Die wöchentliche CIO-Kolumne

Die neue Einfachheit

04. August 2003
Von Andreas Schmitz
Thomas Hoof erscheint nicht gerne in den Schlagzeilen - schon gar nicht im Zusammenhang mit informationstechnischen Dingen. Und doch hat er in den neuesten Hausnachrichten seines "Versandhauses der guten Dinge" Manufactum eine Botschaft gefunden, die alle IT-Verantwortliche angeht: Software-Werkzeuge, so seine Forderung, sollen endlich wieder sparsam, klein, handhabbar, reparierbar, überblickbar und kompetenzfördernd sein. Ein Ansatz, der neben der Technik die gesamten Entscheidungsprozesse im Unternehmen in Frage stellt.

Wir erinnern uns: Die Beratungsgesellschaft Heyde ging Anfang 2002 pleite und das Versandhaus aus dem nordrheinischen Bottrop stand vor dem Scherbenhaufen der SAP-Einführung, die in den Händen der Pleite-Berater lag. Nach einer Menge Klimmzügen schaffte es IT-Vorstand Ralf Locke schließlich doch noch, mit Hilfe eines SOS-Teams SAPSAP ans Laufen zu bekommen - ein Gewaltakt . Alles zu SAP auf CIO.de

Seine Erklärung für das Desaster besonders des SAP-Projekts: Die Einführung hochmodularer, hochkomplexer Softwaresysteme, so Hoof, habe für ihn den Anstrich einer okkulten, esoterischen Übung gehabt. Der Grund: Viele ineinandergeschaltete Black-Boxes, in denen etwas Softwaretechnisches ablaufe, werde im besten Fall noch von einem Unterexpertenteam überblickt. Schon für funktionale Nachbarteams sei das ein Buch mit sieben Siegeln.

Was Hoof in den Hausnachrichten seines Mittelstandsunternehmens anspricht, kennen auch Konzern-CEOs und -CIOs. Die Kernfrage lautet hier wie dort: Wie treffe ich Entscheidungen für Technologien so, dass sie auch von der Gesamtheit getragen und verstanden werden? Dabei hatte sich Manufactum offensichtlich, möglicherweise wie viele andere Unternehmen auch, zeitweise und nicht eigenverschuldet in Details verloren.

CIOs sind verstärkt auf der Suche nach der neuen Einfachheit. Sie schaffen neue Organisationsstrukturen mit schnellen Wegen für sinnvolle unternehmensweite Entscheidungen. Der Grund dafür: Niemand etwa in Landesgesellschaften eines globalen Konzerns soll von Technologien überrumpelt werden, von denen er nichts versteht. Oder aber neue Programme vorantreiben, die in anderen Ländergesellschaft nicht einsetzbar sind. Deshalb gibt es immer häufiger spezielle Gremien für die lokalen CIOs und IT-Manager, die vor allem eines im Auge haben: Entscheidungen für das gesamte Unternehmen mitzugestalten.

Großunternehmen nennen das IT-Governance, übrigens das Titelthema des CIO-Septemberhefts. Manufactum-Chef Hoof hat IT-Governance auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebrochen: Er möchte die Black-Box IT wieder entzaubern - also Transparenz und Verständlichkeit in die IT bringen. Das betrifft die Technik genauso wie den Führungsstil. So sucht er derzeit Mitarbeiter für die Organisation und IT, die "immer mit einem Blick auf die beim Nutzer eintretenden organisatorischen Erleichterungen" an der Entwicklung mitwirken sollen. Sie sollen verständliche nachvollziehbare Technologien für das 160-Mitarbeiter-Unternehmen schaffen. Für viele global tätige Konzern-CIOs, die noch an ihrer IT-Governance-Strukturen basteln, ist das ein frommer Wunsch - im direkten Vergleich zugegebenermaßen aber auch eine Mammutaufgabe.

Andreas Schmitz
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