Psychologie

Die Risiken des Gruppendenkens

20. Februar 2014
promovierte in Erwachsenenbildung über das Training professioneller Intuition. Er arbeitet seit dem Jahr 2003 als freiberuflicher Berater, Trainer, Coach und Speaker mit dem Schwerpunkt unternehmerischer Entscheidungen und Managementinnovation.
Weiteres zur Person auf www.a-zeuch.de sowie www.crowdintuition.de.
An sich kompetente Personen treffen mitunter schlechte Entscheidungen, sobald sie es gemeinsam tun. Andreas Zeuch schildert das Phänomen des Gruppendenkens.
Andreas Zeuch ist freiberuflicher Berater, Trainer, Coach und Speaker.
Andreas Zeuch ist freiberuflicher Berater, Trainer, Coach und Speaker.
Foto: Dr. Andreas Zeuch

In meiner letzten Kolumne bin ich auf das Phänomen des Gruppendenkens eingegangen. Da die Voraussetzung für fehlleitendes Gruppendenken der Führungsspitze in den meisten Unternehmen gegeben ist, widme ich mich diesem Thema nun ausführlicher. Zunächst zwei Beispiele zur Illustration:

Die Eskalation der Kuba-Krise hin zum möglichen dritten Weltkrieg war eine der größten Beinahe-Katastrophen infolge zu einheitlichen Gruppendenkens. Dieser Zuspitzung ging im April 1961 die Invasion der Schweinebucht voraus. Die Kennedy-Regierung entwickelte die Strategie und realisierte sie unter Ausschluss all derer, die einem Erfolg kritisch gegenüber standen.

Aus heutiger Sicht war unfassbar, dass der Personenkreis, der die Militäroperation plante, zugleich deren Erfolgsaussichten beurteilte. Kritiker in der Gruppe wurden schnell mundtot gemacht. Weitere ausstehende Expertenkreise, wie Mitarbeiter der CIA oder die Kuba-Abteilung des Außenministeriums wurden nicht zu Rate gezogen. Infolgedessen wurden zentrale Informationen und Fakten, die allesamt damals vorlagen, nicht in die Entscheidungsfindung miteinbezogen: Die Popularität Fidel Castros bei den Kubanern, die Stärke der kubanischen Armee, selbst die geografische Größe der Insel. Die Operation endete somit in einem beinahe perfekten Desaster. Und bildete eine der Grundlagen für die spätere Eskalation.

Am 1. Februar 2003 machte sich indes die Mannschaft des Space Shuttle Columbia auf den Weg zur Landung im Kennedy Space Center in Florida. In einer Höhe von 63 Kilometern, 16 Minuten vor der Landung, brach die Columbia auseinander. Alle sieben Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Die anschließende Untersuchung brachte wiederum ein vollkommen fehlleitendes Gruppendenken zu Tage, das für die Katastrophe mit verantwortlich war.

Zentral war dabei eine kollektive Fehleinschätzung darüber, dass ein abgerissenes Stück Schaumstoff einen Schaden anrichten kann, der letztlich zum Absturz führte. Desweiteren zeigte das Mission Management Team (MMT) eine erhebliche Selbstüberschätzung bezüglich der eigenen Informiertheit. Eine Anfrage für ein Foto, um mögliche Beschädigungen im Vorfeld des Absturzes zu erkunden, wurde mit der Begründung abgewiesen, dass die Bildauflösung zu klein sei. Dumm nur, dass keines der Mitglieder des MMT den nötigen Sicherheitspass hatte, um die Information zur Bildauflösung zu erhalten. Und es hatte auch kein MMT-Mitglied bei den Verantwortlichen nachgefragt.

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