Neue Geschäftsmodelle

Die Smartphone-Revolution nimmt Fahrt auf

11. Dezember 2014
Smartphones haben das Zeug dazu, viele Branchen umzukrempeln. Die Kombination aus schnellen Datennetzen und Ortungsdiensten schafft raum für neue Geschäftsmodelle.

Smartphones verschlingen die Welt - der IT-Analyst Benedict Evans formuliert den Trend drastisch. Der Experte des bekannten Startup-Finanzierers Andreessen Horowitz meint den rasanten Wandel, der mit dem Vormarsch der Computer-Handys nicht nur die Telekom-Industrie, sondern alle möglichen Branchen durchzieht. Und die Revolution steht erst am Anfang.

Rund zwei Milliarden Smartphones sind nach Expertenschätzungen weltweit im Einsatz. Zum Jahr 2020 könnten es nach Prognosen doppelt so viele sein. Anders gesagt: Rund 80 Prozent der Erwachsenen dürften dann mit einem Smartphone online sein, wie Evans vorrechnet. Das bedeutet nicht nur einen doppelt so großen Markt von Menschen, die regelmäßig neue Telefone kaufen werden. Das verändert auch die Art, wie Waren, Dienstleistungen oder Werbung an den Kunden gebracht werden. Zudem verbringen Smartphone-Nutzer viel Zeit in Apps statt im Internet-Browser.

Und das Smartphone ist nicht einfach nur ein Computer im Taschenformat. Es ist maximal personalisiert, man hat es immer dabei, es hat Sensoren von GPS-Ortung bis hin zur ziemlich präzisen Bewegungs-Erkennung. Mobile Bezahldienste, Werbung, die sich an den Aufenthaltsort des Nutzers anpasst, persönliche Assistenten, die durch den Tag führen - das Smartphone macht es möglich. Es entstehen Ideen und Geschäftsmodelle, die es vorher gar nicht geben konnte. Die Grenzen würden gerade vor allem von der Fantasie gesetzt, sagt ein ranghoher IT-Manager. Die Herausforderung sei, herauszufinden, wie man aus den neuen Möglichkeiten eine sinnvolle Dienstleistung für den Nutzer entwickelt.

Da ist zum Beispiel der Handel. Nicht nur dass man mit dem Smartphone überall und jederzeit online einkaufen kann. Der Modehändler Zalando etwa bietet in seiner App die Möglichkeit einer Foto-Suche an. Man schießt ein Foto auf der Straße, und die Software einer britischen Firma sucht nach diesem oder ähnlichen Kleidungsstück. Amazon will das Prinzip bei seinem ersten Handy Fire Phone auf alles mögliche ausweiten. Die erste Auflage des Telefons im Sommer floppte, aber der weltgrößte Online-Händler will nicht aufgeben.

Nach Schätzungen des Marktforschers Forrester dürften allein in den USA im Jahr 2014 E-Commerce-Erlöse von rund 114 Milliarden Dollar von Smartphones und Tablets kommen. Die Foto-Plattform Instagram sieht den Handy-Bildschirm inzwischen auch als das "neue Schaufenster" für die Geschäfte, wie Managerin Tracy Yaverbaun jüngst bei einer Fachkonferenz sagte. Die Leute gingen in Läden mit Fotos aus dem Netz hinein, die auf Handy-Bildschirmen das zeigen, was sie kaufen wollen.

Die Zukunft vieler Unternehmen hängt davon ab, wie gut sie ihr Geschäft an die Smartphone-Ära anpassen können. So setzte Facebook vor zweieinhalb Jahren alles daran, seine Werbung, die nur auf PC-Nutzer ausgerichtet war, auch auf die mobilen Geräte zu bringen. Zuletzt brachten sie schon zwei Drittel der Anzeigen-Erlöse des Online-Netzwerks ein. Der Spiele-Entwickler King Digital Entertainment baute ein Milliarden-Geschäft mit dem recht simplen Smartphone-Spiel "Candy Crush" auf. Konkurrent Zynga müht sich hingegen, den Sprung vom PC auf den kleineren Bildschirm zu schaffen. Auf den Hit "Farmville" folgte kein ähnlich großer Erfolg, die Kundenzahl sinkt, die Verluste häufen sich. (dpa/rs)

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