Strategien


Digitalisierung und Führung

Die Mitarbeiter machen einfach

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Was hat Digitalisierung mit Unternehmenskultur zu tun – diese Frage beantworten ein traditionsreicher Konzern wie die Deutsche Bahn, ein digital-affines Unternehmen wie T-Systems Multimedia Solutions und der mittelständische Familienbetrieb Hettich ganz unterschiedlich.
Wer seinen Mitarbeitern die gewünschten Technologien nicht bereitstellt, riskiert, dass sie "einfach machen".
Wer seinen Mitarbeitern die gewünschten Technologien nicht bereitstellt, riskiert, dass sie "einfach machen".
Foto: Anchiy - shutterstock.com

"DigitalisierungDigitalisierung der Produkte betrifft das eine Unternehmen mehr, das andere weniger. Aber Digitalisierung und FührungFührung betrifft alle", sagt Peter Klingenburg, Managing Director bei T-Systems Multimedia Solutions. Jeder stelle Mitarbeiter ein, die Facebook nutzen. Zum Zusammenhang zwischen digitaler Transformation und Firmenkultur haben wir beispielhaft drei Unternehmen befragt, die jeweils für einen bestimmten Typus stehen. Da sind der alteingesessene Konzern, das digital-affine Unternehmen und der Mittelständler. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de Alles zu Führung auf CIO.de

"Jeder kann sich an Dr. Hettich wenden"

Ein lustig "Kuckuck" war in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts der letzte Schrei. Wer auf sich hielt, hängte eine Schwarzwälder Kuckucksuhr ins Biedermeier-Wohnzimmer. Karl Hettich hörte den Ruf - und die Kassen klingeln. Mit einer selbst entwickelten Maschine mechanisierte er 1888 die Produktion von Ankerhaken für den tickenden Wandschmuck. Heute zählt die Hettich Holding zu den weltweit führenden Herstellern von Technik für Möbel, produziert also Scharniere, Schubkastensysteme und Ähnliches.

Fragt man Norbert Günther, CIO bei Hettich, rund 130 Jahre später nach seiner Visitenkarte, muss er erst einmal suchen. "Von uns finden Sie nichts auf Papier", entschuldigt er sich. Das Unternehmen aus Kirchlengern (25 Kilometer nördlich von Bielefeld) geht mit der Zeit. Rund 6.000 Menschen arbeiten in 100 Ländern für den Familienbetrieb, den heute der junge Andreas Hettich führt. Er weiß Digitalisierung zu nutzen.

"Anfang 2016 haben wir flächendeckend eine Kollaborationsplattform eingeführt", berichtet Günther, "jeder Mitarbeiter kann sich an Dr. Hettich wenden." Das funktioniert, sagt der CIO. Damit ist der Familienbetrieb ein praktisches Beispiel für das theoretische Paradigma von der Vorbildfunktion des Vorstands.

Digitalisierung kann auch Angst machen

Günther selbst hat bei der Organisation seines Teams freie Hand. Die Präsenzpflicht für seine IT-Mitarbeiter hat er abgeschafft. Dabei gab es intern durchaus Hürden zu überwinden. Die Kommunikation mit dem Firmenchef ist das Eine, der eigene Arbeitsalltag das Andere. Nicht jedem Mitarbeiter fällt die Umstellung auf CollaborationCollaboration leicht. Alles zu Collaboration auf CIO.de

Die Leute hatten eben ihre Ablagesysteme entwickelt und müssen nun lernen, Informationen und Dokumente auf einer virtuellen Plattform abzulegen. "Digitalisierung kann auch erstmal Ängste auslösen", erinnert sich Günther, "vor allem dann, wenn es den eigenen Arbeitsplatz betrifft." Geholfen hat wiederum Kommunikation mit den Arbeitnehmervertretern und das starke Commitment des Vorstands.

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