Cloud Computing


IT-Infrastruktur wird zur Altlast

Die Dritte Cloud-Phase bricht an

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Anwender wollen die IT-Infrastruktur modernisieren. Der Weg führt meist in die Cloud. Doch oft durchkreuzen ROI-Berechnungen und Budgetmangel die Pläne, so Saugatuck.
Wichtigster und von 27 Prozent der Befragten an erster Stelle genannter Treiber für die geplanten Infrastruktur-Upgrades ist die Verbesserung des IT-Services.
Wichtigster und von 27 Prozent der Befragten an erster Stelle genannter Treiber für die geplanten Infrastruktur-Upgrades ist die Verbesserung des IT-Services.
Foto: Saugatuck Technology

Eine neue Phase in der Cloudifizierung der IT-Infrastruktur ist angebrochen. Zu diesem Befund kommen die Analysten von Saugatuck Technology auf Basis der Studie "Cloud Infrastructure Survey", für die 327 IT-Verantwortliche aus aller Welt befragt wurden. Indikatoren für das Erreichen der nächsten Stufe sind die zunehmende Migration von bisherigen On-Premise-Workloads in die Cloud und die wachsende Schaffung und Nutzung von Cloud-nativen Workloads.

Mischung aus internen und gehosteten Private Clouds

Nach einer ersten Periode, in der Customer Relationship Management (CRM), Human Capital Management (HCM) und Marketing-basierte SaaS-Lösungen dominierten, und einer zweite Phase mit immer mehr Cloud-basierten Finance-Angeboten ist dies nach Einschätzung von Saugatuck-Analyst Alex Bakker nun die dritte Welle der Entwicklung.

Unabhängig von der Cloud- oder On-Premise-Frage möchten laut Studie viele Firmen in den kommenden beiden Jahren ihre Infrastruktur-Kapazitäten ausbauen. Das bisher vorherrschende Modell der On-Premise-Virtualisierung wird laut Saugatuck unterfüttert mit einer Mischung aus internen und gehosteten Private Clouds. Diese werden häufig durch Containerisierungs-Technologien der nächsten Generation unterstützt.

In einigen Jahren sei es eine Kombination aus Private Cloud- und Public Cloud-Infrastrukturen, die produktive Workloads unterstützt, die Norm. Ergänzt würden diese Infrastrukturen durch SaaS-Lösungen, die für eine ganze Palette an funktionalen Bereichen zur Verfügung stehen, prognostizieren die Analysten. Ausschließlich in der Public Cloud werde hingegen kaum ein Unternehmen positioniert sein.

Klassische On-Premise-Infrastruktur im Sinkflug

Bis 2019 werde der Marktanteil von klassischer On-Premise-Infrastruktur mit Virtualisierung von derzeit 72 Prozent auf 18 Prozent fallen, so Saugatuck weiter. Zwei Fünftel des Marktes machten dann Internal & Hosted Private Clouds aus. Ein Drittel entfällt in fünf Jahren laut Prognose auf Hybrid Cloud-Modelle mit Anteilen an On-Premise und Public Cloud. Nur 9 Prozent der Firmen werden bis dahin alleine auf die Public Cloud setzen.

Die enorme Menge an firmeneigenen Rechenzentren entwickelt sich nach Einschätzung der Analysten immer mehr zur Altlast. IT-Chefs begreifen ihre Data Centers demnach häufig als Bremse bei der Modernisierung von Workloads und beim Ergreifen von neuen Chancen, die sich durch Software der jüngsten Generation und durch Mobility eröffnen. Und diese Einordnung sei völlig zutreffend, so Saugatuck - sowohl unter dem Gesichtspunkt der Agilität als auch unter den Aspekten Kosten und Personal.

Mitarbeiter für Legacy-Systeme fehlen

Know-how für die Unterstützung von Legacy-Systemen werde immer knapper und dadurch teurer. Mitarbeiterschulungen zum Betrieb alter Systeme seien kaum zielführend und passten auch nicht in Rekrutierungsstrategien, die auf die Generation der Millennials zugeschnitten seien.