Was Führungskräfte können müssen

Die Erfahrungen von Managern in Japan

25. Januar 2010
Von Michael  Meier
In japanischen Unternehmen sitzen bislang nur wenige westliche Führungskräfte. Doch Erfolge auf globalen Märkten lassen sich nur durch multinationale Teams ermöglichen. Zwar nutzen immer mehr europäische Führungskräfte diese Chance, aber leicht ist es für sie nicht.
Michael Meier arbeitet als Berater für die Personalberatung Egon Zehnder International in Düsseldorf. Er leitet dort den Japan Desk.
Michael Meier arbeitet als Berater für die Personalberatung Egon Zehnder International in Düsseldorf. Er leitet dort den Japan Desk.

Seit China als erfolgreichste Wirtschaftsnation Asiens gilt, ist der Ruhm Japans etwas verblasst. Dabei expandieren Japans Unternehmen nach wie vor. Seit 2001 haben sie unter anderem in Nordamerika und Europa massiv investiert. In den Führungsetagen der größten Unternehmen - des Autoherstellers Toyota und des Mischkonzerns Mitsubishi oder des Telekomanbieters Nippon Telegraph and Telephone (NTT) - sitzen indes bislang nur wenige westliche Führungskräfte: Dieses Defizit wird für japanische Unternehmen zunehmend zum Problem, da Erfolge auf globalen Märkten nur durch multinationale Teams möglich sind.

Wir beobachten in unserer Beratungspraxis, dass immer mehr europäische Führungskräfte diese Chance nutzen, um bei japanischen Unternehmen einzusteigen. Dabei ist interkulturelle Kompetenz der Schlüssel zum Erfolg und auch zur persönlichen Zufriedenheit in einem japanischen Unternehmen. Am schwersten haben es ausländische Manager in konservativen japanischen Firmen, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurden.

Jüngere international ausgerichtete Unternehmen wie der Elektronikriese Sony, der Autobauer Nissan und der Glasverarbeiter Nippon Sheet Glas (Pilkington) bieten ein eher westliches Umfeld. Eine kleine, aber stetig wachsende Zahl japanischer Firmen benennt inzwischen sogar nicht-japanische Topmanager.

Wir haben rund 250 westliche Führungskräfte über ihre Arbeit in japanischen Unternehmen befragt. Unsere Interviewpartner sind bei weltweit agierenden japanischen Konzernen in Japan oder für japanische Unternehmen in Westeuropa und Nordamerika tätig. Ihre Firmen sind hauptsächlich in der Hightech-, Konsumgüter- und in der Automobilbranche zu finden. Unsere Studie brachte zunächst zwei interessante Erkenntnisse.

Erstens: Wer als ausländischer Manager in einem japanischen Unternehmen reüssieren will, muss bereit sein, zu lernen. Er sollte die eigenen Denkmuster und Überzeugungen hinterfragen und sich auf ungewohnte, zunächst vielleicht unverständliche Wege einlassen. Die japanische Unternehmenskultur weist einige Besonderheiten auf: Dazu gehört etwa, dass Entscheidungen nur im Konsens und nicht aufgrund machtbasierter Minderheitenmeinungen fallen - für westliche Manager anfangs oft eine harte Geduldsprobe. Der Kommunikationsstil von Gesprächspartnern lässt vieles unausgesprochen. Westler brauchen ein gewisses Einfühlungsvermögen, wenn sie zwischen den Zeilen lesen möchten.

Gefunden im manager magazin
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Foto: manager-magazin.de

Zweitens: In der beziehungsorientierten, indirekt kommunizierenden Kultur dieser Unternehmen ist es besonders wichtig, einander zu kennen und Vertrauen aufzubauen. Erst auf dieser Basis können überhaupt Sachfragen verhandelt werden. Westliche Manager benötigen deshalb eine ausgeprägte Bereitschaft und Fähigkeit, aktiv auf andere zuzugehen und sie für sich - und die eigene Sache - zu gewinnen. Auch über organisatorische und geografische Grenzen hinweg müssen so vertrauensvolle Beziehungen aufgebaut werden. Die hierarchischen Strukturen sind oft nicht erkennbar. Es bedarf einer Portion Fingerspitzengefühl, um diese offenzulegen.

Welche Erfahrungen machen westliche Manager nun konkret in japanischen Firmen? Mit unserer Studie konnten wir fünf Aspekte beleuchten:

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