Top 10 - Jörg Munzel, Autovision

Die IT ist die Kraft im Hintergrund

26. November 2009
Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Mit einer integrierten Business- und IT-Strategie brachte Jörg Munzel die VW-Tochter AutoVision im Wettbewerb voran.

So mancher IT-Manager dürfte Jörg Munzel ob seines Einflusses auf die Geschäftsstrategie beneiden. Der 45-Jährige ist nicht nur CIO, sondern zugleich Leiter Unternehmensentwicklung der AutoVision GmbH. Die 2001 gegründete Tochtergesellschaft der Volkswagen AG agiert als Personal- und Prozessdienstleister und bedient neben dem VW-Konzern auch externe Kunden. Eher ungewöhnlich für einen CIO ist auch Munzels Ausbildungshintergrund. Als Historiker und Philosoph promovierte er über die "Genese der Informatik und Biotechnologie". Hinzu kam eine Strategie- und Management-Ausbildung an der Hochschule St. Gallen.

Jörg Munzel, Erfolg durch "Tandemprinzip"
Jörg Munzel, Erfolg durch "Tandemprinzip"

Das alles dürfte geholfen haben beim Strategieprojekt "AutoVision 2.0", dessen ehrgeiziges Ziel eine wetterfeste strategische Positionierung des Unternehmens war. Der zweifache Familienvater beschreibt das Vorhaben so: "Erstmalig wurde ab Anfang 2007 in der AutoVision eine integrierte Business- und IT-Strategie 'state of the art' entwickelt und über alle Geschäftsfelder, Bereiche, Funktionen und Prozesse umgesetzt." Erfolgsentscheidend sei das in diesem Kontext entwickelte "Tandemprinzip" von Business und IT gewesen, das einen Paradigmenwechsel eingeleitet habe. Die IT sollte nicht mehr nur Supportfunktionen erfüllen, sondern anerkannter Treiber für den Unternehmenserfolg sein. Seinen Mitarbeitern verdeutlichte der passionierte Harley-Davidson-Fahrer das Tandemprinzip mit einem griffigen Motto: "Gemeinsam auf einer Achse - aber auf unterschiedlichen Sitzplätzen - gewinnt man über harmonisiertes Treten mehr Kraft." Das Business sitze dabei als "Primus inter pares" vorn und lenke in Richtung Markt und Kunde. Munzel: "Die IT ist die Kraft im Hintergrund."

Hinter dem IT-Redesign des Personaldienstleisters stand eine zentrale Erkenntnis, erläutert der Manager. "Unternehmen gerade im B2B-Sektor können nur über eine integrierte Betrachtung von Business und IT wettbewerbsüberlegen weiterentwickelt werden." Dementsprechend sieht sein berufliches Selbstverständnis aus: "Ein guter CIO will das Business besser verstehen als die IT." Den Erfolg seiner Arbeit misst Munzel auf drei Ebenen: Auf der untersten Schicht geht es um den klassischen IT-Betrieb, der sich anhand von Parametern wie SLAs, Verfügbarkeit oder Kosten bewerten lasse. Eine Stufe darüber kommt die Prozesseffizienz in den Blick. Hier spielen Kennzahlen wie Durchlaufzeiten eine zentrale Rolle. Noch wichtiger ist für den CIO die dritte Ebene, auf der die entscheidenden Fragen lauten: Wie kann die Technik Geschäftsprozesse unterstützen? Kommt das Unternehmen durch IT wirklich voran? Lassen sich mit Hilfe von IT neue Geschäftsmodelle oder Geschäftsfelder entwickeln?