Serie: Warum der CIO unverzichtbar ist

Die vielen Profile des CIOs

05. Dezember 2013
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Klar, momentan läuft ohne den CIO nichts. Digitalisierung und andere Trends verändern aber seine Rolle. Der CIO muss sich deshalb wandeln können, um seinen Einfluss zu behalten.
PAC-Analystin Nicole Dufft warnt: "Agilität und Innovationsfähigkeit müssen neben Funktionsfähigkeit und Sicherheit viel stärker ins Zentrum der IT-Strategie rücken – andernfalls droht der IT der Rückfall in die Bedeutungslosigkeit."
PAC-Analystin Nicole Dufft warnt: "Agilität und Innovationsfähigkeit müssen neben Funktionsfähigkeit und Sicherheit viel stärker ins Zentrum der IT-Strategie rücken – andernfalls droht der IT der Rückfall in die Bedeutungslosigkeit."
Foto: PAC

Die Leitfrage unserer zu Ende gehenden Serie stößt manchem CIO sauer auf. Weil die Antwort sonnenklar ist: Natürlich ist der CIO unverzichtbar fürs Unternehmen. Ein IT-Chef, der ungenannt bleiben möchte, äußerte auf unsere Anfrage sein Missfallen darüber, dass dies aus kalkuliertem Interesse in Zweifel gezogen werde. „Berater empfehlen sich dadurch oft den Unternehmen", so eben jener CIO. „Der Software-Industrie ist der CIO in seinem Auftrag als IT-Ausgabenhüter oft einfach vertrieblich im Weg." Gewiss gebe es solche Diskussionen auch in manchen Unternehmen. Dort werde aber nicht die Rolle an sich kritisch beäugt, sondern die Person des jeweiligen CIOs, der den wachsenden Ansprüchen nicht genüge. In Wahrheit wachse die Bedeutung des IT-Chefs nämlich sogar beschleunigt. Hinsichtlich ihrer Bedeutung und hinsichtlich ihres Aufgabenspektrums: beispielsweise durchIndustrie 4.0Industrie 4.0 und überhaupt durch IT in Produkten, was mit neuen Geschäftsmodellen zu integrieren sei. Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Bessere Qualifizierung nötig

Unter anderem diese Entwicklung war Thema in einem unserer Beiträge. Letztlich hat die Kritik des ungenannten CIOs ohnehin einen konstruktiven Kern. Er mahnt eine Diskussion darüber an, wie die steigenden Erwartungen an diese Schlüsselrolle im Unternehmen zu erfüllen seien. Zu reden sei über die Ausgestaltung und Professionalisierung der Funktion des CIOs, auch über die Qualifizierung für die Rolle. In der Tat sind diese Wie-Fragen innerhalb dieser Serie immer wieder angerissen worden. Die Quintessenz der älteren Beiträge lautet:Ja, der CIO ist unverzichtbar und wird immer wichtiger; die Kehrseite dieser hübschen Medaille ist allerdings der rasante Wandel dieserRolleRolle. Alles zu Rolle des CIO auf CIO.de

Darin sind sich sämtliche der befragten IT-Chefs und Analysten einig. "Die massive Digitalisierung von Geschäftsmodellen, Kundenkanälen und Prozessen hat weitreichende Folgen für die Rolle des CIOs", stellt programmatisch Nicole Dufft fest, Analystin bei Pierre Audoin Consultants (PAC). In einem Umfeld, in dem sich Unternehmen und ganze Branchen neu erfinden, müsse der CIO zum Innovationspartner und Treiber der digitalen Transformation in allen Geschäftsbereichen werden. „Agilität und Innovationsfähigkeit müssen neben Funktionsfähigkeit und Sicherheit viel stärker ins Zentrum der IT-Strategie rücken – andernfalls droht der IT der Rückfall in die Bedeutungslosigkeit", sagt Dufft.

„Die Arbeitswelt ist zunehmend digital, Mitarbeiter verlangen nach mobilen Lösungen, Kunden gewinnen durch Social Business an Marktmacht und die IT wird durch die Nutzung von Cloud Services globaler getrieben", formuliert Lynn-Kristin Thorenz von IDC. „Es ist daher an der Zeit für CIOs, ihre Rolle zu überdenken und auch anzupassen."

Wandlungsfähigkeit ist stärker gefragt als bisher. Schmetterlinge wechseln ihre Gestalt wie selbstverständlich. Können CIOs das auch?
Wandlungsfähigkeit ist stärker gefragt als bisher. Schmetterlinge wechseln ihre Gestalt wie selbstverständlich. Können CIOs das auch?
Foto: Kathy Keifer - Fotolia.com

Die Analystin empfiehlt dem CIO, die Anforderungen seiner Kollegen aus den Fachabteilungen zunehmend besser kennen und verstehen zu lernen – damit das gesamte Unternehmen bei der Erreichung der Ziele auch optimal und tiefgehender weiter unterstützt werden kann. „Strategisch gesehen kann der CIO auch in Zukunft einen entscheidenden Beitrag bei der Integration der unterschiedlichen Bedürfnisse der Fachabteilungen und für die Umsetzung und Unterstützung der Anforderungen mit Technologie leisten", führt Thorenz weiter aus. „Ohne Veränderung seines Rollenverständnisses wird er aber vermutlich in seiner traditionellen Rolle verharren." Also aufs Zuarbeiten beschränkt bleiben.

Gefährliches Einigeln

Sich auf der Hinterbank technischer Inseln einzuigeln, geht aber nicht mehr. Dieser Tenor klingt bei den verschiedenen Analystenhäusern recht gleich, unterschieden nur von Zungenschlägen. Experton betont zum Beispiel die „Leadership-Rolle" des CIOs bei der digitalen Transformation. Forrester-Analyst Pascal Matzke macht drei Stoßrichtungen des Wandels aus: erstens den CIO als Enabler der digitalen Transformation, zweitens als Schnittstelle zwischen den Geschäftsbereichen, drittens als Service-Broker.

Gartner definiert vier Profile, in die der CIO bewusst hineinwachsen kann, mit stets möglichen Überlappungen:

  1. IT als "Motorhaus", aus dem heraus effizient maßgeschneiderte und höchst wettbewerbliche IT-Services geliefert werden

  2. Die IT als gewachsene und integrierte Shared-Service-Organisation, die wie ein Unternehmen geführt wird

  3. Die mit Produkten verschmelzende IT – Stichwort "Industrie 4.0"

  4. Die IT als Unterstützter der IT für jeden. Damit ist eine „wohlüberlegte Entwicklung und Ausbeutung der Schatten-ITSchatten-IT" gemeint. Angestrebt wird dabei, die Selbstbedienungs-IT der diversen Abteilungen und User in InnovationInnovation und Wertbeitrag umzumünzen. Alles zu Innovation auf CIO.de Alles zu Schatten-IT auf CIO.de

Laut Simon Mingay, Analyst bei Gartner, kommt es auf die jeweilige Situation an, welche dieser Optionen als „Gravitationszentrum" der CIO-Rolle gewählt wird. Eines haben die vier Profile aber gemein: je mehr der CIO in sie hinein wächst, desto mehr entwächst er seiner traditionellen Rolle. „Diese Veränderung führt viele CIOs zu einer neuen Rolle hin, deren Augenmerk auf der Schöpfung von Wettbewerbsvorteilen durch Technologie-basierte InnovationInnovation." Alles zu Innovation auf CIO.de

Der Wandel ist vielgestaltig. Der CIO soll sein:
- Innovator,
- Integrator,
- Service-Provider und Service-Makler,
- technologischer Lehrmeister,
- Business-Enabler

Verzichtbar kann niemand sein, der alle diese Funktionen oder auch nur einen Teil leidlich erfüllt. Das Management des andauernden, gleichwohl radikalen Umbruchs in Zeiten von Cloud ComputingCloud Computing, Big DataBig Data, Industrie 4.0, Mobile ITMobile IT und Social MediaSocial Media ist aber in jedem Fall auch paradox. Der CIO ist gefragt, das Unternehmen vorwärts zu treiben, weil er wie kein anderer Expertise für die alten und neuen Technologien hat; er muss aber auch auf die Bremse treten, wenn Wildwuchs und Risiken entstehen. Kontrolle und Sicherheit sind auch seit eh und je Kernkompetenzen des CIOs. Es zeichnet sich nicht ab, dass diese an Bedeutung verlieren – in Zeiten von NSA und Prism wohl eher das Gegenteil. Alles zu Big Data auf CIO.de Alles zu Cloud Computing auf CIO.de Alles zu Mobile IT auf CIO.de Alles zu Social Media auf CIO.de

Die CIOs, die in unserer Serie zu Wort kamen, haben diese Doppelbödigkeit immer wieder betont. Konsens herrscht darin, dass die Relevanz des eigenen Tuns ebenso steigt wie das Anspruchsniveau der vielfältigen Aufgaben. Deshalb, so berichten die CIOs, geht es heute weniger denn je ohne ein starkes Team und ohne das Zusammenspiel mit den anderen Abteilungen. PAC-Analystin Stefanie NaujoksStefanie Naujoks hat dafür ein letztes Beispiel parat – es illustriert auch, wie Trends wie Big Data und Industrie zusammenspielen können. Profil von Stefanie Naujoks im CIO-Netzwerk

Industrie 4.0 treibt Big Data

Bereits heute stelle die steigende Datenflut in der Produktion eine sehr große Herausforderung für die Produktionsleiter dar, so die Analystin. Bei der Weiterentwicklung der Produktion in Richtung Industrie 4.0 werde das Datenvolumen weiter steigen. „Daher werden insbesondere die Erfassung und Weiterverarbeitung von fertigungsrelevanten Daten von zentraler Bedeutung sein", prognostiziert Naujoks. Hier gelte es, die Zusammenarbeit zwischen der CIO-Organisation, die bereits Erfahrung im Management und der Analyse von großen Datenvolumina aus den kommerziellen Unternehmensapplikationen hat, und der Produktion zu optimieren.

Serie: Warum der CIO unverzichtbar ist

Teil 1: Nur die IT hat den vollen Durchblick

Teil 2: Die Spinne im Abteilungsnetz

Teil 3: Der CIO als Service-Makler

Teil 4: Der CIO als Aufbauhelfer