Journalismus

Die Liste der Probleme der Medienbranche

18. Januar 2016
Sinkende Auflagen für gedruckte Zeitungen, zu wenig Werbeumsatz online, neue Rivalen - die Problemliste der Medienbranche ist lang. Qualität ist aus Sicht von Economist-Chefredakteurin Minton-Beddoes die wichtigste Antwort für die Rettung des Journalismus. Reicht das?
Journalisten auf einer Pressekonferenz: Das Vertrauen der Leser ist das wichtigste Kapital eines Mediums.
Journalisten auf einer Pressekonferenz: Das Vertrauen der Leser ist das wichtigste Kapital eines Mediums.
Foto: Paolo Bona - shutterstock.com

Das Internet und die Digitalisierung bieten dem Journalismus aus Sicht wichtiger Medien-Manager ungeahnte Chancen - zumindest wenn die Unternehmen dafür ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickeln können. Es sei eine Zeit voller Gefahren für Medienhäuser, aber auch eine der Möglichkeiten, sagte NewsCorp-Chef Robert Thomson ("The Sun", "The Times", "The Wall Street Journal") am Montag in München auf der Internetkonferenz DLD.

Erfolgsbasis bleibe gut gemachter Journalismus. Und der definiere sich nicht darüber, wie schnell MedienMedien Geschichten voneinander abschrieben. Zudem müsse darüber gesprochen werden, wie sich die Macht von Suchmaschinen wie Google beschränken lasse, sagte Thomson. "Ich denke, dieser Weg muss in Erwägung gezogen werden." Zugleich machte er für die Misere vieler Verlage auch Managementfehler in der Vergangenheit verantwortlich - und anmaßende Journalisten, die nicht auf die wirklichen Wünsche ihrer Leser Rücksicht genommen hätten. Top-Firmen der Branche Medien

Auch aus Sicht der Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins "The Economist", Zanny Minton-Beddoes, haben Medienhäuser nur eine Zukunft, wenn sie hochwertigen Journalismus liefern. "Es ist nicht mehr genug, ein Angebot zu machen, das okay ist", sagte Minton-Beddoes. Die Möglichkeiten, die die Digitalisierung biete, hätten zwar neue Konkurrenten und Herausforderungen gebracht, sie böten Journalisten aber zugleich großartige Chancen. Das ermögliche Medien eine große Zukunft - wenn man seine Hausaufgaben mache.

Ihr Magazin habe eine Auflage von rund 1,5 Millionen. Untersuchungen hätten aber gezeigt, dass die englischsprachige Zielgruppe, die sich eine Publikation wie den "Economist" leisten kann und ihn auch haben möchte, eine Größe von rund 70 Millionen habe. "Das zeigt unsere Möglichkeiten." Soziale Netzwerke seien zwar auch Konkurrenz für klassische Medien, sie seien aber auch "eine Art Lieferwagen" für journalistische Angebote und ein Verstärker mit enormer Reichweite.

Sie setzt neben dem Abo für das gedruckte Magazin zugleich vor allem auf ein Bezahlmodell für Inhalte im Netz. Werbung über bezahlte Artikel, das auch in Deutschland umstrittene sogenannte native Advertising, lehnte Minton-Beddoes ab. Dabei bezahlen Firmen für gekennzeichnete Artikel, die journalistischen Texten ähneln und in das Layout eingepasst sind. Das zerstöre das Vertrauen der Leser in die Unabhängigkeit der Publikation, sagte Minton-Beddoes. "Und das Vertrauen der Leser ist das wichtigste Kapital eines Mediums."

Den Optimismus von Thomson und Minton-Beddoes teilt der Inhalte-Chef des Time-Verlags nur bedingt. Auch er erkenne die großen Möglichkeiten, sagte Norman Pearlstine. Jedoch: "Wir haben jede Menge Arbeit vor uns." Journalisten stünden weiterhin raue Zeiten bevor. Mehr Sorgen als die Herausforderungen durch Google oder Facebook mache ihm aber die fortschreitende Einmischung von Regierungen. Weltweit säßen viele Journalisten in Gefängnissen. (dpa/rs)

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