Internet

Die kreativen Zerstörer

16. Juli 2007
Von Christian Rickens
Skype und kein Ende - eine neue Gründergeneration lebt davon, etablierte Geschäftsmodelle zu attackieren. Branchen wie Telekommunikation und Medien werden in den Grundfesten erschüttert.
Skype: Mehr als vier Prozent der internationalen Telefonate werden über diesen Dienst geführt.
Skype: Mehr als vier Prozent der internationalen Telefonate werden über diesen Dienst geführt.

Der gefährlichste Mann Europas lächelt. Nein, sagt Niklas Zennström gelassen, er lege es nicht darauf an, Unternehmen zu zerstören. Das Lächeln verschwindet. Es folgen einige Zehntelsekunden Pause, dann ein ernster Blick durch die Hornbrille: "Aber es gibt nun einmal eine Menge Branchen, deren Geschäftsmodell sich durchs Internet überlebt hat."

Anzug, Seitenscheitel, IWC-Armbanduhr: Nichts an Zennströms seriösem Auftreten deutet darauf hin, dass dieser Mann die vielleicht größte lebende Bedrohung für etablierte Unternehmen verkörpert. Bereits zweimal hat der 41-Jährige eine Branche aus den Angeln gehoben - und schickt sich gerade an, es ein drittes Mal zu tun.

Es begann mit der Online-Musiktauschbörse Kazaa, von Zennström 2001 gegründet. Anders als Wettbewerber wie Napster kam Kazaa ohne zentralen Knotenrechner aus. Diese Peer-to-Peer-Technologie machte es für die Musikindustrie schwierig, Kazaa rechtlich beizukommen. Die Umsätze mit Musik-CDs sind seit der Jahrtausendwende eingebrochen - größtenteils Folge von Tauschbörsen wie Kazaa.

Dieser Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de.
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Foto: manager-magazin.de

2002 gründete Zennström Skype, einen Online-Dienst, mit dem man gratis über das Internet telefonieren kann. Die Zahl der Nutzer stieg rasant auf über 170 Millionen, mehr als vier Prozent aller internationalen Gespräche laufen heute über Skype. 2005 verkaufte Zennström Skype für rund zwei Milliarden Euro an das Online-Auktionshaus Ebay.