Cloud Computing


Cloud-Giganten

Die große Aufholjagd von Google

30. Juni 2016
Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
Mit Amazon Web Services und Microsoft kann es derzeit kein anderer Anbieter von Public-Cloud-Services aufnehmen. Auch von Google war bislang nur wenig zu hören. Doch das soll nun anders werden. Der Suchmaschinenspezialist will sich als Verfolger der beiden "Großen" auf dem Cloud-Markt etablieren.

Mit Amazon Web Services (AWS) und Microsoft dominiert derzeit ein Duo den Markt im Bereich Public-Cloud-Dienste - weltweit wie auch in Deutschland. Nach Angaben der Marktforschungsfirma Synergy Research war AWS im Jahr 2015 mit einem Umsatzanteil von 31 Prozent der weltweit größte Anbieter von Infrastruktur-Services aus der Cloud. Microsoft (neun Prozent) und IBM (sieben Prozent) folgten auf den Plätzen zwei und drei. Dagegen kam Google auf ganze vier Prozent.

Diane Greene, Mitbegründerin von VMware, soll Googles Geschäftsbereich Cloud Computing auf Vordermann bringen.
Diane Greene, Mitbegründerin von VMware, soll Googles Geschäftsbereich Cloud Computing auf Vordermann bringen.
Foto: Google

Für ein Unternehmen, das zu den Pionieren des Internet-Zeitalters zählt und dessen Muttergesellschaft Alphabet im Februar 2016 kurzeitig Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt überflügelte, ist das keine befriedigende Situation. Doch nun bläst GoogleGoogle zum Angriff. Mit Diane Greene stieß Ende 2015 eine erfahrene Managerin zu dem Unternehmen, die als Chef der Cloud-Sparte das Geschäft mit entsprechenden Services ankurbeln soll. Pikanter Weise ist Greene die ehemalige Mitbegründerin und Geschäftsführerin von VMware. Sie tritt nun unter anderem gegen ihren alten Arbeitgeber an, der mit "VMware vCloud Air" ebenfalls auf dem Public-Cloud-Markt präsent ist. Alles zu Google auf CIO.de

Lesen Sie dazu auch unsere Serie "Cloud-Giganten":

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Google baut Cloud-Infrastruktur aus

Ein Manko von Google ist die bislang noch geringe Zahl von Cloud-Rechenzentren. Während beispielsweise AWS seine Cloud-Dienste weltweit in zwölf "Regions" anbietet und fünf weitere in Planung sind, kommt Google derzeit auf vier Regionen, davon zwei in den USA und jeweils eine in Ostasien und Westeuropa. Allerdings kündigte Diane Greene im März 2016 an, dass bis Ende 2017 weitere zwölf Regions hinzukommen sollen. Den Anfang machen der US-Bundesstaat Oregon und Japan. Jede Region besteht aus mindestens einem Datacenter.

Public-Cloud-Giganten im Vergleich: Lesen Sie mehr zu den Stärken und Schwächen der Cloud-Angebote von:

In der Region Westeuropa unterhält das Unternehmen derzeit vier Datacenter. Alle sind in Mitgliedsstaaten der Europäischen Union angesiedelt: in Finnland, Belgien, Großbritannien und den Niederlanden. Allerdings werden nur über das Datacenter in St. Ghislain (Belgien) in Europa die Services der Google CloudCloud Platform (GCP) angeboten. Nutzer, die aus Gründen der Redundanz mehrere regional verteilte Cloud-Rechenzentren in Europa nutzen möchten, müssen somit Abstriche machen. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de

Wie andere Cloud Service Provider stellt Google seine Compute Engine in Regionen und Zonen bereit. Westeuropa ist ein drei Zonen aufgeteilt.
Wie andere Cloud Service Provider stellt Google seine Compute Engine in Regionen und Zonen bereit. Westeuropa ist ein drei Zonen aufgeteilt.
Foto: Google

Immerhin ist St. Ghislain in einem EU-Land angesiedelt. Das ist wichtig, weil gemäß der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) Unternehmen mit Sitz in der EU personenbezogene Daten nur in (Cloud-)Data-Center speichern und bearbeiten dürfen, die den europäischen Datenschutzbestimmungen unterliegen. Auch aus diesem Grund haben mittlerweile alle führenden Cloud-Service-Provider aus den USA Rechenzentren in der EU und in Deutschland eingerichtet, vorzugsweise in Frankfurt am Main.

Dazu zählen AWS, IBM/Softlayer, VMware und Salesforce. Microsoft wird in der zweiten Hälfte 2016 ein Datacenter nahe Magdeburg eröffnen. Dort werden Daten von Kunden aus Deutschland unter Treuhänderschaft von T-Systems gespeichert und verarbeitet. Ob Google ebenfalls ein Cloud-Datacenter in Deutschland aufbauen wird, ist noch offen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass dies der Fall ist, um sich auf diesem Markt besser zu positionieren.