Führungsnachwuchs

Die Wunschkandidaten der Vorstände

10. Juli 2012
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Praktika, Auslandserfahrung, Soft Skills. Wer in die Führungsetagen will, muss das alles mitbringen. Die Vorstände der DAX-Unternehmen haben diese Anforderungen seinerzeit jedoch nicht erüllt.

Praktika während des Studiums, Auslandserfahrung und Soft Skills - all das erwarten Unternehmen heute von Hochschulabsolventen und ganz besonders von Nachwuchsführungskräften. Eine Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger und der Universität Innsbruck untersuchte die Ausbildungswege von 181 DAX-Vorständen und verglich sie mit den Anforderungen der Konzerne an künftige Führungskräfte. Dabei zeigte sich, dass die Qualifikationen der Top-Manager in starkem Kontrast zu den Profilen stehen, die Unternehmen von ihren Nachwuchs-Managern erwarten.

Der Chef von morgen braucht in den Augen der Chefs von heute Praxis- und Auslandserfahrung, die sie aber selbst oft nicht gesammelt haben.
Der Chef von morgen braucht in den Augen der Chefs von heute Praxis- und Auslandserfahrung, die sie aber selbst oft nicht gesammelt haben.
Foto: tommaso lizzul-Shutterstock.com

Die Mehrheit der befragten Vorstände verfügt über ein Universitätsstudium, Promotion und Forschungserfahrung. 84 Prozent der deutschen DAX-Vorstände haben ein Universitätsstudium abgeschlossen, rund jeder Fünfte von ihnen an einer Elite-Universität. Fast die Hälfte hat im Anschluss an das Studium promoviert. Über einen MBA verfügen nur elf Prozent der Umfrageteilnehmer. Von Nachwuchskräften erwarten Unternehmen heute andere Fähigkeiten: Während nur 20 Prozent der Vorstände von Nachwuchs-Managern eine Promotion erwarten, stufen beinahe 70 Prozent von ihnen den Diplom- oder Masterabschluss als sehr wichtig ein. Damit sind die Vorstände selbst besser ausgebildet als sie es vom Nachwuchs erwarten.

Vorstände können kaum Praktika vorweisen

Auch bei beruflicher Praxis während des Studiums klaffen Vorstandslebensläufe und Erwartungen an den Nachwuchs weit auseinander. Denn praktische Erfahrungen aus Studienzeiten können nur rund 14 Prozent der DAX-Vorstände vorweisen. Gerade auf diese beruflichen Erfahrungen legen Unternehmen bei der Rekrutierung heute viel Wert. Mehr als 80 Prozent der Manager erachten genau solche Erfahrungen als vorteilhaft und erwarten sie von den heutigen Bewerbern, heißt es in der Studienauswertung.

Viele Arbeitgeber suchen Querdenker mit Unternehmergeist und wünschen sich deshalb Nachwuchskräfte mit Soft Skills wie Entrepreneurship (27 Prozent) und Kreativität (23 Prozent). Nur vier Prozent der DAX-Vorstände haben in ihrem Leben schon einmal eine Geschäftsidee umgesetzt. Alle Top-Manager haben sich über ihr Studium hinaus engagiert, etwa an der Universität oder im sozialen Bereich. Allerdings haben sie dies weit weniger stark getan, als man es heute von ihnen erwarten würde.

Zur Startseite