Analysen von IDC und Bitkom

Die IT-Folgen der Japan-Katastrophe

21. April 2011
Von Kolja Kröger
Bei deutschen Herstellern werden nach dem Erdbeben die Chips knapp. Und China sucht neue Lieferanten für Low-End-Produkte. Europa könnte profitieren, so IDC.

Das verheerende Erdbeben in Japan, der Tsunami und die drohende nukleare Katastrophe sind längst in der Weltwirtschaft angekommen. In Deutschland spüren schon 17 Prozent der Technik-Hersteller laut Branchenverband Bitkom Lieferengpässe von Chips, Wafern und Sensoren. Fast die Hälfte erwartet noch stärkere Einschränkungen in den nächsten Monaten.

Mindestens ein halbes Jahr brauche die japanische Halbleiterindustrie, sagt Dale Ford vom Marktforscher IHS iSuppli, um wieder auf die Beine zu kommen. Japan ist einer der wichtigsten Lieferanten von Halbleitern. Die Naturkatastrophe hat nicht nur Fabriken, sondern auch Transportwege und die Stromversorgung schwer beschädigt. Beim Rückversicherer Munich Re soll schon jetzt das Jahresbudget für Naturkatastrophen aufgebraucht sein, schrieb das Manager Magazin.

Kleine Outsourcing-Anbieter trifft das Erdbeben besonders

Jetzt droht auch die Wirtschaftsmacht China sich von Japan abzuwenden, wenn sie Outsourcing-Anbieter für Low-End- und Peripherie-Produkte sucht. Das prognostizieren die Marktforscher von IDC in China. Europa und Nordamerika rücken stattdessen für chinesische Unternehmen stärker in den Fokus.

"Das Erdbeben wird wenig Einfluss auf die Firmen haben, die schon lang und eng mit japanischen Kunden verbunden sind", sagt Joan Mao, IDC-Analystin in China. Wer allerdings Verträge mit Firmen wie Hitachi, Fujitsu und NEC aus zweiter oder dritter Hand abgeschlossen hat, dessen Outsourcing-Politik werde das Beben deutlich stärker verändern. Das gelte vor allem für Low-End- und Peripherie-Angebote.