Angriff auf Microsoft

Die Schlacht, die Google verliert

07. Oktober 2009
Reppesgaard studierte in Hannover und arbeitete danach als Reporter und Moderator bei Hörfunk von Radio Bremen zu innen- und jugendpolitischen Themen und in den Bereichen Technologie und Wissenschaft. Seit dem Jahr 2000 lebt er in Hamburg, seit 2001 arbeitet er mit Christoph Lixenfeld im druckreif Redaktionsbüro zusammen.
Der erfolgsverwöhnte Suchgigant Google will auch im Bereich mit Unternehmens-Software punkten. Die Chancen, dass dies in Deutschland gelingt, sind gering. Die Bedenken der Anwender sind zu groß.

Dass ausgerechnet der populäre Online-Dienst TwitterTwitter GoogleGoogle Enterprise Apps nutzt, sollte für Googles Marketing-Team eigentlich eine tolle Nachricht sein. Dumm nur, dass die Zusammenarbeit ausgerechnet durch einen Datendiebstahl im Juli dieses Jahres bekannt wurde. Alles zu Google auf CIO.de Alles zu Twitter auf CIO.de

Ein Hacker hatte sich Zugang zum Google-Mail-Konto einer Twitter-Angestellten verschafft. Dort konnte er nicht nur ihre Mails, sondern auch bei Google gespeicherte Firmendokumente lesen. Die Apps greifen nahtlos ineinander. Wer den E-Mail-Dienst benutzt, kann mit diesem Nutzerkonto auch die Online-Bürosoftware nutzen. Zu den mehr als 300 Dokumenten, die kopiert wurden, gehörten eine Liste aller Twitter-Angestellten, ihre Kreditkartennummern, Telefon- und E-Mail-Daten, Verträge mit Lieferanten wie Nokia, Samsung, DellDell und MicrosoftMicrosoft sowie Gehalts- und Bewerbungsunterlagen. Alles zu Dell auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de

Solche Nachrichten kann Google derzeit nicht gebrauchen. Mit seinen Anwendungen versucht der Such-Riese, den Dauerrivalen Microsoft auch auf dem Feld der Office- und Mail-Systeme anzugreifen "Schon jetzt sehen beide Unternehmen sich gegenseitig als jeweils größte Bedrohung für ihre eigenen langfristigen Geschäftsstrategien", sagt Rüdiger Spies, Enterprise-Experte beim Analystenhaus IDC in München.

Allerdings sieht es nicht so aus, als könnte der Such-Gigant diesen Kampf gewinnen. Zwar sind Googles Online-Firmenanwendungen wie der E-Mail-Server, ein Online-Kalender, die Collaboration-Software Google Sites oder Office-Anwendungen wie die Textverarbeitung Google Docs und die Tabellenkalkulation Spreadsheet zweifellos billig. 40 Euro kostet es, einen Firmenarbeitsplatz ein Jahr lang in die Cloud zu verlagern. Der Preis bringt viele Firmen dazu, wenigstens vorübergehend einmal Googles Dienste auszuprobieren. "Wir sehen, dass pro Tag 3000 Firmen beginnen, unsere Apps zu nutzen", sagt Dave Armstrong, der für Google in Europa den Bereich Enterprise-Anwendungen verantwortet.

Streit um Google in Los Angeles

Doch bei vielen Projektplanungen stehen seit der Twitter-Affäre Sicherheitsfragen im Vordergrund. So streiten Cloud-Befürworter und -Kritiker in der Stadtverwaltung von Los Angeles darüber, ob ein 7,25 Millionen-Dollar-Projekt, die IT der Stadt auf Google zu migrieren, nicht zu gefährlich ist. Bisher betreibt die Stadt ein Novell-GroupWise-E-Mail-System und arbeitet mit Microsoft Office. L.A. könnte durch den Umstieg von 30 000 Angestellten auf die Enterprise Apps im Jahr sechs Millionen Dollar Lizenzkosten sparen.

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