger  Breitling
Sturmfluten sind keine Routine, sondern ein Ausnahmezustand. Deshalb darf die IT-Unterstützung nicht kompliziert sein. Wie CDO Sebastian Saxe den Katastrophenschutz im Hamburger Hafen digitalisiert.

Die Möglichkeit, in unserer Wirtschaft die Produktivität zu erhöhen und Arbeitsabläufe zu optimieren, beruht entscheidend auf dem zunehmenden Einsatz von Computern. Branchen, die ihr Kerngeschäft früher mit umfangreichen Akten, Formularen, Dokumenten und Papieren betrieben haben, konnten unter der Überschrift "DigitalisierungDigitalisierung" die Qualität ihrer Abläufe deutlich erhöhen und Kosten einsparen. Im Versicherungs- und Bankwesen ist dieser Prozess bereits weit fortgeschritten. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Holger Breitling, Senior Softwarearchitekt bei der Workplace Solutions GmbH.
Holger Breitling, Senior Softwarearchitekt bei der Workplace Solutions GmbH.
Foto: Workplace Solutions GmbH

In den Häfen dagegen existieren noch erhebliche Qualitäts- und Einsparungspotenziale. Vor allem kann die Infrastruktur intelligenter und damit effizienter genutzt werden, insbesondere die mit hohen Investitionen beschafften oder erbauten Geräte und Anlagen sowie der knappe Flächen und Verkehrswege.

Heinz Züllighoven, Geschäftsführer bei der Workplace Solutions GmbH.
Heinz Züllighoven, Geschäftsführer bei der Workplace Solutions GmbH.
Foto: Workplace Solutions GmbH

Die Hamburg Port Authority (HPA) hat die Herausforderungen, aber auch das damit verbundene Potenzial der IT für den Hamburger Hafen früh erkannt und auch genutzt. "Je mehr sich Computer von reinen 'Rechnern' zu vernetzten, grafischen, interaktiven und sogar mobilen Werkzeugen entwickeln, desto umfangreicher können sie jenseits der vergleichsweise simplen Digitalisierung von Papierarbeit eingesetzt werden.

Heute geht es um den 'smartPORT', die intelligente Digitalisierung und Virtualisierung des Hafens, damit wir die bestehende Infrastruktur besser und intensiver nutzen können - denn auf der begrenzten Hafenfläche können und wollen wir Straßen, Schienen und Wasserwege nicht unbegrenzt ausbauen", erläutert Sebastian SaxeSebastian Saxe, Chief Digital Officer (CDO) der HPA. Profil von Sebastian Saxe im CIO-Netzwerk

Sebastian Saxe, Chief Digital Officer der Hamburg Port Authority.
Sebastian Saxe, Chief Digital Officer der Hamburg Port Authority.
Foto: Hamburg Port Authority

Bereits seit Jahren ist die HPA dabei, wichtige Systemdaten zur aktuellen Verkehrslage zusammenzuführen. Stück für Stück soll so durch die Integration von Verkehrswegen, Verkehrsteilnehmern, Logistikzentren und Umschlagspunkten ein Netz aus Servern, Glasfaserkabeln und Detektoren entstehen - vergleichbar mit dem Nervensystem des menschlichen Körpers.

Das Beispiel der Nautischen Zentrale zeigt besonders deutlich, wie die Vision vom smartPORT Realität wird. Die Nautische Zentrale ist einer der modernsten Verkehrsleitstände der Welt. Speziell entwickelte Programme und Technologien ermöglichen die Überwachung und Steuerung des Verkehrs im Hafen, zum Beispiel der Port Monitor, den die HPA gemeinsam mit der Workplace Solutions GmbH (WPS) entwickelt hat.

Der Port Monitor wird seit 2012 in der Nautischen Zentrale eingesetzt und liefert in Echtzeit und auf Basis georeferenzierter Daten Informationen über Ereignisse und Zustände der Wasserstraßen im Hamburger Hafen - wichtig für einen störungsfreien Verkehrsfluss der Schifffahrt. Mitarbeiter auf den Schiffen der HPA informieren mit Tablet-Computern den Leitstand direkt über aktuelle Veränderungen im Hafen. Seit 2014 umfasst das System auch Informationen zur beweglichen Infrastruktur sowie zur Verkehrslage auf der Straße und seit kurzem wurde auch die Schiene integriert.

Die HPA will die Digitalisierung nun weiter vorantreiben: Statt herkömmlicher Peilkarten aus Papier wird in der Nautischen Zentrale derzeit ein interaktiver Touch-Peiltisch getestet. Dieser ermöglicht den Nautikern, die Wassertiefen im gesamten Hafen auszuwerten, ausgewählte Hafenbereiche detailliert zu betrachten und die Wassertiefen zu kennzeichnen. "Aktuell steht aber auch ein für Hamburg besonders wichtiges Thema auf der Tagesordnung: der Katastrophenschutz. Im Kern geht es um den Schutz der Stadt vor den Auswirkungen regelmäßig auftretender Sturmfluten", so Saxe, der auch Leiter der Katastrophenabwehr im Hamburger Hafen ist.