Zukunftsforschung

Die sinnlose Suche nach neuem Wohlstand

08. Januar 2013
Wirtschaftswoche-Redakteur
Der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski präsentiert seinen alternativen Wohlstandsindex. Von den Politikern fordert er nicht weniger als eine "Zufriedenheitsgarantie". Die sollten sich vor solchem Unsinn hüten.
Professor Dr. Horst W. Opaschowski
Professor Dr. Horst W. Opaschowski
Foto: Professor Dr. Horst W. Opaschowski

Von übermäßigem Wohlstand kann bei den Deutschen keine Rede sein. Ökonomisch mögen sie ziemlich reich sein, aber beim ökologischen, gesellschaftlichen und individuellen Wohlstand hapert es gewaltig. Nur 42,4 von theoretisch möglichen 100 Punkten erreichen die repräsentativ ausgewählten 2000 Bundesbürger, die der Hamburger "Zukunftswissenschaftler" Horst W. Opaschowski und das Marktforschungsinstitut Ipsos für ihren "Nationalen Wohlstandsindex für Deutschland" (NaWI-D) befragten. In diesen Index fließen neben dem BIP auch Indizien für den ökologischen Wohlstand ("naturnah und nachhaltig leben"), den gesellschaftlichen (frei und in Frieden leben") und den individuellen Wohlstand (gesund und ohne Zukunftsängste leben") ein.

Forderung nach Lebensqualitätssicherung

Die Bevölkerung fordere von der Politik "Mehr Lebensqualitätssicherung", behauptet Opaschowski. "Wer Zukunft menschlich gestalten will, muss Wohlstand zum Wohlergehen mit Zufriedenheitsgarantie machen." Müssen wir uns also Sorgen machen? Haben Politik, Verwaltung und die gesamte Zivilgesellschaft versagt? Haben sie in ihrer Fixierung auf das Wirtschaftswachstum die wirklich entscheidenden Kriterien des Wohlstands vernachlässigt? Die Ergebnisse von Opaschowski, der nicht nur die Zukunft erforschen zu können glaubt, sondern seiner Website zufolge auch "Berater für Politik und Wirtschaft" ist, scheinen das nahe zu legen.

Immerhin, mag man erleichtert einwenden, hat der Bundestag das Problem erkannt und schreitet zur Lösung. Seine Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" unter Vorsitz der Abgeordneten Daniela Kolbe von der SPD soll nicht nur "die Möglichkeiten und Grenzen der Entkopplung von Wachstum, Ressourcenverbrauch und technischem Fortschritt ausloten" und "den Stellenwert von Wachstum in Wirtschaft und Gesellschaft ermitteln", sondern schließlich auch "einen ganzheitlichen Wohlstands- und Fortschrittsindikator entwickeln". Für das, was Opaschowski anbietet, gibt es also ganz offensichtlich eine Nachfrage.