Fehlprognosen

Die spektakulärsten Irrtümer der IT-Geschichte

11. September 2014
Seine erste Berührung mit Informatik erfolgte an einem C64 samt Floppy VC 1541. Von Anfang an nutzte er diesen faszinierenden Heimcomputer nicht nur zum Daddeln, sondern auch für die Basic-Programmierung. Unter anderem half er seinen damals etwas müden Kopfrechnen-Fähigkeiten auf die Sprünge, indem er ein Programm schrieb, das immer zwei zufällig ausgewählte Zahlen zur Multiplikation stellte. Im Hintergrund lief ein Timer. Nur wenn er das Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Zeitraums, der leider manchmal zu knapp bemessen war, richtig eintippte, bekam er einen Punkt gutgeschrieben. Seine Highscore-Ergebnisse waren durchwachsen, seine Programmierkenntnisse dafür umso besser. Der Lehrstuhl, an dem er als studentische Hilfskraft angestellt war, gehörte seinerzeit zu den Vorreitern in Sachen IT. Man übersetzte damals die griechischen Inschriften der antiken Stadt Hierapolis – heute ist dieses türkische Pamukkale bekannt durch seine Kalksinter-Terrassen. Die wissenschaftlich korrekt erfassten und kommentierten Inschriften bearbeiteten Dirscherl und Kollegen zunächst in Wordperfect. Anschließend landeten die Texte in einer Datenbank, die auf CD gepresst und für sündhaft viel Geld weltweit verkauft wurde. Über dieses epigraphische Datenbankprojekt, diverse C-Programmierereien auf Unix-Systemen und seine ersten Experimente mit Linux landete er schließlich professionell bei der IT. Seit den späten 1990-ern nutzt er Linux als Produktivsystem, seit Anfang der 2000-er Jahre ist Linux sein hauptsächliches OS. Nach vielen Jahren mit Suse Linux und Open Suse und zwischendurch Ausflügen zu Red Hat und Debian landete er bei Ubuntu und erledigt damit alle Arbeiten. Linux und C ist er bis heute treu geblieben – nach einem Ausflug zu PHP und MySQL. Mittlerweile bastelt er auch mit Arduino. Bei pcwelt.de betreut er vor allem Business-IT-Themen und hat den Auto & Technik-Bereich von Null beginnend aufgebaut. Seine Tests der Infotainmentsysteme in modernen Fahrzeugen gehören zu den ausführlichsten Tests, die man dazu überhaupt finden kann. Daneben schreibt er zudem fast täglich aktuelle Meldungen aus der IT-Welt.
Staubsauger laufen mit Atom-Antrieb, fünf Computer reichen für die ganze Welt, ein totgesagter Gigant, der sich bester Gesundheit erfreut und der Untergang des Internets – wir stellen Ihnen die kuriosesten und spektakulärsten falschen Prophezeiungen der Technikgeschichte vor.
Foto: Tanja Jäckel - Fotolia.com

"Das Internet wird wie eine spektakuläre Supernova im Jahr 1996 in einem katastrophalen Kollaps untergehen". Diese ganz offensichtlich falsche Vorhersage stammt ausgerechnet von Robert Metcalfe, dem Gründer von 3Com und Erfinder der Ethernet-Verbindung, die heute der Standard für kabelbasierte NetzwerkeNetzwerke ist. Alles zu Netzwerke auf CIO.de

"Ich denke, dass es weltweit einen Markt für vielleicht fünf Computer gibt". Das prognostizierte Thomas Watson, Chairman von IBMIBM, im Kriegsjahr 1943. Und dann war es ausgerechnet IBM, das dem PC, wie wir ihn heute kennen, zum Durchbruch verhalf und ihn zum Massenprodukt machte. Alles zu IBM auf CIO.de

"Dieses Telefon hat zu viele Schwächen, als dass man es ernsthaft für die Kommunikation in Erwägung ziehen kann". Internes Memo von Western Union aus dem Jahr 1876. Heute sind Telefone in Form von SmartphonesSmartphones dabei PCs überflüssig zu machen. Alles zu Smartphones auf CIO.de

"Noch hat ein Rechner wie der ENIAC 18,000 Vakuum-Röhren und wiegt 30 Tonnen. Doch die Computer der Zukunft werden nur noch 1.000 Vakuum-Röhren besitzen und vielleicht nur noch 1,5 Tonnen wiegen". Diese verlockende Prophezeiung machte Popular Mechanics im März 1949. Mit diesem vorhergesagten Gewicht wären Notebooks nur schwerlich ein Erfolg geworden. Doch es kam bekanntlich anders.

"Es gibt keinen Grund, warum jeder einen Computer zu Hause haben sollte" behauptete Ken Olsen, Gründer von Digital Equipment Corp. im Jahr 1977. Naja, so ganz Unrecht hat Olsen ja nicht einmal, mitunter reicht ja auch ein Tablet.

"In fünf Jahren wird das Tablet in den USA die beliebteste Form eines PCs sein". Der Satz klingt gar nicht mal so falsch, er könnte durchaus bald Realität werden. Wenn, ja, wenn ihn nicht Bill Gates im Jahr 2002 gesagt hätte. Damals versuchte MicrosoftMicrosoft seine Vorstellung von einem Tablet-PC mit Stiftbedienung durchzusetzen. Und scheiterte kläglich - das Windows-Tablet-PC war schwerfällig zu bedienen und absolut unsexy. Wie man es richtig macht, zeigten 2010 Steve Jobs und AppleApple mit dem intuitiven iPadiPad. Es reicht eben nicht, eine gute Idee zu haben, man muss sie auch gut umsetzen. Alles zu Apple auf CIO.de Alles zu iPad auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de

"Das Abonnement-Modell für den Kauf von Musik ist gescheitert" meinte Steve Jobs am dritten Dezember 2003. Nun ja, auch der iTunes Store brauchte einige Jahre, bis er richtig boomte.

"In zwei Jahren wird das Spam-Problem gelöst sein" versprach Bill Gates im Jahr 2004. Wie viele Spammails haben Sie heute erhalten? Derzeit macht Spam zirka 90 Prozent des weltweiten Mailverkehrs aus.

Das denkt Bill Gates über Intel

"Dieses Kartell-Ding wird sich in Wohlgefallen auflösen" sagte Bill Gates gegenüber Intel-Verantwortlichen im Jahr 1995. 1991 begann die Federal Trade Commission der USA mit der Untersuchung darüber, ob Microsoft seine marktbeherrschende Stellung gegenüber anderen Betriebssystemen ausnützen würde. 2002 kam es zu einemfür Microsoft negativen Urteil. Und 2008 gerieten Microsoft und US-Behörden erneut aneinander.

"Apple ist bereits tot" meinte Nathan Myhrvold, ehemaliger Microsoft CTO im Jahr 1997. Für einen Toten schlägt sich Apple aber durchaus wacker, alle lebenden Unternehmen können nur davon träumen, die wertvollste Firma der Welt zu sein. Zumal der Zombie Apple für sich in Anspruch nehmen kann, zwei Märkte überhaupt erst erfunden zu haben: Den für Smartphones und den für TabletsTablets. Alles zu Tablets auf CIO.de

"Es gibt praktisch keine Möglichkeit, um Kommunikationssatelliten im Weltall zu verwenden, um besser Telefon-, Telegraph-, Fernseh- und Radiodienste in den USA zu ermöglichen". Das sagte T. Craven, FCC Commissioner im 1961. Obwohl die UdSSR 1957 einen Satelliten ins All geschossen hat.

"Staubsauger, die durch Kernkraft angetrieben werden, sind vermutlich in zehn Jahren Realität". Diese gruselige Vorhersage stammt von Alex Lewyt, dem Präsidenten von Lewyt Corp Vacuum Company. Jede Hausfrau und jeder Hausmann saugt also mit dem eigenen Atomkraftwerk in den eigenen vier Wänden, aha. Wobei: Einen kleinen Fortschritt gibt es bei Staubsaugern in der Tat - die Staubsaugroboter nämlich.

Übrigens: Das unvermeidliche "Niemand braucht mehr als 640kB RAM in seinem PC" haben wir bewusst nicht in die obige Liste aufgenommen. Erstens ist Bill Gates als gescheitertes Orakel ohnehin oft genug vertreten. Und zweitens stammt diese Aussage vermutlich gar nicht von ihm. (PC WELT)