Bundeswehr

Die IT-Revolution

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Die Friedens-IT wird ausgelagert. Der neue Dienstleister soll auch am Markt agieren und damit angestammten Systemhäusern Konkurrenz machen. Verteidigungsministerium und das CSC-Ploenzke-Konsortium verhandeln auf Hochtouren.

"Bw@Systems. Das IT-Unternehmen der ... und der Bundeswehr." Wo bislang drei Pünktchen als Platzhalter dienen, werden wohl bald CSC, EADS und Mobilcom stehen. CSC für den IT-Dienstleister Computer Sciences Corporation beziehungsweise seine deutsche Tochter CSC Ploenzke, EADS für den Luft- und Raumfahrtkonzern European Aeronautic Defence and Space Company; der von der Pleite bedrohte Telefondienstleister Mobilcom ist naturgemäß noch ein Wackelkandidat. "Das Konsortium hat uns ein Angebot gemacht; die werden sich dann etwas überlegen müssen", sagt Pressesprecher Michael Kötting. Bw@Systems ist allerdings zunächst nicht mehr als ein Arbeitstitel. "Irgendwie mussten wir das Kind ja nennen", heißt es bei der Bundeswehr.

Die ProjekteProjekte, die die IT-Struktur der Bundeswehr revolutionieren sollen, tragen einen zugkräftigen Namen: Herkules - "wegen der Kraftanstrengung, die mit der Umsetzung verbunden ist", erklärt der bisherige IT-Direktor der Bundeswehr, Klaus Hahnenfeld. Er steht jetzt dem Stab der IT-Gesellschaft in Gründung (GIG) vor. Herkules gilt als größtes Generalunternehmer- und Outsourcing-Projekt der Bundesregierung bislang. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren umfasst das finanzielle Volumen rund 6,5 Milliarden Euro. Hahnenfeld könnte Geschäftsführer der neuen Gesellschaft werden; doch auch das ist abhängig von den Verhandlungen. Alles zu Projekte auf CIO.de

Klaus Hahnenfeld leitet den Gründungsstab der IT-Gesellschaft der Bundeswehr und soll Geschäftsführer werden.
Klaus Hahnenfeld leitet den Gründungsstab der IT-Gesellschaft der Bundeswehr und soll Geschäftsführer werden.

Die Gruppe um CSC Ploenzke war bei Redaktionsschluss zunächst der "bevorzugte Bieter" des internen Rankings beim Ministerium. Ebenfalls um den Auftrag beworben hatte sich unter anderem ein Konsortium aus Deutscher Telekom, IBMIBM und Siemens. Rechtliche und inhaltliche Feinprüfungen, die so genannte Due Diligence, sind die letzte Hürde vor dem erwarteten Vertragsabschluss. "Wir arbeiten unter Hochdruck, um das Verfahren so schnell wie möglich zu Ende zu bringen", lässt Kötting wissen. Der genaue Zeitplan ist geheim, damit die Bieter daraus keine Schlüsse für ihre Verhandlungstaktik ziehen können. Verteidigungs- und Haushaltsausschuss werden dem Vertrag wohl erst nach der Bundestagswahl zustimmen. Alles zu IBM auf CIO.de

"Fachliche Gründe" sprachen für die Auswahl der CSC-Gruppe, heißt es in Unternehmenskreisen. Der Konzern ist nach eigenen Angaben schon lange Partner des Pentagons und der US-Streitkräfte und besitzt in Kopenhagen das einzige Nato-zertifizierte RechenzentrumRechenzentrum in Europa. Anders als das Telekom-Konsortium will man die Rechenzentren der Bundeswehr nicht nur an einem, sondern an mehreren Standorten betreiben. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

Wehrtechnik bleibt bei der Bundeswehr

Für die Bundeswehr ist Herkules eine Art Kulturrevolution. Während anderswo das Gründerfieber abgeklungen ist, befinden sich die Streitkräfte in einer Start-up-ähnlichen Phase. Auf der Beschaffungskonferenz im September 2001 schockte Hahnenfeld seine Zuhörer mit Begriffen wie CEO, Workshops und Business Case.