Strategien


Sourcing-Studie 2015

Die Sourcing-Strategien der Entscheider

24. September 2015
Christoph Lixenfeld, seit 25 Jahren Journalist und Autor, vorher hat er Publizistik, Romanistik, Politikwissenschaft und Geschichte studiert.

1994 gründete er mit drei Kollegen das Journalistenbüro druckreif in Hamburg, schrieb seitdem für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel, Focus, den Tagesspiegel, das Handelsblatt, die Wirtschaftswoche und viele andere.

Außerdem macht er Hörfunk, vor allem für DeutschlandRadio, und produziert TV-Beiträge, zum Beispiel für die ARD-Magazine Panorama und PlusMinus.

Inhaltlich geht es in seiner Arbeit häufig um die Themen Wirtschaft und IT, aber nicht nur. So beschäftigt er sich seit mehr als 15 Jahren auch mit unseren Sozialsystemen. 2008 erschien im Econ-Verlag sein Buch "Niemand muss ins Heim".

Seit 2014 betreibt er die Informationsplattform www.wohinmitmutter.de.

Christoph Lixenfeld schreibt aber nicht nur, sondern er setzt auch journalistische Produkte ganzheitlich um. Im Rahmen einer Kooperation zwischen Süddeutscher Zeitung und Computerwoche produzierte er so komplette Zeitungsbeilagen zu den Themen Internet und Web Economy inklusive Konzept, Themenplan, Autorenbriefing und Redaktion.
Onshoring-Projekte machen am glücklichsten, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Dennoch glauben IT-Verantwortliche, dass die Zukunft dem Offshoring gehört. Ein Widerspruch? Nicht unbedingt.

Spannend an vielen Studien sind oft nicht nur die Ergebnisse an sich, sondern vor allem ihre Details, die Widersprüchlichkeiten im Antwortverhalten und die Analyse der (möglichen) Ursachen. Das gilt auch für die aktuelle Outsourcing-Studie, die IDG Business Research Services im Auftrag des CIO-Magazins in Kooperation mit Capgemini und Deloitte durchgeführt hat.

Im Mai 2015 befragten die Macher 592 IT- und Business-Verantwortliche auf C-Level aus Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Ist-Zustand und zur Zukunftseinschätzung ihrer Outsourcing-Aktivitäten:

  • Welche sind die wichtigsten Antriebskräfte für OutsourcingOutsourcing? Alles zu Outsourcing auf CIO.de

  • Wie sieht die eigene Strategie aus?

  • Wie glücklich sind die Beteiligten damit geworden?

  • Wie schätzen sie die Zukunft des Outsourcings ein?

So lauteten die zentralen Fragen. Spannend sind die Antworten auch mit Blick auf die Ergebnisse des Vorjahres, die Studie wird zum mittlerweile fünften Mal betrieben. Am Anfang der Betrachtung des Was und des Warum von Outsourcing stand die Frage nach den wichtigsten Herausforderungen für IT-Abteilungen insgesamt.

Security erstmals wichtiger als Konsolidierung

Ergebnis: KonsolidierungKonsolidierung – das klassische Outsourcing-Thema – bleibt zwar mit 52,4 Prozent der Nennungen ganz wichtig, wird aber in diesem Jahr erstmals von Security mit 56,3 Prozent überholt. Konsolidierung spielt auch bei der Sourcing-Strategie, also bei der Frage, was genau ausgelagert wird, eine zentrale Rolle (54,7 Prozent der Nennungen) und wird lediglich vom "Betrieb von Applikationen" mit 59,6 Prozent überholt. Alles zu Konsolidierung auf CIO.de

Jürgen Lademann, Partner Technology Advisory bei Deloitte: "Die Praxis zeigt, dass die Gestaltung einer effizienten Retained Organisation für den Erfolg und die Zufriedenheit mit dem Outsourcing entscheidend ist."
Jürgen Lademann, Partner Technology Advisory bei Deloitte: "Die Praxis zeigt, dass die Gestaltung einer effizienten Retained Organisation für den Erfolg und die Zufriedenheit mit dem Outsourcing entscheidend ist."
Foto: Deloitte

Je einfacher die Aufgabe, desto häufiger lagert man sie aus – so lautet eine Sourcing-Faustregel in vielen Betrieben. Wobei allerdings auch komplexe, sensible IT-Aufgaben durchaus häufig nach außen gegeben werden. Services rund um die Produktentwicklung zum Beispiel lagern 35,2 Prozent der Unternehmen aus, bei kompletten Business-Prozessen sind es 31 Prozent.

Wichtigste Triebfeder für Outsourcing ist Kostensenkung, gefolgt von Personalmangel und Innovationsdruck. Dabei haben die beiden letztgenannten Aspekte im Vergleich zur Vorjahresumfrage drastisch an Bedeutung zugelegt, was nichts anderes bedeutet, als dass Unternehmen Innovationsprozesse immer seltener ohne Outsourcing-Partner stemmen können.

Sehr unzufrieden mit Offshoring

Eine andere Erkenntnis aus der Umfrage: Je näher, desto lieber – so könnte man die regionale Outsourcing-Präferenz der Auftraggeber zusammenfassen. Deutschland ist mit Abstand am beliebtesten – und ferne Länder am unbeliebtesten. Der Grund: Mit dem eigenen Land haben die Verantwortlichen die besten Erfahrungen gemacht. „Sehr zufrieden“ mit Onshoring ist mehr als jeder Fünfte der Befragten, beim Offshoring sagen dies gerade einmal vier Prozent. „Eher nicht zufrieden“, „nicht zufrieden“ oder „gar nicht zufrieden“ sind mit Onshore nur 15,6 Prozent, mit Offshore-Projekten aber 38 Prozent der Befragten. Nearshoring liegt in der Mitte dieser Bewertungen.

Abgesehen von der Softwareentwicklung setzen bei keinem Outsourcing-Thema zehn Prozent oder mehr der Befragten auf Offshoring. Vergleichsweise unbeliebt sind auch die klassischen Standorte Indien und China – und sie haben im Vergleich zum Vorjahr weiter an Boden verloren.

Sourcing-Strategie in fünf Jahren

Bemerkenswert ist diese Tatsache vor allem mit Blick auf die Zukunftsprognosen. Gefragt nach ihrer (voraussichtlichen) Sourcing-Strategie in fünf Jahren, sagen IT-Verantwortliche und andere C-Level-Führungskräfte, dass sie in Zukunft insgesamt deutlich mehr IT-Aufgaben auslagern wollen als bisher. Der Applikations­betrieb bleibt dabei wichtigstes Thema, Hotlines und Helpdesks schieben sich auf Platz zwei. Außerdem deutet die Prognose darauf hin, dass Onshoring drastisch an Bedeutung verlieren wird. In fünf Jahren – so die Einschätzung der Befragten – liegt die Beliebtheit von Nearshoring bei fünf von acht wichtigen Themen vor der von Onshoring. Aktuell ist dies bei keinem einzigen der acht abgefragten Themen der Fall.

Außerdem glauben IT-Verantwortliche, dass Offshoring in fünf Jahren sehr viel beliebter sein wird als heute. Bei der Softwareentwicklung soll es dann laut 21,3 Prozent der Nennungen sogar das Onshoring (19,8 Prozent) überholt haben. Selbst sensible IT-Aufgaben könnten in Zukunft weit häufiger in ferne Länder verlagert werden als heute – sagen die Befragten. Der Widerspruch ist bemerkenswert: Aktuell ist die Beliebtheit von Onshoring überragend, fast alle machen damit offenbar die besten Erfahrungen. Zugleich wird Offshoring immer unbeliebter. Trotzdem gehen alle davon aus, dass sich dieses Verhältnis in fünf Jahren umkehren wird.

Der Kostendruck wächst

Was uns das sagt? Vielleicht, dass sich Menschen ungern von lieb gewonnenen Überzeugungen abbringen lassen – auch nicht durch eigene Erfahrungen. Eine weitere mögliche Erklärung für den Widerspruch bietet der Blick auf die Kriterien, nach denen ein Outsourcing-Ansatz beziehungsweise ein Dienstleister gewählt wird. Günstige Preise und technologisches Know-how liegen hier vorne, wobei die Bedeutung des Preises zu- und die des Know-hows abgenommen hat.

Raymond Pennings, Leiter Business Development bei Capgemini Infrastructure Services Central Europe: "Die digitale Transformation der Geschäftsprozesse wird zu stärkerer Auslagerung von Aufgaben an IT-Service-Provider führen."
Raymond Pennings, Leiter Business Development bei Capgemini Infrastructure Services Central Europe: "Die digitale Transformation der Geschäftsprozesse wird zu stärkerer Auslagerung von Aufgaben an IT-Service-Provider führen."
Foto: Capgemini

Ein Grund für den Glauben an die Zunahme des Offshorings könnte also darin liegen, dass IT-Verantwortliche von einem weiter (drastisch) steigenden Kostendruck ausgehen. Passend dazu halten die Befragten das Potenzial von Outsourcing insgesamt für noch längst nicht ausgeschöpft.

Gefragt wurde – neben dem Was und Wohin – auch nach internen Entscheidungsprozessen beim Outsourcing. Dabei hat die Studie diese Frage aus zwei unterschiedlichen Perspektiven untersucht. So ging es darum, bei welchen Outsourcing-Themen häufiger der Geschäftsführer und bei welchen öfter der CIO beziehungsweise der IT-Leiter in die Entscheidung involviert ist. Der zweite Blickwinkel betrachtet einzelne Positionen im Unternehmen (GF, CIO etc.) und ihren Einfluss auf das Outsourcing in unterschiedlichen Bereichen.

Wer über ein Outsourcing entscheidet

Wichtigstes Ergebnis: Zwischen 50 und 70 Prozent der Befragten sagen bei fast allen Themen, dass CIOs und andere IT-Verantwortliche in den Entscheidungsprozess involviert sind. Dagegen geben lediglich bei den Themen Beschaffung, Business Process Outsourcing und Personaldienstleistungen mehr als 50 Prozent an, dass der Geschäftsführer eingebunden ist. Interessanterweise sind dies durchweg Bereiche, die vergleichsweise selten ausgelagert werden.

Dass die Fachbereiche an Auslagerungs-Entscheidungen mitwirken, sagen dagegen bei fünf von acht Themen weniger als dreißig Prozent der Antwortenden. Gerade bei den Outsourcing-Kern­themen Applikationsbetrieb, Softwareentwicklung und Konsolidierung spielen Fachbereiche eine eher untergeordnete Rolle. Auf der anderen Seite sind das jene Themen, in denen CIOs und IT-Leiter den Entscheidungsprozess maßgeblich beeinflussen.

Bei der Frage nach dem final Entscheidenden ergibt sich dasselbe Bild wie beim Einfluss auf den Prozess: In vier von acht Fällen entscheidet häufiger der CIO oder IT-Leiter als der Geschäftsführer. Der in den zurückliegenden zwei bis drei Jahren häufig diskutierte Machtverlust von CIOs zugunsten der Fachbereiche bestätigt sich beim Thema Outsourcing also nicht. Im Gegenteil. CIOs geben weiterhin die Richtung vor.

CIO Sourcing Studie 2015

Die CIO Sourcing Studie 2015
Die CIO Sourcing Studie 2015
Foto: CIO.de

Die Sourcing-Herausforderungen, denen IT- und Business-Manager heute gegenüberstehen, waren noch nie so komplex. Neben Kostenaspekten treten Fragen der Sicherheit, der Agilität sowie des Alignments zwischen Sourcing- und Geschäftsstrategie immer mehr in den Fokus. Damit entwickelt sich die Sourcing-Frage zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für das IT-Management. Lesen Sie dazu, wie CIOs und Geschäftsentscheider die aktuellen Trends beurteilen.
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