Investitionen in mittelständische Unternehmen

Die neue Anlagestrategie der RAG-Stiftung

16. Oktober 2013
Die RAG-Stiftung will ihre Anlagepolitik fundamental verändern, wie das manager magazin berichtet. Vorstandschef Werner Müller sagte im Interview, die Stiftung denke darüber nach, „künftig in erfolgreiche deutsche Unternehmen zu investieren, denen es an Kapital fehlt".

Müller zielt auf deutsche Mittelständler, „vom Bodensee bis ins Sauerland", und möchte auf diesem Wege auch den Wirtschaftsstandort stärken. Er kann sich sogar vorstellen, eine eigene Vermögensverwaltung nach dem Vorbild vermögender Family Offices aufzubauen. Müller: „Das kann man kopieren, wir müssen das Rad ja nicht neu erfinden." Kurz vor Weihnachten wolle man das neue Anlagekonzept dem Kuratorium der Stiftung vorstellen.

Jedes Jahr, so Müller, habe die Stiftung 350 bis 400 Millionen Euro neu anzulegen. Bislang seien überwiegend Papiere des Bundes, zum Beispiel Bundesschatzbriefe, gekauft worden. Angesichts des derzeit niedrigen Zinsniveaus führe das allerdings „zum realen Werteverzehr". Aufgabe der RAG-Stiftung ist es, den deutschen Steinkohlebergbau abzuwickeln. Für Folgelasten ab 2019 muss sie nach Müllers Angaben etwa 18 bis 19 Milliarden Euro aufbringen. Alles in allem betrage das Stiftungsvermögen mehr als zehn Milliarden Euro. Müller: „Momentan sind wir untergedeckt."

Müller hofft, dass der Chemiekonzern Evonik, an dem die Stiftung 68 Prozent hält, angesichts der derzeit miesen Branchenkonjunktur die Dividende erhöht. Gegenwärtig zahlt Evonik 0,92 Euro pro Aktie. „Weniger wird es nicht", so Müller. Aber er könne sich „eine gerade Summe" vorstellen.

Massiv kritisierte Müller die gegenwärtige Energiepolitik. Im deutschen Strommarkt herrschten mittlerweile „schizophrene Zustände". Müller plädiert für eine „vorausschauende Lösung", eine Auffanggesellschaft für sämtliche deutschen Kohle-und Gaskraftwerke. Über die sollten Fragen der Stilllegung sowie der öffentlichen Subventionierung der Bereitstellung gebündelt geregelt werden. Das sei allemal besser als „das ständige Herumdoktern", wie es derzeit praktiziert werde.

Von der nächsten Bundesregierung erwartet der frühere Wirtschaftsminister, dass sie sich für einen „Solidarpakt West" stark mache. „Wenn Sie durchs Ruhrgebiet fahren, passieren Sie heruntergekommene Straßenviertel, die gibt es heute in Ostdeutschland überhaupt nicht mehr", so Müller. „Die Sorge um das Gemeinwohl erfordert, dass man jetzt im Westen die Schäden, die über Jahrzehnte entstanden sind, behebt." (rs)

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