Cloud Computing


Angetestet: Lifesize Cloud

Die Videokonferenz aus der Cloud

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Videokonferenzen in professioneller Qualität, ohne Investment in teure Hardware? Das verspricht zumindest die Logitech-Tochter Lifesize mit Lifesize Cloud. Wir haben das System in der Praxis angetestet.
Eine einfach zu bedienende Videokonferenzlösung aus der Cloud offeriert Lifesize.
Eine einfach zu bedienende Videokonferenzlösung aus der Cloud offeriert Lifesize.
Foto: Lifesize

Viele Unternehmen zeigen dem Thema Videokonferenz noch immer die kalte Schulter, obwohl sie damit die Reisekosten senken und die standortübergreifende Zusammenarbeit deutlich verbessern könnten. Meist scheitert eine Einführung daran, dass hohe Investitionen in Hardware wie Video-Gateways befürchtet werden, oder die Angst besteht, dass das teure Equipment später ungenutzt herumsteht, da es aufgrund von Inkompatibilitäten mit anderen Systemen nicht genutzt wird. Auf der anderen Seite scheitern kostenlose Systeme wie Skype im Business-Alltag schnell, da ihre Video- und Audioqualität zu schlecht sind und eine geschäftliche Konferenz damit schnell zur Qual wird - die Systeme gehören in den privaten Bereich.

In diese Bresche springt Lifesize mit seiner Cloud-Lösung zur Videokonferenz. Keine teuren Investitionen in Hardware, leichte Bedienbarkeit, einfache Installation, Interoperabilität - so sollen sich die Systeme von Polycom, Cisco oder Avaya problemlos einbinden lassen-, kalkulierbare Kosten, professionelle Videoqualität, mit diesen Argumenten will Lifesize bei Anwendern und Unternehmen punkten.

Einfache Installation

Zumindest die Installation verlief auf unserem Windows-7-Rechner kinderleicht. Nach der Anmeldung in der Lifesize-Cloud mussten wir lediglich eine rund 13 MB große Client-Software herunterladen und installieren. Die am Rechner vorhandene Kamera, eine Logitech HD Pro Webcam C910 mit einer HD-Auflösung von 720p, wurde sofort erkannt. Angenehm war ebenfalls, dass keine langwierige Konfiguration von Netz-Ports erforderlich war, wie wir sie schon bei anderen Konferenzsystemen erlebt haben. Entsprechend schnell konnten wir mit der ersten Videokonferenz loslegen.

Die Bandbreitenanforderungen halten sich in Grenzen.
Die Bandbreitenanforderungen halten sich in Grenzen.
Foto: Lifesize

Die Bedienung ist dabei recht einfach, denn in der Client-Software dienen sieben Icons zur Planung und Einleitung von Konferenzen. Teilnehmer können so etwa per E-Mail oder per Kalendereinladung zu einem Meeting eingeladen werden. In der Mail erhält der Teilnehmer dann einen Link zum virtuellen Video-Konferenzraum. Fehlt ihm noch der entsprechende Client auf PC, Tablet oder Smartphone wird er direkt auf die entsprechende Downloadseite umgeleitet. Die einfachste Lösung wäre dabei die Teilnahme per Browser. Hierbei werden Opera, Chrome und Internet Explorer unterstützt, wobei allerding jeweils ein Plugin erforderlich ist. Alternativ kann die oben angesprochene Client-Software installiert werden.

Praxiserfahrungen

In der Praxis funktionierte eine Videokonferenz per Browser problemlos, empfehlenswert ist sie aus unserer Sicht dennoch nicht und zwar aus zwei Gründen. Zum einen erschien uns das Bild deutlich pixeliger, zu anderen fehlen etwa Funktionen wie das Sharing von Bildschirmen und Applikationen. Zwar kann der Browser-Teilnehmer die Präsentationen anderer sehen, aber nicht selbst Inhalte zur Verfügung stellen.

Gute Videoqualität

Die gute Anbindung an die Rechenzentren sorgt für ungetrübte Videoübertragungen.
Die gute Anbindung an die Rechenzentren sorgt für ungetrübte Videoübertragungen.
Foto: Lifesize

Einschränkungen, die der Client-Nutzer nicht kennt. Er kann detailliert aussuchen, ob er einen ganzen Bildschirm oder nur eine bestimmte App mit anderen teilt. Zudem ist bei der Client-Software die Bildqualität deutlich besser. Überhaupt gab es an der Bildqualität und Stabilität nichts zu kritisieren. In einer einstündigen Videokonferenz mit Lifesize selbst hatten wir lediglich einmal für Sekundenbruchteile einen kleinen Audio-Aussetzer - mit kostenlosen Lösungen wie Skype wäre so eine Qualität undenkbar. Hier zahlt sich eventuell das Lifesize-Konzept aus, die eigene Cloud-Lösung in mehreren um den Globus verteilten Rechenzentren zu hosten. Hierzu nutzt Lifesize die 12 Data Center der IBM-Tochter Softlayer. Das für Deutschland zuständige RechenzentrumRechenzentrum befindet sich in Amsterdam. Zu diesem hatten wir mit einer Latency von 15 ms und einem Jitter von 3 ms eine gute Anbindung. Weitere europäische Hosting-Orte sollen folgen. So plant Softlayer etwa neue Standorte in London, Paris und Frankfurt. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

Ein anderer Aspekt, der der Videoqualität zu Gute kommt, sind die verwendeten Codecs. So setzt Lifesize einen Codec ein, der die Videoqualität dynamisch fein abgestuft an die vorhandene Bandbreite anpasst. Während einer Videokonferenz in HD benötigten wir so eine Bandbreite zwischen 1 und 1,2 Mbit/s im Up- und Download. Unterwegs kann so auch über eine mobile Datenverbindung per Smartphone oder Tablet teilgenommen werden. Und falls alle Stricke reißen, offeriert Lifesize weltweit noch reine Audiozugänge per Festnetz-Telefonnummern zu den Cloud-Meetings.

Fazit

Unter dem Strich konnte uns die Cloud-Lösung begeistern. Sie ist einfach einzurichten und zu bedienen und überzeugt mit guter Videoqualität und Collaboration-Möglichkeiten, ohne dass in teure Konferenz-Hardware investiert werden muss. Allerdings sollte jedem klar sein, dass dies nicht zum Nulltarif zu bekommen ist. Je nach Vertrag (abhängig von der Nutzerzahl) sind pro Mitarbeiter mit 5 bis 25 Dollar pro Monat zu rechnen. Wie bei vielen anderen Anbietern auch fehlt leider ein echter On-Demand-Tarif für Anwender, die nur ab und an eine professionelle Videokonferenz benötigen. Hier sollte Lifesize seine Preispolitik überdenken. Auf der anderen Seite kann der User das Cloud-Angebot vorab ausführlich hier kostenlos testen.

Zur Startseite